Wärmewende im Gebäudesektor 22.04.2021, 15:46 Uhr

Welchen Beitrag kann Wasserstoff zur Dekarbonisierung leisten?

Auf dem Weg zu einem klimaneutralen Gebäudesektor ist Wasserstoff immer wieder als wichtiger alternativer Energieträger im Gespräch. Doch kann H2 diesen Erwartungen tatsächlich gerecht werden? Eine Studie soll Antworten liefern.

Foto: panthermedia/PixBox (YAYMicro)

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Die EU-Kommission plant mit ihrem Green Deal, Europa bis 2050 in den ersten klimaneutralen Kontinent zu verwandeln. Beim jüngsten Zwischenfazit auf diesem ambitionierten Weg konnten bisher als problematisch geltende Bereiche wie Verkehr oder Industrie Corona-bedingt bessre Werte für sich reklamieren, als unter Nicht-Pandemie-Bedingungen zu erwarten gewesen wäre. Der Gebäudesektor hingegen verfehlte seine Ziele – auch Dank vieler vermehrt im Home-Office tätiger Beschäftigter. Somit rückt die Wärmeversorgung, die in Europa aktuell noch zu einem Großteil auf fossilen Brennstoffen basiert, vermehrt in den Fokus der politischen Bemühungen.

Einsatz von Wasserstoff: Viele noch offene Fragen

Die Industrie arbeitet bereits intensiv an Lösungen, die Dekarbonisierung in Deutschlands Haushalten voranzutreiben: Viele Heiztechnikhersteller bieten ihre Produkte bereits mit Wasserstoff-Zumischoption an, in drei bis vier Jahren sollen rein Wasserstoff-gespeiste Wärmeerzeuger verfügbar sein. Dabei gibt es noch zahlreiche Fragezeichen, ob der Hoffnungsträger Wasserstoff tatsächlich seinem Ruf gerecht werden kann: Wo und wie soll er in ausreichender Form und zu akzeptablen Kosten produziert werden? Auf welchem Wege gelangt er anschließend zum Verbraucher? Fragen, die auch für andere Energieträger, die eine Dekarbonisierung im Wärmesektor ermöglichen sollen, erst beantwortet werden müssen. Zudem sind die Themen Akzeptanz und Versorgungssicherheit von elementarer Bedeutung. Die Auswirkungen neuer, klimaneutraler Formen der Wärmebereitstellung auf Infrastrukturbedarfe, Umstellungskosten, technische Umsetzbarkeit, systemische Gesamteffizienz und langfristige Nachhaltigkeit sollten daher umfassend untersucht werden, empfiehlt der Nationale Wasserstoffrat (NWR). Das 26-köpfige Expertengremium berät den Staatssekretärsausschuss für Wasserstoff durch Vorschläge und Handlungsempfehlungen bei der Umsetzung und Weiterentwicklung der Nationalen Wasserstoffstrategie. Tenor: Nichts entscheiden, bevor man nicht umfangreich geprüft hat. Die Komplexität der Fragebeantwortung spiegele sich in den hohen Abweichungen wider, die verschiedenste Studien der letzten Zeit allein hinsichtlich der Bedarfsschätzungen für grüne Gase für einen dekarbonisierten Wärmemarkt für das Jahr 2050 adressierten. „Belastbare Empfehlungen für politisches Handeln lassen sich vor diesem Hintergrund noch nicht verantwortbar treffen“, so der NWR.

NWR: Erst prüfen, dann entscheiden: Keine Beschlüsse ohne Studie

Eine Bottom-Up-Studie soll alternative Transformationspfade hin zu einer klimaneutralen Wärmebereitstellung bis 2050 herausarbeiten – unter Einbindung einer in Bezug auf Versorgungsgebiet und Netzstruktur repräsentativen Auswahl kommunaler Gebietskörperschaften und ihrer Versorgungsunternehmen. Dabei sollen zunächst die zugrundeliegenden Prämissen auf Basis aktuellster Kosten- und Technologiedaten ermittelt und transparent dargestellt werden. Anschließend sollen verschiedene Pfade abgeleitet und anhand von Bewertungskriterien analysiert werden. Ziel ist, dass der NWR im Frühjahr 2022 seine Empfehlungen im Sinne einer Roadmap mit Optionen für einen dekarbonisierten Wärmemarkt 2050 damit auf einer besseren Daten- und Erfahrungsgrundlage, als dies heute der Fall ist, an die Bundesregierung geben kann. Die präzise Zeitplanung der Studie soll nach einer ersten Sondierung der erforderlichen Ausschreibungs- und Analysezeiträume erfolgen. Bis dahin – so empfiehlt es der NWR – sollen keine Grundsatzentscheidungen für oder gegen einen Wärmemarkt mit grünen Gasen beziehungsweise Wasserstoff gefällt werden.

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