Herausforderung Infrastruktur 20.11.2020, 10:37 Uhr

Elektromobilität braucht Ladelösungen für Zuhause

Bis 2030 sollen bis zu zehn Millionen Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren, so der Wunsch der Bundesregierung. Doch wo werden sie „aufgetankt“? Die Lade-Infrastruktur wächst derzeit nicht proportional zu den durch Kaufprämien forcierten Verkaufszahlen von Elektroautos. Im privaten Bereich könnte das jüngst novellierte Wohnungseigentumsgesetz neue Chancen eröffnen.

Foto: panthermedia.net/gdolgikh

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Zufriedene Gesichter bei Branchenvertretern und Politik nach dem „Autogipfel“ in Berlin: Die Bundesregierung unterstützt die durch die Corona-Pandemie stark gebeutelte Automobilindustrie mit zusätzlichen drei Milliarden Euro – weitere Fördergelder, um „langfristige Herausforderungen“ und den dringend benötigten Strukturwandel in der Branche voranzubringen. Im gleichen Zug wurde die Kaufprämie für E-Autos bis zum Jahr 2025 verlängert. Wolfgang Weber, Vorsitzender der Geschäftsführung des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) fand dafür kritische Worte: „Elektromobilität braucht Ladelösungen. Statt wieder über Kaufprämien zu sprechen, die erfolgreich zu einer Verdreifachung der Zahl neu zugelassener Pkw mit Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Antrieb zwischen Januar und Oktober geführt haben, sollte jetzt die Ladeinfrastruktur im Zentrum der politischen Diskussion stehen.“ Laut Weber ist Deutschland noch weit von der benötigten Versorgungsinfrastruktur entfernt, weil vor allem private Lademöglichkeiten nicht in ausreichender Anzahl vorhanden sind. Zwar werde der Einbau einer steuerbaren Wallbox seit kurzem mit 900 Euro gefördert, aber um die private Ladeinfrastruktur fit für die Elektromobilität zu machen, müssten auch die notwendigen elektrotechnischen Maßnahmen im Umfeld der Ladestationen in die Förderung eingeschlossen werden. Unbefriedigend sei auch, dass das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG), welches eine EU-Gebäuderichtlinie in nationales Recht umsetze, noch immer nicht verabschiedet sei. Dabei können mit diesem die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge zu Hause und am Arbeitsplatz zu verbessern. „Die Attraktivität von Elektromobilität wird erst signifikant zulegen, wenn eine zuverlässige Ladeinfrastruktur, gerade zu Hause vorliegt“, so der Vorsitzende der ZVEI-Geschäftsführung.

Wohneigentumsmodernisierungsgesetz stärkt den Einbau privater Ladestationen

Ein Mosaikstein zur Verbesserung der Ladeinfrastruktur ist die Reform des Wohnungseigentumsgesetzes (WEG). Auf Beschluss der Konferenz der Justizministerien der Länder hat eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe Empfehlungen für eine umfassende Reform des WEG erarbeitet, die die Bundesregierung in ein Wohneigentumsmodernisierungsgesetz (WEMoG) überführt hat. Nach der Ratifizierung durch den Bundesrat wurde es im Oktober rechtskräftig. Das Gesetz stärkt die Verantwortung und Pflichten von Eigentümergemeinschaften, Blockadehaltungen einzelner Eigentümer werden damit aufgelöst, dringend notwendige Prozesse wie Sanierungen können einfacher umgesetzt werden. Nach bisher geltendem Recht musste für bauliche Veränderungen am gemeinschaftlichen Eigentum in der Regel die Zustimmung aller Wohnungseigentümer vorliegen. Daran sind in der Vergangenheit viele Vorhaben gescheitert. Das WEMoG sieht jetzt unter anderem vor, dass bauliche Maßnahmen zur Errichtung einer Lademöglichkeit für elektrisch betriebene Fahrzeuge privilegiert werden. Diese Maßnahmen benötigen jetzt nicht mehr die Zustimmung aller Wohnungseigentümer. Vielmehr hat jeder Wohnungseigentümer einen Rechtsanspruch darauf (§ 20 Absatz 2). Die Eigentümerversammlung darf die Baumaßnahmen in der Regel nicht verwehren. Sie darf aber auf die Art der Durchführung der Maßnahme Einfluss nehmen und zum Beispiel beschließen, dass die Gemeinschaft die Baumaßnahme organisiert, damit diese den Überblick über den baulichen Zustand der Wohnanlage behält. Die Kosten der Maßnahme trägt der begünstigte Wohnungseigentümer. Zusätzlich soll grundsätzlich auch jeder Mieter einen Anspruch gegen den jeweiligen Vermieter erhalten, dass ihm bauliche Maßnahmen zur Errichtung einer Lademöglichkeit für elektrisch betriebene Fahrzeuge auf seine Kosten gestattet sind.

Zahl der Ladepunkte im öffentlichen Bereich gestiegen

Grafik: LUTUM+TAPPERT (Bonn) auf Basis der Daten von www.ladesaeulenregister.de, Stand 24.04.2020.

Grafik: LUTUM+TAPPERT (Bonn) auf Basis der Daten von www.ladesaeulenregister.de, Stand 24.04.2020.

Weitaus mehr Möglichkeiten sein E-Auto mit Strom zu versorgen, bietet aktuell der öffentliche Bereich. Im April diesen Jahres zählte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) bundesweit 27.730 öffentliche Ladepunkte. Das sind über 10.000 oder fast 60 % mehr als im Mai 2019 (17.400 Ladepunkte). Darunter liegt der Anteil der Schnelllader bei rund 14 %. „Die Corona-Krise stellt auch die Ladesäulenbetreiber vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, dass sie beim weiteren Ausbau von der Politik Rückenwind erfahren. Elektromobilität ist nicht nur ein wichtiger Faktor für den Klimaschutz, sondern kann gerade in der aktuell schwierigen Wirtschaftslage auch ein wirkungsvoller Konjunkturmotor werden“, sagt BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae. Das aktuell beste Versorgungsnetz finden Fahrer von Elektroautos derzeit übrigens in Bayern vor (6.353 Ladepunkte), gefolgt von Baden-Württemberg mit 4.950 Ladepunkten, Nordrhein-Westfalen (4.476), Niedersachsen (2.501) und Hessen (1.866). Auf kommunaler Ebene schneidet München mit 1.185 öffentlichen Ladepunkten am besten ab, vor Hamburg (1.096) und Berlin (1.052).

 

 

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