Smart Meter-Rollout 17.07.2020, 12:56 Uhr

Intelligente Stromzähler für intelligente Netzauslastung

Smart Meter – den Begriff hat man vielleicht schon einmal gehört. Aber wussten Sie auch, dass vielleicht schon bald einer in ihrem Keller hängen muss? Die Redaktion der HLH beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema „Smart Meter-Rollout“.

Glühbirne / Symbolbild

Intelligente Stromzähler sollen dabei helfen Stromerzeugung und Verbrauch einander effizienter anzupassen.

Foto: panthermedia.net/Krisana Antharith

Wie viel Strom verbrauche ich im Monat? Wann ist mein Strombedarf am größten? Wann und wie kann ich Energie sparen? Bisher sind diese Fragen für den Verbraucher nur schwierig zu beantworten. Ändern wird sich das durch die flächendeckende Einführung intelligenter Stromzähler, der so genannten „Smart Meter“. Zu Beginn des Jahres fiel der offizielle Startschuss für den Austausch. Bis zum Jahr 2032 haben die Netzbetreiber nun Zeit die Zähler in Unternehmen und Privathaushalten sukzessive auszuwechseln.

Wer muss auf Smart Meter umstellen?

Es besteht eine Austauschpflicht. Daher werden deutschlandweit alle alten Zähler bis zum Jahr 2032 gegen Smart Meter getauscht – allerdings in mehreren Etappen, die sich am Verbrauch des Kunden orientieren:

  • Bei Abnehmern mit einem Verbrauch von mehr als 10.000 Kilowattstunden pro Jahr – dies sind in erster Linie Unternehmen – sollte der Austausch bereits ab 2017 beginnen.
  • Im Januar 2020 folgte die zweite Stufe: Seither können auch Abnehmer mit 6.000 bis 10.000 Kilowattstunden Verbrauch pro Jahr umgerüstet werden.
  • Für Einheiten, die weniger als 6.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen – dazu zählen die meisten Privathaushalte – ist die Umrüstung optional – allerdings muss auch hier bis 2032 sichergestellt sein, dass der Strom über einen so genannten „modernen“ Zähler erfasst wird. Dies ist ein Stromzähler mit digitalem Display, der aber nicht zwingend an das Internet angebunden ist.

Wann ist ein Stromzähler ein Smart Meter?

Nicht jeder digitale Stromzähler ist automatisch ein Smart Meter. Unterschieden wird in so genannte „moderne Stromzähler“ und „intelligente Stromzähler“.

  • Zähler, die lediglich über ein digitales Display verfügen, bezeichnet man als „moderne Stromzähler“ oder „moderne Messeinrichtung“ (mME). Sie sind nicht mit dem Internet verbunden.
  • Smart Meter sind so genannte „intelligente Stromzähler“ beziehungsweise ein „intelligentes Messsystem“ (iMSys). Entscheidend ist, dass der intelligente Stromzähler zusätzlich über eine Kommunikationseinheit, ein so genanntes Smart-Meter-Gateway, verfügt, ohne die ein Austausch von Daten mit der Außenwelt gar nicht möglich wäre. Diese Kommunikationseinheit ist ein separates Modul, das zusätzlich eingebaut werden muss. Zusammenfasst heißt das: Ein digitaler Stromzähler wird durch ein Smart-Meter-Gateway (interaktive Kommunikationseinheit) zu einem Smart Meter (intelligenten Stromzähler). Sind Smart Meter flächendeckend verbaut, entsteht das Smart Grid (intelligentes Stromnetz).

Warum stellt man auf Smart Meter um?

Damit sichergestellt ist, dass alle Haushalte in Deutschland rund um die Uhr mit Strom versorgt werden können, müssen Stromverbrauch und Stromerzeugung exakt aufeinander abgestimmt werden. Dafür sorgen die Netzbetreiber. Aktuell nutzen sie dafür aufwendige Berechnungen auf Basis umfangreicher Erfahrungswerte. Ist ein Anstieg des Strombedarfs absehbar, werden zusätzliche Erzeugeranlagen in Betrieb genommen, lässt die Nachfrage nach, werden Kraftwerke wieder heruntergefahren. Tatsächlich gelingt dieser Spagat – vor allem im Vergleich zu anderen Ländern – in Deutschland sehr gut.

