Marktzugang Nordamerika 19.11.2021, 12:01 Uhr

Erste UL-Zulassung für halogenfreie TPE-Leitungen

Neuer Ansatz – Brandentstehung statt Brandausbreitung verhindern – überzeugt Prüfer und gibt Kunden zertifizierte Sicherheit

Die Lebensdauer der Chainflex-High-End-TPE-Leitungen überzeugte die Prüfer. Erstmals erhalten damit auch halogenfreie TPE-Leitungen die UL Zertifizierung. Foto: Igus GmbH

Die Lebensdauer der Chainflex-High-End-TPE-Leitungen überzeugte die Prüfer. Erstmals erhalten damit auch halogenfreie TPE-Leitungen die UL Zertifizierung.

Foto: Igus GmbH

Als weltweit erster Hersteller erhält Igus für seine High-End-TPE-Leitungen, die ohne brandhemmende Halogene als Zusatzstoffe auskommen, eine UL AWM Zertifizierung der US-amerikanischen Organisation Underwriters Laboratories (UL). Wie Igus ausführt, erkennt die Prüforganisation damit erstmals an, dass auch halogenfreie TPE-Leitungen den Brandschutzanforderungen in der Industrie entsprechen können.

UL-Siegel: Voraussetzung für den Markteintritt

Die unabhängige Organisation Underwriters Laboratories (UL) zählt laut Igus in den USA zu den wichtigsten Instanzen in puncto Produktsicherheit. Sie prüft seit 1894, ob Komponenten von Maschinen und Anlagen industrietauglich sind. Ihr Siegel sei eine der Voraussetzungen für einen erfolgreichen Markteintritt in Nordamerika. Ein entscheidendes Kriterium sei dabei der Brandschutz. Denn Maschinenbrände liegen nach Angaben der US-amerikanischen National Fire Protection Association (NFPA) in den USA auf Platz 4 der Brandursachen im industriellen Umfeld; dicht gefolgt von Bränden, die auf elektrische Ursachen zurückzuführen sind. „Deshalb freut es uns ganz besonders, dass Igus jetzt als welterster Hersteller ein UL Siegel für halogenfreie TPE Leitungen erhalten hat“, sagt Rainer Rössel, Prokurist und Leiter des Geschäftsbereiches Chainflex Leitungen bei Igus. „Die Zulassung zeigt unseren Kunden, dass sie mit Chainflex-High-End-TPE-Leitungen auf der sicheren Seite sind.“

Brandschutz ohne Halogen machbar

Für diese Zertifizierung hätten die Ingenieure von Igus Überzeugungsarbeit leisten müssen, führt das Unternehmen aus. Denn bisher galt beim Thema Brandschutz, dass die Flammwidrigkeit bei Leitungen die zentrale Größe ist, um eine UL Zertifizierung zu erhalten. Zulassung hätten deswegen nur Produkte erhalten, die mit Flammschutzmitteln, wie Chlor, Fluor oder Brom versehen sind. Diese Additive erhöhen die Flammwidrigkeit. Doch sei bisher nicht berücksichtigt worden, dass die Flammschutzmittel in der Regel die chemische Struktur der Ummantelung stark verändern und damit die mechanische Belastbarkeit reduzieren. Daher setzt Igus nach eigenen Angaben viel früher und an anderer Stelle an: Der Leitungsspezialist konzentriert sich weniger auf das Vermeiden der Brandausbreitung, sondern fokussiert sich vielmehr auf die Brandentstehung durch das Kabel selbst. So zeigen sich die TPE-Mantelmischungen von Igus als äußerst widerstandsfähig gegen mechanischen Belastungen wie auch äußeren Einflüssen. Sie seien daher vielfältig einsetzbar: in kleinen Bauräumen bis 4 × d, auf hochdynamischen, kurzen Verfahrwegen mit Beschleunigungen von 100 m/s² oder auf langen Wegen in einem Temperaturbereich von –35 °C bis 100 °C. Dabei seien sie äußerst medienbeständig, selbst bei speziellen Bioölen.

Die halogenfreien TPE-Mantelmischungen von Igus minimieren den Angaben zufolge in all diesen Energieketten-Anwendungen frühzeitige Alterungsbrüche der Außenmäntel um bis zu einem Faktor 10, im Vergleich zu gleichen Werkstoffen mit Flammschutzmittel. Eine entscheidende Brandursache werde somit vermindert. Denn wenn der Mantel nicht bricht, kann die Leitung keinen Brand verursachen, weil eine Querschnittsreduzierung der Adern aufgrund des nicht vorhandenen Mantelbruches ausgeschlossen ist. Eine Argumentation, welche die UL schließlich überzeugte, so Igus.

Flammwidrigkeit bei TPE-Leitungen nicht mehr das Maß der Dinge

Damit leiste das Unternehmen einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Maschinensicherheit. Denn zahlreiche Praxistests im hauseigenen Igus-Testlabor hätten die Belastbarkeit, Dauerbiegefestigkeit und Lebensdauer von Chainflex-Leitungen in der E-Kette bewiesen – und das nicht nur bei TPE Leitungen. „Bisher hatten Kunden bereits die Möglichkeit, aus 1.044 chainflex Leitungen mit UL Zulassung zu wählen“, stellt Rainer Rössel heraus. „Mit der neuen Zertifizierung kommen jetzt über 200 TPE Leitungen hinzu, sodass wir nun ein nahezu vollständiges UL zertifiziertes Programm anbieten können.“ Davon profitieren Kunden in Europa durch die Halogenfreiheit ebenso wie diejenigen, die Maschinen für den nordamerikanischen Markt bauen, wo die UL Zertifizierung der einzelnen Komponenten die geforderte Regel sind.

Von Igus/Udo Schnell

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