Vier Fachmessen unter einem Dach: „The smarter E Europe Restart“ 13.10.2021, 11:00 Uhr

Neustart der Intersolar gelungen

Unter der Dachmarke „The smarter E Europe Restart“ fand in München vom 6. bis 8. Oktober die 30. Auflage der Intersolar Europe statt. Wie bereits in den vergangenen Jahren präsentierte die Solarbranche ihre Innovationen dabei parallel zu neuen Entwicklungen aus den Bereichen Energiespeicher, Smart Renewable Energy und Elektromobilität.

Foto: Solar Promotion GmbH

Foto: Solar Promotion GmbH

Nach drei Messetagen zogen die Veranstalter zufrieden Bilanz: Das Corona-bedingte kompakte Restart-Format der „The smarter E Europe“ sei ein voller Erfolg gewesen. Über 450 Aussteller zeigten in den Hallen der Messe München auf 45.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche ihre Neuentwicklungen. Insgesamt kamen rund 26.000 Besucher aus 93 Ländern in die bayrische Landeshauptstadt, um sich auf den Energiefachmessen Intersolar Europe, ees, Power2Drive und EM-Power über aktuelle Trends und zukunftsweisende Produkte zu informieren. Im Fokus der „The smarter E Europe Restart“ standen die Kernthemen einer zukunftsfähigen Energie- und Mobilitätsbranche: Erneuerbare Energien, Dezentralisierung, Digitalisierung und Sektorkopplung sowie intelligente und vernetzte Energiesysteme. In den begleitenden Veranstaltungsformaten „Intersolar Europe Conference“ und „ees Europe Conference“ sowie drei Messeforen wurden innovative Technologien, neue Geschäftsmodelle und zukunftsweisende Projekte vorgestellt. Ursprünglich war die Neuauflage der „The smarter E Europe“ bereits für den Sommer 2021 geplant gewesen. Aufgrund der unklaren Pandemie-Situation entschieden die Veranstalter (Solar Promotion GmbH/ Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG) jedoch im Frühjahr, im Juli mit den „The smarter E Industry Days“ eine rein digitale Veranstaltung durchzuführen und die Präsenzmesse in den Herbst zu verlegen. Die Branchenpreise „Smarter E Award“, „Intersolar Award“ und „ees Awards“ wurden im Sommer digital vergeben.

Solartechnik: Neue Chancen auf Feldern und Wasserflächen

Der europäische Solarmarkt boomt. 18,2 Gigawatt Photovoltaik-Leistung wurden 2020 laut Angaben des Branchenverbandes SolarPower Europe neu installiert. Das ist ein Wachstum von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und die Prognosen stehen weiter auf Wachstum. Damit die Energiewende gelingen kann, sei aber ein noch stärkerer Ausbau der erneuerbaren Energien notwendig: Laut Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft e. V. (BSW), brauche es dazu jetzt einen Solar- und Speicherturbo, um die fossilen Kraftwerkskapazitäten rechtzeitig zu ersetzen und eine drohende Stromlücke in naher Zukunft zu vermeiden. Diese droht nach einer Analyse von EUPD Research in Deutschland bereits ab 2022 und könnte sich in den Folgejahren zunehmend ausweiten – im Jahr 2025 auf über 100 Terawattstunden. „Konkret: Wir müssen die Solarisierung unserer Energieversorgung schnellstmöglich mindestens um den Faktor drei bis vier beschleunigen“, so Körnig. Neben dem schnelleren Ausbau der Photovoltaik mit klassischen Dach- und Freiflächenanlagen könnten gebäudeintegrierte PV-Anlagen (BIPV) und Agri-Photovoltaik (Agri-PV) auf landwirtschaftlichen Flächen sowie „Floating PV“ für das erfolgreiche Gelingen der Energiewende einen wichtigen Beitrag leisten. Aussteller wie BayWa r.e., die Solar Projects GmbH und Rem Tec Srl zeigten in München bereits entsprechende Lösungen.

