Zunahme bei Export und Produktion 18.08.2021, 11:39 Uhr

Industrie verzeichnet deutliches Wachstum

Sowohl der Maschinenbau allgemein, als auch die Werkzeugmaschinenindustrie im Besonderen, geben für das zweite Quartal positive Wirtschaftszahlen bekannt.

Die Werkzeugmaschinenindustrie kann für das zweite Quartal deutliches Wachstum verzeichnen - im Bild: Fertigungslinie von IMSTec. Foto: IMSTec/VDW

Die Werkzeugmaschinenindustrie kann für das zweite Quartal deutliches Wachstum verzeichnen - im Bild: Fertigungslinie von IMSTec.

Foto: IMSTec/VDW

Die Maschinenexporte aus Deutschland haben, wie der VDMA (Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau) mitteilt, im zweiten Quartal weiter an Fahrt gewonnen: Sie stiegen im Vorjahresvergleich um 23,5 % auf 44,5 Mrd. Euro, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Zahlen mitteilte. Im ersten Quartal lagen die Ausfuhren demnach lediglich um 0,8 % über dem Vorjahr. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Maschinenexporte im zweiten Quartal 2020 – dem Höhepunkt der Corona-Pandemie – um 21,5 % zurückgingen. Im ersten Quartal 2020 lag der Rückgang nur bei 5 %. Insofern ist der starke Anstieg im zweiten Quartal des laufenden Jahres auch auf eine niedrigere Vorjahresbasis zurückzuführen. Unterm Strich lagen die Maschinenausfuhren im ersten Halbjahr dieses Jahres 11,2 % über denen des Vorjahres, so der VDMA.

Problemfall Lieferketten

Die Versorgung mit Vorprodukten werde zum Engpass. „Das kräftige Comeback der Maschinenexporte in nahezu alle Regionen der Welt ist sehr erfreulich“, sagt VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann. „Doch das positive Bild darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der weitere Aufschwung im Maschinenbau aufgrund von Materialmangel deutlich erschwert wird“, fügt Wortmann hinzu. Besonders die Versorgung mit Vorprodukten aus der Elektronik- und Stahlindustrie sei problematisch und sorge für angespannte Lieferketten, wie aus einer Umfrage unter VDMA-Mitgliedern Anfang April hervorging. „Und die Situation hat sich seitdem weiter verschlechtert. Der Druck auf die Lieferketten ist hoch und wird zusätzlich durch Logistikengpässe verschärft. So sorgte ein einzelner Corona-Fall bei einem Hafenmitarbeiter in China im Juni bei Shenzhen und im August in Ningbo für eine Teilsperrung des viert- beziehungsweise drittgrößten Hafens der Welt. Das wiederum sorgt für eine hohe Beeinträchtigung des internationalen Warenverkehrs, erhöhte Lieferzeiten und einen Anstieg der Frachtkosten“, erläutert der VDMA-Konjunkturexperte. „Die Frachtraten zwischen China und Europa haben sich im bisherigen Jahresverlauf ohnehin schon mehr als versechsfacht.“

VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann: „Doch das positive Bild darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der weitere Aufschwung im Maschinenbau aufgrund von Materialmangel deutlich erschwert wird.“

Foto: VDMA / Team Uwe Nölke

Exportwachstum nach China hält an

Die Maschinenexporte in die beiden wichtigsten Einzelmärkte USA und China wiesen zuletzt eine gegenläufige Dynamik auf: Im zweiten Quartal wurden 32,4 % mehr Maschinen und Anlagen aus Deutschland in die USA exportiert, während das Vorjahresergebnis im ersten Quartal noch um 6,6 % verfehlt wurde. In China lagen die Maschinenexporte aus Deutschland im zweiten Quartal 9,9 % und im ersten Quartal sogar 20,4 % über dem Vorjahreswert. „Die USA und China waren vor einem Jahr unterschiedlich stark von der Pandemie betroffen. Nach einem kurzen Dämpfer zu Beginn des vergangenen Jahres sorgte das schnelle Hochfahren der Industrieproduktion für eine rasche Erholung der Maschinenexporte dorthin. Bereits im ersten Quartal 2021 wurde das Vorkrisenniveau übertroffen“, sagt Wortmann. „Das Abflachen der Wachstumsdynamik war auf diesem Niveau zu erwarten.“ In den USA dagegen setzte die Pandemie etwas später ein. Dort wurde der stärkste Rückgang im zweiten Quartal 2020 mit minus 22,6 % verzeichnet. Doch auch die Maschinenexporte in die USA dürften in naher Zukunft ihr Vorkrisenniveau übertreffen, denn das milliardenschwere Konjunkturpaket sorgt für Schwung in der amerikanischen Volkswirtschaft, heißt es weiter.

