Corona: Infektionsrisiko in Schulen 16.10.2020, 10:33 Uhr

Umweltbundesamt empfiehlt: Alle 20 Minuten lüften

Das Umweltbundesamt (UBA) hat eine Empfehlung zum regelmäßigen Luftaustausch in Klassenzimmern erarbeitet. Alle 20 Minuten soll demnach mit weit geöffneten Fenstern für rund fünf Minuten gelüftet werden. Die Belegung von Unterrichtsräumen ohne Fenster gelte es zu vermeiden.

Foto: panthermedia.net/tomwang

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Eine wachsende Anzahl an Regelungen und Empfehlungen im Kontext der Corona-Pandemie führt bei immer mehr Bürgern zu Irritationen und Verunsicherungen. Im Auftrag der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) hat das Umweltbundesamt deshalb eine Handreichung zum richtigen Lüften in Schulen erarbeitet. Darin geben die Experten für Innenraumlufthygiene des UBA Empfehlungen, wie sich mit richtigem Lüften in Schulen das Risiko reduzieren lässt, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. „Kern unserer Empfehlung ist, Klassenräume regelmäßig alle 20 Minuten für etwa fünf Minuten bei weit geöffneten Fenstern zu lüften“, so UBA-Präsident Dirk Messner. Auch zu Luftreinigern und anderen technischen Geräten gibt es Hinweise. Die KMK hatte das UBA im Rahmen eines Fachgesprächs am 23. September zum Thema „Lüften in Schulräumen“ gebeten, die Handreichung zu erstellen. Sie wird nun an alle Schulen in Deutschland verteilt.

Das Umweltbundesamt hat eine Übersicht erstellt, wie die Virenkonzentration in Schulräumen möglichst gering gehalten werden kann. Grafik: UBA

Querlüften führt zu höchstem Luftaustausch

Neben dem 20-minütlichen Lüften sollte auch jede Unterrichtspause genutzt werden, um den Luftaustausch zu befördern, so das UBA. Dafür nur ein Fenster teilweise zu öffnen oder zu kippen reiche nicht aus. Ideal sei ein Querlüften, wenn Fenster auf gegenüberliegenden Seiten geöffnet werden können. Auf diese Weise würden neben den potenziell virenhaltigen Aerosolen auch CO2, Feuchte und chemische Stoffe effektiv aus der Luft entfernt. CO2 kann bei zu hoher Konzentration im Innenraum müde machen und zu Konzentrationsschwächen führen, zuviel Feuchte begünstigt Schimmel. Von mobilen Luftreinigern rät die Behörde ab: Sie könnten weder CO2 noch Luftfeuchte abführen. Zudem seien sie in der Regel nicht in der Lage, die Innenraumluft schnell und zuverlässig von Viren zu befreien, insbesondere in dicht belegten Klassenräumen. Mobile Luftreinigungsgeräte seien daher allenfalls als Ergänzung zum aktiven Lüften geeignet. Können Räume nicht gelüftet werden, sind sie aus innenraumhygienischer Sicht nicht für den Unterricht geeignet, so das UBA. „Unsere Handreichung soll den Schulen helfen, richtig und möglichst effektiv zu lüften. Einen hundertprozentigen Schutz bietet Lüften natürlich nicht“, erläutert Dirk Messner. Aber Lüften sei die einfachste und wirksamste Maßnahme, um Viren aus der Luft in Klassenzimmern zu entfernen. Auch die weiteren Hygienemaßnahmen gemäß den Vorgaben der Länder sind und bleiben wichtig und sollten im Schulalltag beachtet werden, so der UBA-Präsident.

Stefanie Hubig, KMK-Präsidentin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin, möchte mit dem Handout vor allem Transparenz schaffen: „Die Handreichung bietet Handlungssicherheit für alle an Schule Beteiligten und ich freue mich, dass wir sie nun allen Ländern, Schulträgern und Schulen zur Verfügung stellen können. Die Empfehlungen des Umweltbundesamtes zu Luftaustausch und effizientem Lüften beinhalten kurze und präzise Hinweise, warum, wann und auf welche Weise gelüftet werden soll – und nimmt dabei auch Bezug auf häufig gestellte Fragen. Mit fachgerechtem Lüften leisten wir einen entscheidenden und wirksamen Beitrag zur Reduzierung des Infektionsrisikos durch virushaltige Aerosole in Schulen.“

Forschung rät zu maschineller Belüftung

Wissenschaftler der RWTH Aachen und der Heinz Trox Wissenschafts gGmbH hatten bereits im Sommer analysiert, wie hohe Luftwechselraten das Infektionsrisiko in Innenräumen absenken können. Mit umfangreichen Berechnungen hatte das Forscherteam das Infektionsrisiko durch Aerosole für verschiedene Raumtypen, unter anderem für Klassenräume, vergleichend betrachtet. Professor Dr.-Ing. Dirk Müller von der RWTH Aachen zeigte sich damals skeptisch gegenüber den Effekten von Fensterlüftung: Klassenräume seien grundsätzlich sehr kritisch zu bewerten, da sich in der Regel viele Personen über Stunden in einem verhältnismäßig kleinen Raum aufhalten. Sein Fazit: Das relative Infektionsrisiko durch eine aerosolgebundene Übertragung von Viren kann in Räumen mit verhältnismäßig hoher Belegung und langen Aufenthaltsdauern nachhaltig nur durch eine maschinelle Belüftung – und somit hohe Luftwechselraten – abgesenkt werden.

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