Strommix in Deutschland 05.08.2021, 09:05 Uhr

Solarstromanlagen: Nachfrage um 22 Prozent gestiegen

In den ersten sechs Monaten des Jahres stieg die Nachfrage nach Solarstromanlagen nach Zahlen des Bundesverband Solarwirtschaft im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel. Doch der BSW mahnt: Ausgerechnet großflächige Gewerbedächer werden immer seltener erschlossen.

Im ersten Halbjahr 2021 ist die Nachfrage nach Solarstromanlagen deutlich gestiegen. Im gewerblichen Bereich gab es allerdings auch deutlich rückläufige Zahlen. Foto: panthermedia.net/Lucaz80

Im ersten Halbjahr 2021 ist die Nachfrage nach Solarstromanlagen deutlich gestiegen. Im gewerblichen Bereich gab es allerdings auch deutlich rückläufige Zahlen.

Foto: panthermedia.net/Lucaz80

Auf den ersten Blick könnten die Zahlen der Bundesnetzagentur (BNetzA) optimistisch stimmen: Ein Plus von 22 % im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 – das klingt nach einem achtbaren Wachstum. Doch die Realität sieht anders aus: Für das Erreichen der Klimaschutzziel 2030 sei eine Verdrei- bis Vervierfachung des Ausbautempos erforderlich, so der Bundesverband Solarwirtschaft. Ohne eine Vervielfachung der Solarenergie sei der wachsende Strombedarf infolge des Atom- und Kohleausstiegs sowie der zunehmenden Elektromobilität nicht klimafreundlich zu decken, mahnen die Berliner – zumal die Nachfrage-Zahlen für das erste Halbjahr 2021 eine zunehmende Investitionszurückhaltung bei der solartechnischen Erschließung von Gewerbedächern dokumentieren. Die Interessenvertreter der Solarbranche fordern deshalb die Einführung eines Solar-Beschleunigungsgesetzes unmittelbar nach der Bundestagswahl.

Gewerbliche Solaranlagen nicht ausreichend gefördert

„Teile des Solarmarktes geraten derzeit ins Stocken“, berichtet BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. So seien in der wichtigen Photovoltaik-Leistungsklasse 0,3 bis 0,75 Megawatt im Mai 57 % und im Juni sogar 67 % weniger Solardächer bei der BNetzA gemeldet worden als in den vergleichbaren Vorjahresmonaten. Dies sei die Quittung dafür, dass es die Bundesregierung vor der Sommerpause versäumt habe, die PV-Ausbauziele konsequent an die verschärften Klimaziele anzupassen und die Absenkung gesetzlich gewährter Marktprämien zu verlangsamen, so Körnig. Der Investitionsrückgang sei ein direktes Resultat des in Paragraf 49 EEG verankerten so genannten „Atmenden Deckels“. Er führe zu einer zu schnellen Absenkung staatlich garantierter Marktprämien für neue Solaranlagen. So sank seit Anfang vergangenen Jahres die Solarstrom-Förderung für die Betreiber neuer gewerblicher Solardächer um mehr als 25 %, während die Preise schlüsselfertiger Solarsysteme nach Zahlen des BSW im gleichen Zeitraum um lediglich fünf Prozent abnahmen.

Erneuerbare Energien 2020: Wind deutlich vor Sonne

Betrachtet man die Entwicklung des gesamten deutschen Strommarkts, steigt der regenerative Anteil weiter an. Nach den Zahlen der Bundesnetzagentur lag der Anteil des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms an der Netzlast im Jahr 2020 bei 49,3 % (Vorjahr: 46,1 %). Den größten Beitrag dazu leisteten Windkraftanlagen – vor allem an Land. On- und Offshore-Anlagen kamen gemeinsam auf einen Anteil von 27,4 %, auf Photovoltaik entfielen 9,7 %. Die verbliebenen 12,2 % entfielen auf Biomasse, Wasserkraft und sonstige Erneuerbare. Insgesamt lag die Erzeugung aus erneuerbaren Energien im vergangenen Jahr mit 233,1 Terawattstunden um 4,1 % über dem Vorjahreswert von 223,9 Terawattstunden. Aus konventionellen Energieträgern wurden laut Auswertung der Bundesnetzagentur 259,2 Terawattstunden Strom gewonnen und in das bundesweite Netz eingespeist (im Vergleich zu 2019 ein Minus von 12,2 %). Unter dem Strich wurde 2020 mehr Strom exportiert als im Ausland zugekauft. Dennoch stieg der Import-Anteil deutlich im Vergleich zu 2019 (Export: 52,5 Terawattstunden, 2019: 59,4 Terawattstunden/ Import: 33,6 Terawattstunden, 2019: 24,2 Terawattstunden).

Größtes Wachstum bei Photovoltaik

Die Anteile des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms im Detail: Die Wind-Onshore-Erzeugung war 2020 mit 103,1 Terawattstunden um rund 3,5 % höher als im Vorjahr (99,6 Terawattstunden). Die Erzeugung aus Wind-Offshore-Anlagen lag bei 26,9 Terawattstunden (plus 11,2 %, 2019: 24,2 Terawattstunden). Am stärksten nahm die Photovoltaikeinspeisung zu: Während 2019 noch 41,9 Terawattstunden eingespeist wurden, waren es im vergangenen Jahr 45,8 Terawattstunden (plus 9,3 %). In der Tagesbetrachtung lag der Anteil erneuerbarer Energien an der Netzlast im Jahr 2020 immer bei mindestens 16,0 %. Der höchste Anteil innerhalb einer Stunde wurde am 17. Mai 2020 zwischen 14 und 15 Uhr verzeichnet (112,2 % beziehungsweise 49,3 Gigawattstunden).

 

 

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