Solarstrom: Von der Anlage ins Netz 03.08.2020, 10:13 Uhr

Sonnige Zeiten für Solaranlagen

Sonnenenergie ist fester Bestandteil des deutschen Energiemix. Aktuell bedienen rund 1,8 Millionen photovoltaische Solaranlagen 9 % des deutschen Strombedarfs – weiteres Wachstum ist abzusehen.

Solaranlage

Solaranlagen mit einer Leistung von über 750 Kilowatt peak müssen sich an einer turnusmäßigen Ausschreibung der Bundesnetzagentur beteiligen. Der anzulegende Gebotswert in Cent pro Kilowattstunde wird für 20 Jahre garantiert.

Foto: panthermedia.net/Petkov

Aktuell beträgt die Gesamtkapazität der deutschen Photovoltaik-Kraftwerke 49 Gigawatt. Ein beschleunigter Zuwachs zeichnet sich ab, da die Förderung nicht mehr gedeckelt ist. Dieser Trend geht aus der Juni-Ausschreibung für Solarstrom der Bundesnetzagentur hervor. Die Behörde hatte eine Fördermenge von rund 100.000 Kilowatt zu einem Höchstwert von 7,5 Cent pro Kilowattstunde ausgeschrieben, und dieses Volumen wurde vierfach überzeichnet.

Wie funktioniert das Verfahren?

Solaranlagen mit einer Leistung über 750 Kilowatt peak müssen sich an einer turnusmäßigen Ausschreibung der Bundesnetzagentur beteiligen und einen „anzulegenden Gebotswert“ – so der Fachbegriff – in Cent pro Kilowattstunde bieten. Der ist ihnen dann für 20 Jahre garantiert. Ohne solch eine Zusage würde schon deshalb kaum ein Investor bauen, weil vermutlich die Modulpreise, die etwa die Hälfte der Investitionskosten eines PV-Kraftwerks ausmachen, in den nächsten Jahren weiter fallen und damit den Strom aus älteren Solarkraftwerken verteuern werden. Die Betreiber des Bestands hätten dann das Nachsehen im Handel. Die Bundesnetzagentur limitiert jedoch nicht den Zubau einer Leistung. PV- und Windfarmen kann jeder hinstellen soviel er will. Er muss lediglich die bau- und umweltrechtlichen Bestimmungen einhalten. Gefördert wird allerdings nur der Umfang, den die Bundesnetzagentur mehrmals im Jahr als Tranche angibt, wie die 100 Megawatt in der Juni-Ausschreibung 2020. Dazu nennt sie einen Höchstwert in Cent je Kilowattstunde eingespeiste Leistung. Auf diesen Höchstwert von 7,5 Cent im Juni bieten die Teilnehmer. Wer mehr verlangt, scheidet bei der Vergabe aus.

Das niedrigste Gebot erhält den Zuschlag

Der Investor kalkuliert also für die nächsten 20 Jahre für seine Anlage von vielleicht 15 Megawatt den anzulegenden Gebotswert und bewirbt sich um den Zuschlag in dieser Höhe für die nächsten 20 Jahre. Die entscheidende Variable in seiner Kalkulation ist die Abschätzung der „Solarernte“ in Kilowattstunden in diesem Zeitraum. Den Zuschlag erhalten die Teilnehmer an der Ausschreibung mit den niedrigsten Geboten. Die beantragten 7,5 Cent gewährt die Bundesnetzagentur also nur, wenn nicht genügend preiswertere Meldungen vorliegen. Im Juni musste der Staat mithin nicht tiefer als bis 5,40 Cent pro Kilowattstunde in die Tasche greifen. Wobei das nur zum Teil richtig ist. Denn von dem Gebotswert wird der an der Börse erzielte Erlös abgezogen. Ausgezahlt wird lediglich die Differenz zwischen Börsenpreis und Gebotswert, die Marktprämie. So gesehen bleiben die Einnahmen über die 20 Jahre gesehen aber konstant. Steigt der Preis an der Strombörse in Leipzig, gibt es eine geringere Marktprämie. Fällt er, muss der Staat mehr Geld zahlen. Wer bietet, muss eine Sicherheit leisten, dass er tatsächlich das Projekt realisiert. Diese Sicherheit besteht für Solaranlagen aus 50 Euro und teilt sich auf in einen Vorschuss von fünf Euro je Kilowatt der angebotenen Leistung, der gleich mit der Gebotsabgabe bei der Bundesnetzagentur eingehen muss. Die restlichen 45 Euro sind binnen zehn Tagen nach Erteilung des Zuschlags nachzureichen. Die Sicherheit verfällt, wenn das Projekt nicht zustande kommt.

