Schulzentrum als Nullenergiegebäude 11.11.2021, 15:54 Uhr

Nordbayerns größtes kommunales Bauvorhaben setzt auf Klimaneutralität

In Nürnberg wird derzeit das größte kommunale Bauvorhaben in Nordbayern realisiert: Das Thema Nachhaltigkeit spielt dabei eine besondere Rolle, denn das Schulzentrum für 2.500 Schulkinder wurde als Nullenergiegebäude konzipiert.

Bis Ende 2028 entsteht in Nürnbergs Südwesten ein neuer Schulcampus mit Vorbildcharakter. Grafik: Staab Architekten GmbH

Bis Ende 2028 entsteht in Nürnbergs Südwesten ein neuer Schulcampus mit Vorbildcharakter. Grafik: Staab Architekten GmbH

Rund 190 Millionen Euro investiert die Stadt Nürnberg in den Neubau von zwei Schulen, dem Sigmund-Schuckert-Gymnasium und der Peter-Henlein-Realschule. Neben einer modernen Lernumgebung entstehen an der Pommernstraße im Südwesten der Frankenmetropole in den kommenden sieben Jahren großzügige Sportanlagen sowie eine Schul- und Stadtteilbibliothek. Damit der Schulbetrieb bis zum Umzug in die neuen Räume möglichst ungehindert weiterlaufen kann, ist das Neubauprojekt in drei Abschnitte unterteilt. „So vermeiden wir, dass die Schülerinnen und Schüler in einen Ersatzstandort umziehen müssen“, erläutert Christian Matschke, Projektleiter bei Drees & Sommer. Das auf Bau- und Immobilienvorhaben spezialisierte Stuttgarter Beratungsunternehmen unterstützt die Stadt Nürnberg seit dem Vorentwurf. In den vergangenen Wochen wurde das Baufeld für den ersten Bauabschnitt vorbereitet. Ende August begannen die eigentlichen Arbeiten: Bis Mitte 2023 errichtet das Bauteam eine erste Sporthalle, einen ersten Teil der Außensportflächen sowie PKW- und Fahrrad-Abstellplätze. Im zweiten Bauabschnitt bis Mitte 2026 sollen ein Großteil der Schul- und Pausenhoffläche, weitere Außensportflächen und ein Spielhof folgen. Zudem wird in dieser Projektphase das Hauptgebäude mit dem Sigmund-Schuckert-Gymnasium, der Peter-Henlein-Realschule, einer Schulmensa, Flächen für Ganztagsbetreuung sowie die Schul- und Stadtteilbibliothek entstehen. In das neue Gebäude wird auch das Büro des Ministerialbeauftragten der Realschulen in Mittelfranken einziehen. Zum Schluss ist dann bis Ende 2028 unter anderem die Errichtung einer zweiten Sporthalle, eines weiteren Spielhofs und der Großteil der Außensportflächen geplant.

Planung: Langfristige Vorbereitung erforderlich

Die Arbeitsschritte wurden seit 2018 intensiv geplant – auch in Zusammenarbeit mit den künftigen Nutzern des Schulzentrums Südwest. Die Arbeit sei logistisch anspruchsvoll, berichtet Projektleiter Matschke. Denn auch Prüfungszeiten und der Lärmschutz für die Anwohnenden im unmittelbar angrenzenden Wohngebiet seien zu beachten. „Damit alles funktioniert, arbeiten wir als Projektsteuerer zusammen mit der Projektleitung der Stadt Nürnberg an einer Vielzahl wichtiger Aufgaben für das Bauprojekt“, so Matschke. Dazu gehöre auch, den gesamten Planungs- und Bauprozess vorzubereiten und in der Umsetzung auf Kurs zu halten, damit vor allem Kosten- und Terminpläne eingehalten werden können.

Photovoltaik und Fernwärme sichern klimaneutralen Betrieb

Anspruchsvoll ist auch das angestrebte Ziel einer klimaneutralen Schule als Nullenergiegebäude. Geplant ist, dass das neue Schulzentrum durch regenerative Stromerzeugung mehr C02-Emissionen einsparen wird, als im jährlichen Betrieb entstehen. Gewonnen wird die Energie aus der erneuerbaren Quelle einer Photovoltaikanlage. Der Neubau kompensiert damit dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen in Kombination mit nachhaltiger Energieerzeugung auch unter Verwendung von Fernwärme. Damit habe der Schulcampus Vorbildcharakter für klimafreundliches Bauen, wie Matschke erklärt: „Gebäude verbrauchen rund 40 % der Energie in Deutschland. Wenn wir das Ziel der zukünftigen Klimaneutralität halten wollen, führt kein Weg an einer groß angelegten Sanierungswelle vorbei.“ Denn: An vielen deutschen Schulen herrsche ein massiver Sanierungsrückstand. Bei den Kommunen habe sich ein Investitionsbedarf von mehr als 40 Milliarden Euro aufgestaut. Viele Schulen mit Modernisierungsbedarf stammen aus den 1970er Jahren, wie auch das Bestandsgebäude in Nürnberg. Diese Gebäude sind von ihrem Aufbau stärker auf Frontalunterricht ausgelegt und weniger auf die heute übliche Methodenvielfalt im Unterricht. Auch hier besteht also reichlich Nachholbedarf.

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