Solarenergie 23.04.2021, 14:00 Uhr

Photovoltaik: Höhere Investitionssicherheit dank PPAs

Mitte vergangenen Jahres, als das Förder-Aus für ältere Erneuerbare Energien-Anlagen drohte, ergriffen klimabesorgte Institutionen die Initiative. Im Januar war es dann soweit: Die „Marktoffensive Erneuerbare Energien“ startete. Die Mitglieder setzen sich für eine verstärkte Implementierung direkter Stromlieferverträge, den sogenannten Power Purchase Agreements (PPAs), ein. Was verbirgt sich dahinter?

Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien kann sich auch ohne Förderung lohnen. Foto: Genath

Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien kann sich auch ohne Förderung lohnen.

Foto: Genath

Den Anstoß gaben die Deutschen Energie-Agentur (Dena), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und das Netzwerk Klimaschutz-Unternehmen e. V. Nach draußen sichtbar taucht das Kürzel PPA für Power Purchase Agreement in Wirtschaft und Politik erst seit etwa zwei Jahren auf. In der Bundestags-Drucksache BT 19/23329 steht unter dem Punkt „Erleichterungen für den ungeförderten Ausbau erneuerbarer Energien“: „Die gesetzlich festgelegte Netzanschlussgarantie und der prinzipielle Einspeisevorrang bestehen auch für Anlagen, die keine Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Anspruch nehmen. … Die Bundesregierung begrüßt es ausdrücklich, dass sich außerhalb der EEG-Förderung am Markt PPA etablieren … Diese Marktentwicklungen sind zu beobachten.“ Verschiedene damalige Veröffentlichungen in den Medien zu den Entwürfen des EEG gingen ebenfalls auf den PPA-Vertrag als Anschlussfinanzierung für die Ü20-Solaranlagen ein. Die standen vor dem Auslaufen der staatlichen Förderung. PPA zog in die Versorgungstechnik ein. Das verabschiedete EE-Gesetz verlängerte dann jedoch die Laufzeit der staatlichen Zahlungen.

Grüner Strom direkt vom Erzeuger – Herkunftsnachweis eingeschlossen

Trotzdem werden die „Agreements“ mehr und mehr zum Thema. Zwar bewerte das Kabinett die Finanzierung von Erneuerbare-Energien-Projekten mit Hilfe von PPAs in Deutschland derzeit als Nische, doch deute für die nächsten Jahre einiges darauf hin, dass zunehmend langfristige bilaterale Stromlieferverträge mit Windenergieanlagen nach Ablauf der 20-jährigen EEG-Förderung sowie für Photovoltaik-Neuanlagen abgeschlossen werden. „Der marktgetriebene Ausbau von erneuerbaren Energien, also derjenige Ausbau, der sich vollständig aus Markterlösen ohne zusätzliche Förderung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz refinanziert, trägt zum Teil bereits heute und künftig zur Erreichung der Erneuerbare-Energie-Ziele bei“, heißt es aus Altmaiers Ministerium.

Das PPA-Modell – ein direkter Kauf/Verkauf-Vertrag für grünen elektrischen Strom (mit Herkunftsnachweis) zwischen einem Erzeuger und einem Nutzer, also in der reinen Form ohne Zwischenhändler – nimmt wegen auslaufender Förderung, fallender Gestehungskosten für erneuerbare Energien, steigender Strompreise und der CO2-Bepreisung moderat Fahrt auf. Fahrt deshalb, weil laut Marktmonitor 2030 der Deutschen Energieagentur „das Interesse der Abnehmer an einem direkten Dialog mit Energieerzeugern und Stadtwerken überdurchschnittlich hoch ausfällt.“ Moderat statt rasch deshalb: geringe Erfahrung in Deutschland, Komplexität des Vertragswerkes, Ungewissheit über die zukünftige staatliche Regulierung – der private Lieferant wird zum Energieerzeuger –, Belieferungs- beziehungsweise Abnahmerisiken in Abhängigkeit von der Länge der Vertragslaufzeit, Preisgestaltung.

In ihrem Marktmonitor 2030 hat die Dena Deutsche Energieagentur nachgefragt: Für welche Anlagen technologiebezogen werden PPAs aus Ihrer Sicht besonders interessant?

Foto: Dena-Marktmonitor 2030

Im PPA werden alle Konditionen geregelt: Laufzeit, der Umfang der zu liefernden Strommenge, die ausgehandelten Preise, die bilanzielle Abwicklung und die Pönale bei Nichteinhaltung des Vertrags. Da es sich um einen bilateralen Vertrag handelt, kann ein PPA viele Formen annehmen und auf die Vertragspartner abgestimmt werden. Stromlieferungen können physisch oder nach einem synthetischen Modell erfolgen.