Wie finanziert sich die Marktprämie?

Die Marktprämie finanziert sich aus der EEG-Umlage: Gemäß GEG haben die Elektrizitätsversorgungsunternehmen für jede am Endverbraucher gelieferte Kilowattstunde Strom eine EEG-Umlage an die Übertragungsnetzbetreiber in Höhe von 6,76 Cent pro Kilowattstunde (für 2020) zu überweisen. Dieser Aufwand kostet Geld. Deshalb geht die EEG-Umlage auf das Konto der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber, die damit ihre eigenen Ausgaben und die Marktprämien-Zahlungen decken müssen. Aktuell geht diese Rechnung nicht auf. Ausgaben von etwas mehr als drei Milliarden Euro im Juni 2020 standen Einnahmen von zwei Milliarden Euro aus der EEG-Umlage gegenüber. Die Differenz gleichen Haushaltsmittel des Bundes aus.

Förderung für größere Anlagen

Erbauer von Solaranlagen bis 750 Kilowatt peak müssen sich nicht an der Ausschreibung beteiligen. Sie erhalten ihre Förderung auf Basis des Gebäudeenergiegesetzes. Diese beträgt für Neuanlagen, je nach Anlagengröße und Installationsort (Dach, Freifläche), rund zehn Cent pro Kilowattstunde. Dieser Betrag wird ebenfalls für 20 Jahre garantiert. Allerdings nur dann, wenn keine Erlöse aus der Direktvermarktung des Stroms erzielt werden. Direktvermarkung heißt: Bis 100 Kilowatt peak liefert der PV-Betreiber den Strom an den Übertragungsnetzbetreiber und erhält von dem die rund zehn Cent pro Kilowattstunde. Oberhalb 100 Kilowatt peak muss der Investor den Strom an der Leipziger Strombörse direkt vermarkten – beziehungsweise über einen entsprechenden Dienstleister – und um diesen Erlös werden dann die Zahlungen des Übertragungsnetzbetreibers an den PV-Betreiber reduziert. Ähnlich sieht das Verfahren für Windanlagen aus, mit der Abweichung, dass es hier keine amtlichen Kleinanlagen gibt. Jeder, der einen Zuschuss benötigt – und das sind beinahe 100 % der Installationen –, muss sich an der Ausschreibung beteiligen, auch wenn er in seinem Garten nur eine Anlage für 500 Watt aufständern will.

Wie hoch sind die Gestehungskosten für erneuerbaren Strom?

Freiflächen-PV liegt bei etwa vier bis sechs Cent pro Kilowattstunde, Wind Onshore je nach Standort und Windbedingen bei vier bis acht Cent, Wind Offshore bei acht bis 14 Cent, der Strom aus unterhaltungsteuren, Brennstoff verbrauchenden reinen Gaskraftwerken dürfte im Mittel das Doppelte dieser Beträge ausmachen. Die Stromgestehungskosten enthalten die Investitionsausgaben, die jährlichen Gesamtausgaben (Brennstoff, Instandhaltung), die produzierte Strommenge, den kalkulatorischen Zinssatz und die wirtschaftliche Nutzungsdauer in Jahren.

Beim Börsenpreis fällt auf, dass der nur ungefähr die Hälfte der Stromgestehungskosten ausmacht. Wie kann man etwas preiswerter verkaufen als die Produktion gekostet hat? Weil, ganz grob gesprochen, ein Teil des an die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig gelieferten Stroms aus europäischen Kraftwerken, der momentane Überschuss, verramscht wird. Nur als Beispiel: etwa Strom aus schwer regelbaren polnischen Kohlekraftwerken. Bei vielen Kraftwerken ist diese Vorgehensweise preiswerter, als herunterfahren zu müssen. Zum Teil geht das aus rein technischen Gründen wie aber auch aus versorgungstechnischen Gründen nicht. Weil etwa ein Gas- und Dampf-Kombikraftwerk an einem kalten, aber sehr sonnigen und stürmischen Wintertag, also mit viel erneuerbarem Strom, wegen der benötigten Fernwärme trotzdem voll durchlaufen muss. Wohin dann mit dem Zuviel an Elektrizität? An die Leipziger Strombörse.

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Von Dipl.-Ing. Bernd Genath, Fachjournalist aus Düsseldorf

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