Speichersysteme: Strom, wenn er benötigt wird

Für eine bedarfsgerechte Versorgung des Verbrauchers mit erneuerbaren Energien ist die Fortentwicklung von zukunftsfähigen Speichersystemen zudem von enormer Bedeutung – und der Speichermarkt boomt ebenso wie die Batterieproduktion, egal ob bei Groß- oder Heimspeichern: Investitionen und staatliche Förderungen in Milliardenhöhen, stark wachsende Umsätze, viele neue Akteure prägen den Markt. Nach Angaben des BSW wurden allein im privaten Bereich in Deutschland im vergangenen Jahr rund 88.000 neue Heimspeicher installiert und damit nahezu jede zweite PV-Anlage mit einem Batteriespeicher kombiniert. Auf der Fachmesse ees boten Aussteller wie Huawei Technologies Co. Ltd., Sungrow Power Supply Co. Ltd. und die Fenecon GmbH Orientierung in den dynamischen Batteriespeichermärkten. Auch die Fachvorträge und -gespräche im Rahmen der ees Europe Conference widmeten sich dem Thema, ebenso wie die ees Award-Gewinner Commeo GmbH, Enphase Energy NL und Sax Power GmbH. „Es ist begeisternd wie viele Menschen sich jetzt über Netzsicherheit, Energiespeicher und Erneuerbare Energien Gedanken machen. Vor allem die Gewerbespeicher finden eine sehr große Nachfrage, weil die Betriebe sehen, wie viel es bringt, wenn sie Lastspitzen kappen und damit das Netz entlasten und Kosten sparen. Wir sind begeistert von der Resonanz des internationalen Fachpublikums auf unsere Stromspeicherlösungen“, resümiert Franz-Josef Feilmeier, Geschäftsführer der Fenecon GmbH.

Wasserstoff verbindet ökologischen Nutzen mit regionaler Wertschöpfung

Wenn derzeit über das Thema Energiewende diskutiert wird, fällt immer wieder ein weiterer Begriff: Wasserstoff. So auch in München: „Der gesamten Branche der Energiespeicherung steht eine große Zukunft bevor: Grüner Wasserstoff unterstützt die Trends und die Vorgaben der Dekarbonisierung optimal. Als Bindeglied ist Wasserstoff für die Nutzung der erneuerbaren Energien in allen Sektoren unersetzbar – außerdem verbindet er ökologischen Nutzen mit regionaler Wertschöpfung“, so Ove Petersen, Mitgründer und CEO der GP Joule Gruppe. Wichtige Impulse für die Förderung des Energieträgers liefert jetzt das „Green Hydrogen Manifest“, das im Rahmen von „The Smarter E Europe Restart“ präsentiert wurde. Die Initiatoren Hydrogen Europe, Deutscher Wasserstoff- und Brennstoffzellenverband (DWV), European Electrolyzer & Fuel Cell Forum (EFCF) und „The smarter E Europe“ möchten damit ein klares Zeichen für die Dekarbonisierung und eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft setzen. „Wir sind kurz vor dem Aufbruch in eine Wasserstoff-Marktwirtschaft: Grüner Wasserstoff birgt nicht nur enorme Chancen für die europäische Industrie, sondern ist als Gesamtsystemintegrator der Kern der Energiewende. Um die Klimaziele zu erreichen, muss nun die Politik den regulatorischen Weg für diesen Energieträger ebnen. Nur so kann alles was an Inspiration und Kreativität auf der Messe so eindrucksvoll präsentiert wurde, seinen Weg in die zukünftige erneuerbare, versorgungssichere und wirtschaftliche Energieversorgung finden“, erklärt Werner Diwald, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbands (DWV) anlässlich der Vorstellung des Manifests.

