TGA-Planerseminare 01.02.2019, 00:00 Uhr

Neue Heizlastnorm und Auslegung von Wohnraumlüftungen im Fokus

Wer Heizungs- und Klimasysteme plant, muss nicht nur den aktuellen Stand der Technik kennen, sondern auch rechtliche Vorgaben berücksichtigen. Doch auch hier gibt es zu veränderten Rahmenbedingungen immer wieder Angleichungen. Welche Auswirkungen die angepasste DIN EN 12831–1 für die Heizlastberechnung hat und wie die bevorstehende Neufassung der DIN 1946–6 die Auslegung von Wohnraumlüftungen beeinflusst, war Thema bei den TGA-Planerseminaren von Kermi und Arbonia.

Um einen effizienten und störungsfreien Betrieb von Heizungs- und Klimasystemen zu gewährleisten, ist eine präzise Planung unabdingbar. Dabei spielen unter anderem spezielle Normen und Richtlinien eine entscheidende Rolle. Kermi und Arbonia unterstützen Fachpartner dabei, hier auf dem aktuellen Stand zu sein – gerade wenn sich gesetzliche Vorgaben und damit die tägliche Planungspraxis ändern. Dafür bieten die Raumklima-Spezialisten regelmäßig Seminare zu aktuellen Themen und Neuerungen – so zum Beispiel die TGA-Planerseminare, die im Zeitraum Oktober bis November in Essen, Nürnberg und Frankfurt stattfanden. Im Fokus standen dabei die neue Heizlastnorm von 2017/2018 im Vergleich zum bisherigen Status sowie die Auslegung von Wohnungslüftungssystemen und die von der EnEV geforderte Einzelraumregelung bei Fußbodenheizungen im Flur.

Aktueller Entwurf: Nationaler Anhang zur neuen Heizlastnorm

Für die Auslegung der Komponenten von Heizungsanlagen benötigen Planer die maximal erforderliche Heizlast. Maßgeblich für die korrekte Berechnung ist die DIN EN 12831. Zu deren Novellierung vom September 2017 (DIN EN 12831–1) ist nun der zugehörige Entwurf für den nationalen Anhang E DIN SPEC 12831–1 erschienen. Die Änderungen, die sich dadurch für die Heizlastberechnung ergeben, zeigte Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz, Geschäftsführung ITG Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden Forschung und Anwendung GmbH und Obmann des Normenausschusses DIN NA 041–05–01 AA, im Rahmen der Veranstaltung auf: „Die neuen Normaußentemperaturen berücksichtigen beispielsweise für jede Postleitzahl die inzwischen messbare Klimaerwärmung und den Wärmeinseleffekt in dichter bebauten Bereichen.“ Zudem hat die Vielzahl an neuen Gebäuden mit Lüftungsanlagen eine komplette Neuformulierung der Berechnung der Lüftungswärmeverluste erforderlich gemacht. Zu diesen und weiteren Punkten wurden Details analysiert, Auswirkungen auf die gesamte Berechnung aufgezeigt und gemeinsam Anwendungsfälle diskutiert.

Neufassung der DIN 1946–6: Lüftung von Wohnungen

Im zweiten Vortrag erläuterte Prof. Dr.-Ing. Thomas Hartmann, Geschäftsführung ITG Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden Forschung und Anwendung GmbH, als stellvertretender Obmann des zuständigen DIN-Ausschusses den Prozess der Überarbeitung der DIN 1946–6 zur Auslegung von Wohnraumlüftungen: „Ziel der bevorstehenden Neufassung ist eine Vereinfachung und Aktualisierung, aber keine Verschärfung. Das soll unter anderem durch eine klarere Struktur, durch eine vereinfachte Infiltrationsberechnung und durch die Aufnahme von kombinierten Systemen erreicht werden“, so der Referent. Mit zahlreichen Beispielen verdeutlichte er die Logik der Norm. Die Neuerungen haben Auswirkungen auf die dazugehörigen Bearbeitungsschritte – vom Lüftungskonzept über die Auslegung des Lüftungssystems bis hin zur Inbetriebnahme und Wartung. Ein kurzer Ausblick auf die anstehende Überarbeitung der DIN 18017–3 zur Lüftung fensterloser Bäder und WC-Räume deutete den weiteren Weg der Wohnungslüftung an.

Auslegungsprogramm vorgestellt

In Zusammenarbeit mit der Firma liNear bietet Kermi ein Auslegungsprogramm zur Berechnung von Heizkörpern, Flächenheizungssystemen und kontrollierter Wohnraumlüftung inklusive Lüftungskonzept an. Im letzten Praxisteil des Seminars stellte Dipl.-Ing. Wilhelm Zirbes, Leiter Vertrieb Industrie liNear GmbH, die Programmmodule, Vorteile und Möglichkeiten vor – im Schwerpunkt zur Projektverwaltung, Heizlast nach DIN EN 12831, Heizkörperauslegung (Heiz-/Kühlfall), Dimensionierung von Flächenheizungs-/kühlsystemen und der Anwendung der Wohnraumlüftung nach DIN EN 1946–6.

Großes Interesse bestand auch am Vortragspart von Dipl.-Ing. Roland Stransky, Leiter technische Planung und Anwendungstechnik bei Kermi, der im Zusammenhang mit der von der EnEV geforderten Einzelraumregelung und dem Schallschutz nach VDI 4100 das System x-net connect vorstellte: Das von Kermi entwickelte Verbindungssystem führt die durchlaufenden Zuleitungen vom Fußbodenheizungsverteiler bis in den zu beheizenden Raum gezielt in eine Dämmebene unter dem Estrich – und lässt sie erst dort in die Estrichebene eintauchen, wo sie auch Wärme abgeben sollen. Durch diese Ausführung ist oberhalb der durchlaufenden Zuleitungen auch ein optionaler Heizkreis realisierbar. Das sorgt für einen effizienten Heizbetrieb und planende Fachpartner können die nach EnEV vorgeschriebene Einzelraumregelung beispielsweise auch im Flurbereich realisieren. Für erhöhten Schallschutz bietet die Variante x-net connect plus eine Trittschallverbesserung von 33 dB.

Fußbodenheizung nach EnEV

Das Verbindungssystem ermöglicht einen effizienten und kontrollierten Heizbetrieb, indem es die Heizwärme vor dem Fußbodenheizungsverteiler unter dem Estrich durchleitet – deutlich effektiver, als dies bei konventionell eingebetteten und wärmegedämmten Zuleitungen möglich ist.

Bild: Kermi GmbH

Bild: Kermi GmbH

Zudem hält x-net connect die Installationsfläche im Durchgangsraum frei, zur vollständigen Ausbildung eines separat regelbaren Heizkreises.

  1. zweiseitig kaschierte EPS-Systemplatte mit eingeschnittenen Zuleitungen
  2. Systemplatte
  3. Übergangsbereich der durchlaufenden Zuleitungen von unten auf die verschiedenen Systeme (Klettsystem, Noppensystem, Tackersystem oder Clip System)
  4. separat ausgebildeter Heizkreis mit Klettrohr in der Ebene über den durchlaufenden Zuleitungen, einzeln zu regeln und damit EnEV-konform

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