Klimaschutzziele 2030 15.11.2021, 08:23 Uhr

Bitkom-Studie: Gebäudeautomation kann CO2-Emissionen maßgeblich reduzieren

Experten sind sich einig: Die für Deutschland bis 2030 definierten Klimaschutzziele zu erreichen ist mindestens ambitioniert. Der Gebäudesektor zählt in diesem Zusammenhang zu den größten Sorgenkindern. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom jedoch zeigt: Durch den Einsatz von Gebäudeautomation ließen sich die CO2-Emissionen im Gebäudebereich maßgeblich reduzieren.

Das „Cube Berlin“ gilt als Vorzeigeprojekt für intelligente Gebäude. Doch auch im Bestand bietet die Gebäudeautomation reichlich Potenzial die CO2-Emissionen von Gebäuden zu reduzieren. Foto: CA Immo

Das „Cube Berlin“ gilt als Vorzeigeprojekt für intelligente Gebäude. Doch auch im Bestand bietet die Gebäudeautomation reichlich Potenzial die CO2-Emissionen von Gebäuden zu reduzieren.

Foto: CA Immo

Rund 51 Millionen Tonnen CO2 müsste alleine der Gebäudesektor bis 2030 einsparen, um die von der Bundesregierung definierten Klimaschutzziele zu erreichen. Der Bitkom-Studie zufolge könnte der Einsatz von digitalen Technologien dazu einiges beitragen: 14,7 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen wären nach Berechnungen der Analysten durch den Einsatz von Gebäudeautomationslösungen vermeidbar. Das entspricht einem Drittel der für den Gebäudesektor definierten Reduktionsziele.

Einsparpotenziale für verschiedene Haustechnikbereiche betrachtet

Die Bitkom-Studie wurde vom Borderstep Institut durchgeführt, unterstützt von den Unternehmen ISS, Somfy und Techem. Sie analysiert ausgewählte Technologien, zu denen gesicherte Erkenntnisse zu Einsparungen vorliegen, hinsichtlich ihrer Potenziale für Klimaschutz und Energieeffizienz. Es handelt sich dabei um die automatisierte Steuerung von Heizung und Warmwassererzeugung, von Beleuchtung und Kühlung sowie eine intelligente Sektorenkopplung, bei der eigene, regenerativ erzeugte überschüssige Energie etwa in Batterien für Elektrofahrzeuge gespeichert wird. Außerdem werden die möglichen Umwelteffekte der digitalen Technologien selbst betrachtet. So sei es möglich, dass positive Effekte wie die Verringerung von Treibhausgasen durch gegenteilige Effekte, etwa bei der Herstellung der Geräte, reduziert werden. Insgesamt, so das Fazit der Studie, überwiegen die Einspareffekte des Technikeinsatzes die möglichen Umweltwirkungen jedoch deutlich.

Die Ergeb

Grafik: Bitkom

nisse der Studie im Einzelnen

  • Heizung und Warmwassererzeugung: Derzeit entfallen mehr als 90 % des Energieverbrauchs im Gebäudesektor auf Heizung und Warmwassererzeugung. Erfolgt der Ausbau von Gebäudeautomation im Wärmebereich im aktuell vorherrschenden Tempo, könnten der Studie zufolge hier bis zum Jahr 2030 bis zu 5,7 Millionen Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Bei einem ambitionierten und politisch gesteuerten verstärkten Einsatz der Technologien seien sogar 10,8 Millionen Tonnen bis 2030 realistisch.
  • Kühlung und Beleuchtung: Nach dem gleichen Prinzip wie bei Heizung und Warmwassererzeugung erfolgt auch eine automatisierte Kühlung und Beleuchtung bedarfsgerecht und in Zusammenspiel mit anderen Teilen der Gebäudetechnik wie Rollläden oder Jalousien. Bei einem moderaten Ausbautempo dieser Technologien in Wohn- und Nichtwohngebäuden können, so die Studie, bis 2025 rund 0,68 Millionen Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Bei einem ambitionierten Ausbau sind diese Potenziale mit 0,7 Millionen Tonnen etwas höher.
  • Sektorenkopplung und Flexibilität: Mit dem Voranschreiten der Energiewende und dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien wird die Bedeutung eines zeitlich flexiblen Stromverbrauchs wichtiger. Das heißt, dass etwa Wärmepumpen genau dann Wärme in ein Gebäude einspeichern, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht – und dass das Elektroauto in genau diesen Zeiten der starken Erzeugung von Solar- oder Windkraftenergie seine Batterie auflädt und den Stromüberschuss nutzt. Eine intelligente Sektorenkopplung, die das eigene Energieangebot von Gebäuden mit verschiedenen Speichermöglichkeiten wie Warmwasser oder den Batterien von E-Autos automatisch abgleicht und steuert, hat große Potenziale, Energie insgesamt einzusparen und den CO2-Ausstoß zu senken. Schreitet der Ausbau der entsprechenden Technologien im heutigen Tempo fort, erwarten die Studienautoren, dass bis 2030 bis zu 2,3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden, 3,28 Millionen Tonnen bei einem beschleunigten Ausbau.

Smarte Steuerung und dicke Dämmung im Einklang

Mit 2.956 Petajoule entfallen ein Drittel des Energiebedarfs sowie bis zu einem Viertel der in Deutschland emittierten Klimagase auf den Gebäudebereich. Damit ist der Gebäudesektor neben Verkehr und industrieller Produktion einer der wesentlichen Verursacher von CO2-Emissionen. „Digitale Technologien können den Ausstoß von Treibhausgasen und den Energiebedarf von Gebäuden massiv senken“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Sie seien schnell einsatzbereit, entfalten ihr Potenzial unmittelbar und müssten daher viel stärker als bislang in der Klimapolitik berücksichtigt werden. „Schon die im Klimaschutzgesetz formulierten Ziele für das Jahr 2020 wurden seitens des Gebäudesektors nicht erfüllt. Die energetische Sanierung oder zum Beispiel der Austausch von Heizungsanlagen werden auch langfristig nicht ausreichen und sind mit großen Investitionen verbunden“, so Rohleder, der überzeugt ist: „Den Kampf für das Klima gewinnen wir nicht allein mit dicker Dämmung, wir gewinnen ihn mit smarter Steuerung – im privaten Zuhause ebenso wie bei Gewerbeimmobilien.“

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