Ladeinfrastruktur als Teil des gesamten Energiesystems

Die Rolle der Elektromobilität in der neuen Energiewelt, die Ladeinfrastruktur als Schnittstelle zwischen Mobilität und Stromnetz sowie die Perspektiven des Vehicle2Grid-Konzepts als Game-Changer der neuen Mobilitätswelt waren die Schwerpunkte der Power2Drive. Die öffentliche Ladeinfrastruktur in Europa ist 2020 um 35 % gewachsen, das Interesse an privaten Wallboxen in Deutschland ist riesig. Entsprechend steigt die Zahl der Anbieter und Produkte. Der Anteil privater Ladevorgänge wird in den kommenden zehn Jahren weiter überwiegen – und zwar deutlich mit rund 80 %, davon geht die Nationale Leitstelle für Ladeinfrastruktur in Deutschland aus. Lademöglichkeiten zu Hause, beim Arbeitgeber und an Einkaufszentren werden noch stärker gefragt sein. Die Bundesregierung fördert das und setzt dabei auf zukunftsweisende Kriterien wie die Steuerbarkeit der Ladelösungen und die Verwendung von Strom aus erneuerbarer Energie. Seit dem Start des Programms Ende November 2020 wurden 385.000 Anträge auf die Förderung von 470.000 privaten Ladepunkten gestellt. Auf der Fachmesse und dem begleitenden Forum trafen sich Hersteller, Zulieferer, Händler und Start-ups aus dem Verkehrssektor und präsentierten neue Entwicklungen und Geschäftsmodelle. Die Integration der Power2Drive Europe in die Innovationsplattform der neuen Energiewelt zeigt: Damit der Mobilitäts- und Transportsektor sein Potenzial ausschöpfen kann, sind Elektrofahrzeuge und die Ladeinfrastruktur als Teil des gesamten Energiesystems zu betrachten. Leistungsstarke E-Mobil-Batterien lassen sich nicht nur als Energiespeicher für das Fahrzeug, sondern auch als Bausteine im Energienetz nutzen. Mit den Elektrofahrzeugen werden dezentrale Speicherkapazitäten für die Energiewende verfügbar. Grundlagen sind Vehicle2Grid(V2G)-, Vehicle2Home- und Vehicle2Work-Lösungen. „Ladeinfrastruktur ist ein zentrales Element für den Erfolg der E-Mobilität – und auf der Messe bringen wir es mit Themen wie Speicherung, Photovoltaik und Erneuerbaren Energien zusammen. Dadurch wird auf einer Veranstaltung der gesamte Energie- und Mobilitätssektor abgebildet – das ist für uns äußerst spannend“, sagt Karl Kolmsee, Director Produktportfolio-Management bei Webasto Customized Solutions.

Intelligente Energieversorgung: Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle

Im Rahmen der EM-Power und dem begleitenden Forum konnten die Besucher der „The smarter E Europe“ die Energiewende konkret erleben. Die Preisverleihung des Energiewende Awards 2021 für die besten Energieversorger in der DACH-Region war dabei ein Highlight. Ein Weiteres: Die täglichen Sessions zur Klimaneutralität und wie Firmen diese erreichen können. Immer mehr Firmen versorgen ihren Betrieb kostengünstig und umweltfreundlich mit Elektrizität und betreiben ihre Produktionsprozesse klimaneutral. Der Weg zum klimaneutralen Unternehmen, Sektorkopplung in Gebäuden und Quartieren sowie Zukunftsthemen rund um Smart Grids und Netzinfrastruktur waren Fokusthemen der EM-Power Europe. „Für uns steht eine nachhaltige Energieversorgung durch Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle im Fokus, um den CO2-Ausstoß zu optimieren. Am Grid Edge, der Schnittstelle zwischen intelligenten Stromnetzen und Prosumern, wird das Zusammenspiel von Produktion, Verbrauch und Stromspeicher neu definiert. So können erneuerbare Energie effizient integriert und Energieversorgung flexibel und zuverlässig gewährleistet werden“, erläutert Markus Mildner, Head of Global Sales, Siemens Smart Infrastructure.

Die nächste „The smarter E Europe“ mit ihren vier Einzelmessen Intersolar, ees, Power2Drive und EM-Power findet vom 11. bis 13. Mai 2022 auf der Messe München statt.

 

 

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