Deutscher Solarpreis 2020 28.09.2020, 09:21 Uhr

„Pfadfinder auf dem Weg in die Zukunft“

Sechs vorbildliche Projekte aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien wurden vergangene Woche in Münster mit dem Deutschen Solarpreis 2020 ausgezeichnet. Die Gewinner im Überblick.

Der Deutsche Solarpreis

Der Deutsche Solarpreis wird seit 1994 alljährlich verliehen.

Foto: Eurosolar

Die Veranstaltung hat Tradition: Seit 1994 verleiht der Verein Eurosolar – Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien alljährlich den Deutschen Solarpreis – in diesem Jahr in Münster. Unter Einhaltung strenger Corona-Auflagen traf man sich im H7, einem siebengeschossigen in Holz-Hybrid-Bauweise errichteten Bürogebäude im Hafenviertel der Hansestadt; ein Best Practice-Beispiel ebenso wie die prämierten Vorhaben. „Der Erfolg der Projekte ist nicht allein für die Preisträger ein Grund zur Freude. Denn schließlich profitieren wir alle, die gesamte Energiewende davon, indem die Projekte uns als Vorbilder eine Orientierung verschaffen. Sie sind Pfadfinder auf dem Weg in die Zukunft“, stellte Lothar Schneider, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW, den gesamtgesellschaftlichen Wert der Verleihung heraus. Mit dem Deutschen Solarpreis werden herausragende Projekte und Initiativen geehrt, die eine konsequente und dezentrale Energiewende verfolgen. Einreichungen sind in zehn Kategorien möglich.

Zwei Preisträger in der Kategorie „Solare Architektur und Stadtentwicklung“

In der Kategorie „Solare Architektur und Stadtentwicklung“ erhielt das Architekturbüro heilergeiger architekten und stadtplaner BDA aus Kempten den Deutschen Solarpreis für die ressourcenschonende und nachhaltige Restaurierung der Kindertagesstätte Karoline Goldhofer in Memmingen. Durch die Einsparung von konventioneller Energie und Baustoffen sowie einer CO2-Reduktion sei es den Preisträgern gelungen, bei dem Gebäude schon heute das Klimaziel 2050 zu erfüllen, beschreibt Eurosolar die Vorzüge des Projekts. Eine auf dem Dach installierte Solaranlage liefert die Energie für eine Wärmepumpe und speist einen Pufferspeicher. Im Sommer dämpfen die Speichermasse des Bestandes und die Betondecke des Neubaus etwaige Temperaturspitzen. Zisternenwasser dient dann zur Kühlung der Zuluft, die in einem einfachen Kreislauf die Verdunstungskälte nutzt. Eine kleine Gastherme kann optional zur Warmwassererwärmung zugeschaltet werden.

Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Stadt Freiburg für das „Rathaus im Stühlinger“. Das öffentliche Gebäude sei ein Paradebeispiel dafür, wie Null-Energie-Vorgaben erreicht werden können und zeige wie gebäudeintegrierte Photovoltaik aus ihrer Nische herausgeholt werden könne, so Eurosolar. Das weltweit erste öffentliche Gebäude mit Nullenergie-Vorgabe (Nettogrundfläche 22.650 Quadratmeter) wurde 2018 fertiggestellt. Es erzeugt in der Jahresprimärenergiebilanz genauso viel oder sogar mehr Energie über regenerative Quellen als benötigt wird. Dafür kommt Photovoltaik in der Fassade sowie Photovoltaik und photovoltaik-thermische Kollektoren auf dem Dach zum Einsatz. Zudem sind Grundwasser-Wärmepumpen, Grundwasser-Wärmetauscher und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung in das Gebäude integriert. Rund 800 Solarpaneele produzieren Strom, überschüssige Energie wird ins Netz eingespeist.

Preisträger und Organisatoren des Deutschen Solarpreis 2020.

Foto: Eurosolar

Energieversorger setzt zu 100 % auf Erneuerbare Energien

Preisträger in der Kategorie „Städte/Gemeinden, Landkreise, Stadtwerke“ sind die Versorgungsbetriebe Bordesholm GmbH (VBB). Mit dem Deutschen Solarpreis wird der konsequente Ausbau der Erneuerbaren Energie bei dem Versorger gewürdigt, zuletzt durch den Bau eines Batteriespeichers. Die kommunale Stromversorgung erfolgt in der schleswig-holsteinischen Gemeinde zu 100 % aus Erneuerbaren Energien, 80 % davon stammen sogar aus der Region. Die VBB haben 2019 als Tochter der Gemeinde Bordesholm einen großen stationären Batteriespeicher mit einer Leistung von bis zu 16 Megawatt errichtet. Er ermöglicht in Kombination mit einer Biomasseanlage die unterbrechungsfreie Trennung vom öffentlichen Stromnetz und kann es frequenz- und systemstabil weiter betreiben.

Landwirtschaft und Solartechnik im Einklang

Die Next2Sun GmbH (Berlin) erhielt den Deutschen Solarpreis in der Kategorie „Industrielle, kommerzielle oder landwirtschaftliche Betriebe/Unternehmen“ für ein Photovoltaik-Anlagenkonzept, das die zeitgleiche Nutzung von Flächen für Landwirtschaft und Energiegewinnung erlaubt. Die vertikale Aufstellung von Solarmodulen auf ökologisch wertvollen Blühstreifen ermöglicht die Nutzung von Freiflächen für die Stromproduktion während landwirtschaftliche Nutzungskonzepte möglich bleiben und der Boden geschont wird. Next2Sun nutzt dabei bifaziale Solarmodule, die senkrecht aufgestellt werden. Dies ermöglicht eine Verwertung des Lichts von beiden Seiten. Bisher wurden zwei Solarparks in Deutschland realisiert: in Dirmingen bringt die Freiflächenanlage auf rund sieben Hektar eine Leistung von rund 2,0 Megawatt Peak. In Donaueschingen wurden 4,1 Megawatt Peak Leistung installiert.

Solartechnik mit Bürgerbeteiligung

Ein weiterer Deutscher Solarpreis ging in der Kategorie „Lokale oder regionale Vereine/ Gemeinschaften“ an die Energiegewinner eG aus Köln. Die Genossenschaft ermöglicht Menschen seit 2010 Bürgersolaranlagen gemeinsam mit Kommunen, Vereinen, Religionsgemeinschaften, Initiativen und Firmenbelegschaften zu realisieren. Mitglieder haben zum Beispiel die Möglichkeit, einzelne Module bereits installierter PV-Anlagen in ganz Deutschland zu erwerben. Die Module werden von der Genossenschaft gewartet und betrieben, wodurch die Mitglieder ohne großen Aufwand oder eigenes Dach selbst zu Ökostromproduzenten werden können.

Einen Sonderpreis für sein persönliches Engagement erhielt Professor Dr. Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wissenschaft Berlin für seine herausragende Leistung bei der Aufklärung zu Erneuerbaren Energien und Klimaschutz. Quaschning sei nicht nur ambitionierter Forscher, sondern setze sich Tag für Tag mit Leidenschaft dafür ein, die Menschen für ein Engagement gegen den Klimawandel zu gewinnen. Er hält Vorträge, schreibt Bücher, Artikel und Stellungnahmen, filmt Youtube-Videos und zeige klare Kante in den Sozialen Medien, so Eurosolar.

Von Marc Daniel Schmelzer

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