Will man allerdings den Anteil erneuerbarer Energien wie geplant weiter steigern, wird die Kalkulation für die Netzbetreiber zunehmend schwieriger. Die Erträge aus Sonnen- und Windenergie sind aufgrund ihrer naturbedingten Schwankungen nicht genauso verlässlich kalkulierbar wie in einem Kraftwerk erzeugter Strom. Smart Meter leisten in diesem Zusammenhang einen wichtiger Beitrag zur Stabilität der Netze und ermöglichen den Ausbau zu einem intelligenten Stromnetz (Smart Grid). Die intelligenten Geräte sind mit dem Netzbetreiber vernetzt und signalisieren ihm einen Strombedarf in Echtzeit. Dadurch wird es möglich Stromerzeugung und Verbrauch einander effizienter anzupassen; die Auslastung des Leitungsnetzes wird optimiert.

Wie profitiert der Verbraucher von einem Smart Grid?

Die bisher genutzten analogen Stromzähler dienten lediglich zur Erstellung der jährlichen Abrechnung. Verbrauche wurden nicht differenziert erfasst. Smart Meter schaffen hier Transparenz: Zukünftig besteht die Chance den Energieverbrauch beispielsweise nach Tageszeit, Woche oder Monat zu unterscheiden und auf diese Weise „Energiefresser“ besser zu identifizieren.

Die differenzierte Aufschlüsselung der Verbräuche wird es mittelfristig ermöglichen flexible Stromtarife zu entwickeln, die sich besser am tatsächlichen Bedarf orientieren. Das könnte in Zusammenhang mit dem Thema E-Mobilität von besonderer Bedeutung werden, wenn zahlreiche Elektroautos abends und nachts in der Garage aufgeladen werden wollen. Geplant ist zudem, dass zukünftig auch Wasser- und Gasverbrauch via Smart Meter an den Erzeuger übermittelt werden.

Wer tauscht den alten Stromzähler gegen ein Smart Meter?

Verantwortlich für den Austausch des Stromzählers ist wie bisher der so genannte Messstellenbetreiber. Das ist in der Regel der kommunale Netzbetreiber, sprich die Stadtwerke. Im Rahmen der gesetzlichen Verpflichtungen entscheidet der Netzbetreiber aus Basis des Stromverbrauchs welches Gerät eingebaut wird. Davon unabhängig können sich Privathaushalte, die weniger als 6.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen, auf Wunsch ebenfalls einen Smart Meter einbauen lassen. Eine Austauschpflicht besteht für sie nicht. Bis zum Jahr 2032 müssen sie lediglich die Mindestanforderung eines „modernen Stromzählers“ erfüllen.

Was kostet ein Smart Meter?

Der Gesetzgeber hat für den Einbau eines „modernen Stromzählers“ wie für den Einbau eines Smart Meters im Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende (GDEW) eine Preisobergrenze formuliert:

  • Moderner Stromzähler: maximal 20 Euro pro Jahr (etwa so viel wie bisher für einen analogen Zähler)
  • Smart Meter im Privathaushalt (freiwilliger Einbau): maximal 40 Euro pro Jahr
  • Smart Meter im Unternehmen: maximal 130 Euro pro Jahr

Die Angaben beziehen sich alleine auf Einbau und Betrieb des Stromzählers. Etwaige Zusatzleistungen kann der Messstellenbetreiber separat abrechnen.

Wie läuft die Ablesung bei einem Smart Meter ab?

Energieversorger und Netzbetreiber erhalten die Verbrauchsdaten einmal pro Jahr automatisiert direkt vom Smart Meter. Eine Ablesung vor Ort entfällt. Dies ist für viele Verbraucher nicht neu. Allerdings eröffnet ein Smart Meter noch zahlreiche weitere Möglichkeiten: Stimmt der Nutzer zu seine Verbrauchsdaten in kürzeren Abständen als bisher, beispielsweise jeden Monat, zu übermitteln, weiß er dadurch früher was er verbraucht hat beziehungsweise was er bezahlen muss. Abschlagszahlungen können auf diese Weise angepasst werden, überraschende Nachzahlungen werden vermieden. Darüber hinaus wird die Kommunikationseinheit des Smart Meter, das Smart-Meter-Gateway, zukünftig auch noch weitere Verbrauchsdaten (Gas, Wasser) übermitteln können. Das spart Zeit und Ressourcen beim Netzbetreiber und vereinfacht die Prozesse für den Endkunden.

Von Marc Daniel Schmelzer

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