Neue Normen machen Flurförderzeuge sicherer 01.04.2019, 00:00 Uhr

Es tut sich was bei den Normen für Flurförderzeuge

Die Technischen Komitees von ISO und CEN, verantwortlich für die Normen von Flurförderzeugen (FFZ), haben einige Neuerungen zu vermelden. Nachfolgend eine Zusammenfassung der Aktivitäten.

Die Verantwortlichen für die Normung von Flurförderzeugen (FFZ) haben einige Neuerungen zu vermelden. Bild: Linde MH

Die Verantwortlichen für die Normung von Flurförderzeugen (FFZ) haben einige Neuerungen zu vermelden. Bild: Linde MH

Eine ISO-Arbeitsgruppe arbeitet kontinuierlich an der weltweiten Harmonisierung der Standsicherheitsanforderungen für FFZ. Seit 2008 wird die Normenreihe ISO 22915 um einzelne Teile für spezifische FFZ-Arten erweitert. Gegenwärtig findet die Reihe ihren vorläufigen Abschluss mit Erstellen des Teils 17 „Standsicherheitsanforderungen für Schlepper, Lasten- und Personentransportfahrzeuge“. In Summe stehen in der Normenreihe 18 Teile zur Verfügung.

Die Normenreihe ISO 3691 wird gegenwärtig um den Teil 4 – fahrerlose FFZ, allgemein auch als AGV (Automated Guided Vehicles) genannt – ergänzt. Die Normungsexperten schließen mit der Norm die Lücke der Sicherheitsanforderungen für fahrerlose FFZ und tragen damit dem gegenwärtigen Durchbruch dieser FFZ am Markt Rechnung. Es entsteht eine etwa 60-seitige Norm, die zudem zur Veröffentlichung als EN ISO und diese wiederum zur Harmonisierung mit den Bestimmungen der Maschinenrichtlinie in Europa vorgesehen ist. Die Norm wird die inzwischen veraltete EN 1525 ablösen.

Messungen zum Energie- Kraftstoffverbrauch europaweit vereinheitlicht

In Europa wird seit einigen Jahren an der Normenreihe EN 16796, Energieeffizienz von Flurförderzeugen, gearbeitet. Vier Teile der Reihe sind seit 2017 veröffentlicht, mit denen es der Arbeitsgruppe erstmals gelungen ist, die Messung des Kraftstoff- bzw. Energieverbrauchs von FFZ europaweit vergleichbar zu machen. Für batteriegetriebene FFZ kann beim Energieverbrauch auch die Effizienz der Batterie und der Ladetechnik bewertet werden. Aus dem Verbrauch von Kraftstoff (bzw. elektrischer Energie) kann anhand der Normen zusätzlich das Äquivalent der CO2-Emissionen eines FFZ während des Betriebs ermittelt werden. Der eingesetzten Elektroenergie werden dabei die CO2-Emissionen bei der Stromerzeugung in einem europäischen Mix zugrunde gelegt.

Sicht der Flurförderzeug-Bediener

Die Testzyklen für die Verbrauchsmessung in den Normen basieren auf denen der aktuellen VDI 2198, welche europaweit in Übereinstimmung gebracht wurden und zudem eine Präzisierung erfahren haben.

Nach Veröffentlichung der Normen werden zurzeit die Verbrauchmessungen in der FFZ-Typenblattvorlage nach VDI 2198 auf Referenzen nach den Normen EN 16796 umgestellt.

Zu dem immerwährenden Thema – Sicht des Bedieners von FFZ – vollzieht sich ein bedeutender Schritt. Eine CEN-Arbeitsgruppe ist mit Erarbeitung der Normenreihe EN 16842, kraftbetriebene Flurförderzeuge – Sichtverhältnisse – betraut. Die Normen spezifizieren das Bewertungsverfahren für die Bedienersicht und definieren zudem die Anforderungen erstmalig spezifisch für verschiedene FFZ-Arten. So werden die jeweiligen Bauarten und deren Einsatzbedingungen im Detail berücksichtigt. Teil 1, die Beschreibung des Bewertungsverfahrens und Teil 2, mit den Anforderungen für die Bedienersicht von Gegengewichtsstaplern bis 10 t Tragfähigkeit, wurden im Verlauf des Jahres 2018 veröffentlicht. Teile mit Anforderungen für weitere FFZ-Arten, z. B. Schubmaststapler, Containerstapler, FFZ mit hebbarem Bedienerstand sowie Schlepper und Lastentransportfahrzeuge, werden in 2019 folgen.

Ein ebenso bedeutender Schritt wird mit der Revision der EN 1175 getan. Die Norm wird zukünftig neben elektrischen auch detaillierte, funktionale Sicherheitsanforderungen an elektronische Steuerungen, sogenannte Performance-Level (PLr) nach ISO 13849, beinhalten. Sie beschreibt den aktuellen Stand der Technik, dieser umfasste u. a. die breite Anwendung von Elektronik in allen Arten von FFZ unabhängig von deren Antrieb. Ein Grund, die Anforderungen von vormals drei Normen in einer zu bündeln. Die Norm beschreibt außerdem erstmalig auch Anforderungen an Li-Ionen-Batterien sowie Assistenzsysteme, deren Anwendung in FFZ sich rasant verbreitet.

Geschwindigkeitsreduzierung für Schubmaststapler

Zwei Normenänderungen, die die Bedienung von FFZ verändern werden und die gegenwärtig vor der Veröffentlichung stehen, runden die Information ab.

Die ISO 3691–1 wird um eine Anforderung ergänzt, die für Schubmaststapler eine Geschwindigkeitsreduzierung fordert, wenn deren angehobenes Hubgerüst die FFZ-Höhe um ein definiertes Maß übersteigt.

Außerdem wird die EN 16307–1 um die Anforderung eines Monitorings zur Benutzung des Fahrerrückhaltesystems (Beckengurt, Bügeltüren…) an FFZ, ähnlich den aus dem Automobilbereich bekannten Systemen, ergänzt.

Beide Änderungen zielen darauf ab, vorhersehbare Fehlanwendungen bei der Nutzung von FFZ zu minimieren.

Von Heiner Sternstein

Heiner Sternstein - Technische Standards Linde Material Handling GmbH und Vorsitzender des GPL-Fachbereichs 3 „Technische Logistik“/ FA305 – Fachausschuss Flurförderzeuge.

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