Beides möglich: Physische PPAs und synthetische PPAs

Physisch heißt, ein Kunde verpflichtet sich zur langjährigen Abnahme einer definierten Strommenge von der Solaranlage auf dem Flachdach einer Halle seines Vertragspartners. Die Lieferung selbst kann nach drei Modellen erfolgen:

  • On-site PPA: Bei einem On-site Power Purchase Agreement findet eine direkte Stromlieferung über ein eigenes Netz statt. Nachteil: Eine räumliche Nähe muss notwendigerweise vorhanden sein. Bei einem On-site PPA entfallen Abgaben wie zum Beispiel Netzentgelte, da die Lieferung eben über eine direkte Stromleitung und nicht über das öffentliche Netz an den Abnehmer fließt.
  • Off-site PPA: Off-site PPAs basieren auf keiner unmittelbaren physischen Stromlieferung von den PV-Zellen zum nahegelegenen Verbraucher, sondern auf der Vereinbarung über die bilanzielle Abnahme einer im PPA definierten physischen Strommenge. Der Strom fließt durch das öffentliche Stromnetz. Daher ist eine zusätzliche Abwicklung über die Bilanzkreise der stromerzeugenden Anlage und des abnehmenden Verbrauchers nötig. Vorteil: Die Erzeugungsanlage muss nicht in räumlicher Nähe zum Stromabnehmer errichtet sein. Das erhöht die Chance, einen Käufer zu finden.
  • Sleeved PPA – ein Dienstleistungsvertrag als Variante des Off-site PPA. Ein Energiedienstleister wickelt verschiedene Prozesse für Erzeuger und Verbraucher ab. Er übernimmt zum Beispiel die Bilanzkreisführung, schließt verschiedene Stromproduzenten zu einem Anlagenportfolio zusammen, sorgt für die Lieferung von Reststrommengen oder dem Verkauf von Überschussmengen und anderes mehr.

Im Vergleich zu physischen PPAs entkoppeln synthetische PPAs die physischen Stromflüsse von den finanziellen Stromflüssen und erlauben somit noch flexiblere Vertragsausgestaltungen. Bei synthetischen Power Purchase Agreements (auch SPPA) einigen sich wie bei physischen PPAs Erzeuger und Abnehmer auf einen Preis pro Kilowattstunde Strom. Allerdings wird der Strom nicht direkt von der energieerzeugenden Anlage an den Verbraucher geliefert. Stattdessen nimmt der Energiedienstleister des Erzeugers (etwa ein Stromhändler) den produzierten grünen Strom in seinen Bilanzkreis und handelt ihn weiter. Der Energielieferant des Verbrauchers (etwa ein Stadtwerk) beschafft für den PPA-Partner auf Verbraucherseite exakt das Einspeiseprofil, das der Erzeuger an seinen Energiedienstleister geliefert hat. Im Contract for Difference verpflichten sich die PPA-Vertragspartner, zusätzliche finanzielle Ausgleichszahlungen zu leisten und zwar in dem Maße, in dem der Spot-Preis von ihrem bilateral ausgehandelten Preis abweicht. Somit hat jeder PPA-Vertragspartner zwei Zahlungsströme: einmal mit dem jeweiligen Energiedienstleister und einmal mit dem PPA-Vertragspartner.

Vorteile und Nachteile von PPAs

Die Vorteile eines PPA: langfristige Preissicherheit, Möglichkeiten zur Finanzierung von Investitionen in neue Stromerzeugungskapazitäten oder Reduzierung von Risiken bei Stromverkauf und -einkauf. Außerdem kann eine spezifische physische Lieferung von Strom mit bestimmten regionalen Eigenschaften und Herkunftsnachweisen erfolgen. Dadurch ergeben sich für Abnehmer Möglichkeiten ihre Marke nachhaltiger und grüner zu gestalten. PPAs sind allerdings komplexe Verträge mit Laufzeiten zwischen fünf und 25 Jahren. Dies kann zu Nachteilen führen, wenn sich die Preise für eine der beiden Parteien negativ entwickeln. Ebenfalls ist die Stromproduktion insbesondere von Wind und Photovoltaik fluktuierend. Sollten eventuell nicht die lange im Voraus abgesprochenen Strommengen zum Lieferzeitpunkt zur Verfügung stehen, muss der Anlagenbetreiber dies finanziell oder physisch ausgleichen können oder an eine dritte Partei, etwa einen Stromhändler, auslagern.

 

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Von Dipl.-Ing. Bernd Genath, freier Fachjournalist aus Düsseldorf

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