Nach Ende der Schulferien: 27.08.2021, 10:10 Uhr

Festinstallierte Lüftungsgeräte nur in neun Prozent aller Klassenzimmer

Neues Schuljahr, alte Probleme: Um Kinder im Unterricht vor einer Corona-Infektion zu schützen, setzen die meisten Schulen weiterhin auf Fensterlüftung. Festinstallierte Lüftungsgeräte sind noch immer Mangelware – trotz eines erweiterten Förderprogramms des Bundes.

Unterricht unter Pandemie-Bedingungen: Technische Lüftungslösungen sind in deutschen Schulen auch nach dem zweiten Corona-Sommer noch immer Mangelware.Foto: panthermedia.net/ HayDmitriy

Unterricht unter Pandemie-Bedingungen: Technische Lüftungslösungen sind in deutschen Schulen auch nach dem zweiten Corona-Sommer noch immer Mangelware.

Foto: panthermedia.net/ HayDmitriy

Die Zahlen, die das Meinungsforschungsinstitut Kantar vorgelegt hat, sind ernüchternd: Lediglich elf Prozent der von den Münchenern im Auftrag der Wolf GmbH befragten Eltern gaben an, dass die Schulen ihrer Kinder mobile Luftreiniger im Einsatz haben. Noch weniger Befragte (neun Prozent) konnten bestätigen, dass die Klassenzimmer ihrer Kinder mit festinstallierten Lüftungsgeräten, welche die verbrauchte Luft durch frische Außenluft ersetzen, ausgestattet sind. Dabei verweisen wissenschaftliche Studien seit geraumer Zeit nachdrücklich auf die Wirksamkeit von festinstallierten Lüftungsgeräten und mobilen Luftreinigern mit HEPA-Filter, um die Anzahl virenbelasteter Aerosole in der Raumluft zu reduzieren. Entsprechend klar fällt auch die Gesamteinschätzung der im Zuge der Erhebung 1.000 befragten Eltern aus:: Nur knapp die Hälfte bewertet die Schutzmaßnahmen der Schulen zum Zeitpunkt der Umfrage (Sommer 2021) als ausreichend, gut 70 % wären weniger besorgt um ihre Kinder, wenn in den Schulen professionelle Lüftungsgeräte zum Einsatz kämen.

Fensterlüftung noch immer das erste Mittel der Wahl

Nach Angaben der Eltern setzen die meisten Schulen noch immer auf Fensterlüftung, um die Kinder vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Ergänzt wird diese Maßnahme durch die Einhaltung der Abstandsregel (70 %) und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während des Unterrichts (67 %). Allerdings zeigen die Erfahrungen der Vergangenheit, dass eine Fensterlüftung aufgrund baulicher Gegebenheiten teilweise schwierig umzusetzen ist – teilweise sind die Fenster nicht komplett zu öffnen, einige Unterrichtsräume verfügen über gar keine Fenster. Insbesondere bei winterlichen Temperaturen führt die energetisch nicht nachhaltige Fensterlüftung darüber hinaus zu hohen Heizkosten – und dennoch frierenden Kindern. Mobile Luftreiniger können hier zumindest in Teilen hilfreich sein: Das Umweltbundesamt bestätigt, dass die Geräte als Ergänzung zur Fensterlüftung sinnvoll sind – insbesondere dort, wo eine Fensterlüftung nicht möglich ist. Sie ersetzen das Lüften nicht, sind aber in der Lage, die negativen Auswirkungen unzureichender Lüftung schnell und effektiv zu mindern.

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Förderprogramm soll Neueinbau raumlufttechnischer Anlagen forcieren

Dr. Thomas Kneip, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Wolf GmbH, eines Herstellers für Heizungs- und Lüftungstechnik mit Stammsitz im bayrischen Mainburg, plädiert eindringlich für den Einbau nachhaltiger Lüftungstechnik: „Die Förderung von bis zu 80 % für den Neueinbau raumlufttechnischer Anlagen in Einrichtungen für Kinder unter zwölf Jahren ist ein wichtiger Schritt zur Eindämmung der Pandemie. Diese Anlagen sind darüber hinaus eine nachhaltige Lösung für ein dauerhaft gesundes Raumklima. Gerade jetzt sollten Kommunen und Schulträger die Gelegenheit nutzen und langfristig in die Gesundheit der Schüler investieren.“

Seit Oktober 2020 können Kommunen, Länder und Hochschulen Fördergelder für die Um- und Aufrüstung ihrer raumlufttechnischen Anlagen beantragen. Doch die Nachfrage war mäßig. Deshalb hat der Bund im Frühjahr 2021 nochmals nachgebessert. Neu in der „Bundesförderung Corona-gerechte Um- und Aufrüstung von stationären raumlufttechnischen Anlagen“ verankert ist seither, dass auch ausgewählte private Einrichtungen, wie Schulen, Kindertagesstätten oder Alten- und Pflegeheime, antragsberechtigt sind. Auch die Anteilsfinanzierung wurde erhöht, sodass statt bisher 40 % aktuell bis zu 80 % der förderfähigen Ausgaben bezuschusst werden können. Zudem wurde die Förderung weiterer technischer Maßnahmen ermöglicht. Beispielsweise ist jetzt auch die Nachrüstung einer Anlage zur Luftbehandlung durch UV-C Strahlung förderfähig. Die Erweiterung einer bestehenden RLT-Anlage durch nachträgliche Anbindung einzelner notwendiger Nebenräume ebenso. Gefördert werden Maßnahmen an zentralen und dezentralen stationären Bestandsanlagen, die festmontiert und mit einem im Gebäude installierten Luftkanalsystem ausgestattet sind. Mindestens einer der an die RLT-Anlage angeschlossenen Räume muss mit einem Regelluftvolumenstrom von 400 m³/h (statt bisher 1.500 m³/h) oder mehr versorgt werden. Verantwortet wird das Förderprogramm vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Im Gegensatz dazu ist die Förderung zur Anschaffung mobiler Luftreiniger nicht deutschlandweit einheitlich geregelt. Bundesländer wie Bayern oder Baden-Württemberg fördern die Technik großzügig, während in Brandenburg oder Sachsen-Anhalt die Wirksamkeit der Geräte noch immer kritisch bewertet wird. Diese Einschätzung spiegelt sich auch in der Kantar-Umfrage wider. Eltern aus Sachsen-Anhalt gaben an, dass nur 22 % der Schulen planen, in mobile Raumluftreiniger zu investieren – in Bayern waren es hingegen 39 %.

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Von Marc Daniel Schmelzer