Impfkampagne in Großbritannien beflügelt Exporte

Im zweiten Quartal lagen die gesamten Maschinenexporte aus Deutschland in die EU-27 um 26,1 % über ihrem Vorjahresniveau, führt der VDMA aus. Das Exportgeschäft mit den drei wichtigsten Abnehmern aus der EU-27, Frankreich (plus 28,8 %), Italien (plus 39,3 %) und den Niederlanden (plus 14,0 %) wuchs jeweils zweistellig – teilweise auch bedingt durch hohe Rückgänge im vergangenen Jahr. Ein hohes Exportwachstum verzeichneten ebenfalls die Türkei (plus 46,6 %) und das Vereinigte Königreich (plus 68,1 %). „In der Türkei entlädt sich der angelaufene Investitionsstau, der sich durch die Währungskrise aus 2018 und die Corona-Krise aufgebaut hat. Wie lange die positive Entwicklung anhält, bleibt abzuwarten, denn die Lira befindet sich weiter im Abwärtstrend, wodurch die Importe für die Türkei teurer werden. Im Vereinigten Königreich ist das öffentliche Leben zuletzt fast zum Normalzustand zurückgekehrt, was einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung begünstigt. Davon profitieren letztlich auch Maschinenexporteure“, sagt Wortmann. Südkorea sei das einzige Land unter den Top-20 Absatzländern mit einem Rückgang der Maschinenexporte aus Deutschland (minus 6,1 %).

VDW hebt Produktionsprognose für 2021 an

Im zweiten Quartal 2021 ist der Auftragseingang der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 103 % gestiegen. Dies hat der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V.) bekannt gegeben. Dabei hätten die Bestellungen aus dem Inland um 81 % zugelegt und die Auslandsorders notierten 114 % über Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2021 stiegen die Bestellungen bei den deutschen Anbietern um 57 %. Die inländischen Orders lagen 38 % über Vorjahr, die ausländischen 68 %, so der VDW.

Auftragseingang in der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie. Grafik: VDW

„Die Branche hat den Turnaround mit erheblich mehr Dynamik geschafft als ursprünglich angenommen und verzeichnet trotz mancher Lieferschwierigkeiten einen kräftigen Anstieg ihrer Bestellungen“, kommentiert Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW, Frankfurt am Main, das Ergebnis. Die sehr hohen Zuwachsraten erklärten sich zwar auch mit den schwachen Vergleichswerten des Corona-Jahres 2020. Das Auftragsvolumen habe sich aber spürbar erholt und liege mit 4 % nur noch leicht unter dem Vor-Corona-Niveau 2019. Auch sei die Entwicklung breit aufgestellt und zeige den großen Nachholbedarf bei Investoren aus aller Welt.

Auslandsgeschäft ist der Treiber

Treiber ist derzeit nach wie vor das Ausland, so der VDW. Asien sei weiterhin von der hohen Nachfrage aus China geprägt, die für zwei Drittel des asiatischen Auftragsvolumens steht. Das US-Geschäft beginne sich zu erholen. Es mehrten sich die Zeichen, dass die Aufträge von dort künftig kräftiger anziehen werden. Europa sei ebenfalls spürbar aufgewacht. Dort stützten insbesondere fiskalpolitische Maßnahmen mit Investitionsförderprogrammen die Nachfrage. Musterbeispiele seien Österreich und Italien. Das Inland ziehe zeitversetzt nach. Insgesamt sei das Niveau der Top-Jahre 2017/2018 allerdings noch ein Viertel entfernt.

Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW: „Die Branche hat den Turnaround mit erheblich mehr Dynamik geschafft als ursprünglich angenommen und verzeichnet trotz mancher Lieferschwierigkei-ten einen kräftigen Anstieg ihrer Bestellungen.“

Foto: VDW

„Ohne die Engpässe und Preissteigerungen bei den Zulieferungen, zum Beispiel bei Elektronik, Stahl, Blech, wäre sogar noch mehr drin“, resümiert Schäfer. Vor dem Hintergrund einer intakten Erholung der Weltwirtschaft wird jedoch ein weiterer Anstieg erwartet. Dies wirke sich im laufenden Jahr bereits auf die Produktion aus. Aufgrund des deutlichen Auftragszuwachses hat Oxford Economics, Prognosepartner des VDW, das Produktionsplus bei 8 % verortet, zwei Punkte mehr als noch im Frühjahr. Damit läge das Volumen im laufenden Jahr bei 13,2 Mrd. Euro. „Bis zum Top-Ergebnis der Jahre 2018/2019 bleibt allerdings noch eine Wegstrecke zurückzulegen“, sagt Schäfer. Damals hatte die Branche ein Ergebnis von 17 Mrd. Euro erzielt.

Beschäftigung noch rückläufig

Die Beschäftigung, ein Spätindikator in der Konjunkturentwicklung, ist den Angaben zufolge noch rückläufig. Im Juni beschäftigte die Branche knapp 8 % weniger Menschen als im Vorjahr. Das waren rund 64.200 Frauen und Männer. Die Kurzarbeit wurde weitgehend beendet. „Gleichwohl fürchten auch wir den Fachkräftemangel, denn unsere Industrie steht vor großen Herausforderungen. Stichworte sind die Transformation in der Automobilindustrie, Energiewende oder Digitalisierung. Sie zu bewältigen, braucht es die Menschen, die das können“, sagt Schäfer abschließend.

Von VDMA/VDW/Udo Schnell

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