Auswirkungen des stagnierenden Wassers 27.04.2020, 10:51 Uhr

Corona-Pandemie: Leere Büros gefährden Trinkwasserqualität

Büros, Schulen, Fitnessstudios, Sporthallen, Restaurants – das öffentliche Leben ist derzeit in vielen Bereichen stark eingeschränkt. Ein Effekt: Waschbecken und Duschen werden an vielen Orten seltener oder gar nicht mehr benutzt. Beste Voraussetzungen für Legionellen und gefährliche Keime.

Waschbecken

Werden Trinkwasseranlagen nicht dauerhaft bestimmungsgemäß betrieben, sind Keimbelastungen nicht auszuschließen.

Foto: panthermedia.net/ Koldunov

Ganz langsam nähert man sich der Normalität: Ausgewählte Geschäfte dürfen unter strengen Auflagen wieder öffnen, die ersten Schüler kehren in ihre Klassenräume zurück. Doch die Rückkehr in den Alltag birgt auch Gefahren, die nicht unmittelbar mit der Corona-Pandemie zu tun haben: Weil in länger nicht genutzten Trinkwasseranlagen kein regelmäßiger Wasseraustausch sichergestellt ist, können sich hier durch die entstandene Stagnation gefährliche Keime und Legionellen bilden. Davor warnen aktuell unisono renommierte Branchenexperten wie der „Deutsche Verein der qualifizierten Sachverständigen für Trinkwasserhygiene“, die Initiative „Partner für Wasser“ sowie zahlreiche Sanitärtechnikhersteller. Besonders wichtig sei es daher, dass eine Wieder-Inbetriebnahme sachgemäß und entsprechend der so genannten „allgemein anerkannten Regeln der Technik“ erfolgt.

Was ist nach einer längeren Pause zu beachten?

Wie also ist zu verfahren, wenn Waschbecken und Duschen, Fachleute sprechen hier von den so genannten „Entnahmestellen“, beispielsweise in Schulen oder Fitnessstudios, länger nicht genutzt wurden? Man unterscheidet in diesem Fall nach der Dauer der Nicht-Nutzung:

  • Wiederinbetriebnahme nach spätestens 7 Tagen: Den Wasserhahn öffnen und das Wasser mindestens 5 Minuten lang laufen lassen (sowohl Warmwasser wie Kaltwasser). Wichtig dabei: Man sollte mehrere Entnahmestellen gleichzeitig öffnen, um für eine genügend starke Durchströmung der Verteilleitungen zu sorgen.
  • Wiederinbetriebnahme nach maximal 4 Wochen: In diesem Fall ist ein vollständiger Wasseraustausch an allen Entnahmestellen durch Spülung mit Wasser gemäß dem DVGW-Arbeitsblatt 557 (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches) durchzuführen. Im besten Fall sind die Leitungen vor der Außerbetriebnahme komplett abgesperrt worden.
  • Wiederinbetriebnahme nach mehr als 4 Wochen: Zusätzlich zu dem vollständigen Wasseraustausch sind dann mikrobiologische Kontrolluntersuchungen durch einen Experten nötig, sowohl in den Kaltwasser- wie den Warmwasserleitungen.
  • Wiederinbetriebnahme nach mehr als 6 Monaten: Wenn eine Trinkwasser-Anlage über einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten außer Betrieb ist, sollte man auf jeden Fall ein Fachhandwerksunternehmen mit der sicheren Wiederinbetriebnahme beauftragen. In diesem Fall wird eine Spülung sämtlicher Rohrleitungen und eine mikrobiologische Probenahme vorgenommen.

Inhaber haften persönlich

Wichtig zu wissen: Der Unternehmer/ Inhaber der jeweiligen Einrichtung ist für den „ordnungsgemäßen Betrieb“ der Trinkwasseranlage verantwortlich und haftet persönlich, sollte die Trinkwasserqualität nicht gewährleistet sein. Dies gilt unter normalen Umständen ebenso wie in der aktuellen Krisensituation.

TrinkwV: Außerbetriebnahme von vorneherein vermeiden

Grundsätzlich sollte die komplette Außerbetriebnahme einer Trinkwasserinstallation, wenn möglich, vermieden werden. Das schützt vor einer mikrobiellen Belastung des Trinkwassers und vermeidet möglicherweise teure Folgekosten. Die deutsche Trinkwasserverordnung (TrinkwV), maßgebliche Rechtsvorschrift für den Erhalt der Trinkwasserqualität, sieht vor, dass der „bestimmungsgemäße Betrieb“ einer Trinkwasserinstallation jederzeit sicherzustellen ist. Auch in Zeiten einer Corona-Pandemie. In der Praxis bedeutet dies, dass beispielsweise in Restaurants, Schulen oder Fitnessstudios auch während ihrer Schließung eine Wasserentnahme stattfinden muss. Der reguläre Betrieb wird sozusagen simuliert, indem an allen Zapfstellen spätestens alle 72 Stunden so viel Wasser entnommen wird, dass ein kompletter Wasseraustausch im Leitungsnetz erfolgt (die in diesem Zusammenhang maßgebliche technische Richtlinie ist die VDI/DVGW 6023). Die Industrie hat zu diesem Zweck verschiedenste automatisierte Lösungen entwickelt, die es dem Betreiber oder Hausmeister ersparen diese Entnahmen persönlich durchzuführen. Sind diese nicht vorhanden, bleibt nur der regelmäßige, persönliche Gang von Wasserhahn zu Wasserhahn.

Von Marc Daniel Schmelzer

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