Nettostromerzeugung 20.07.2020, 11:30 Uhr

Der Anteil erneuerbarer Energien war noch nie so hoch

Rekordmeldung aus Freiburg: Die Forscher des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme haben die Nettostromerzeugung für das erste Halbjahr 2020 analysiert: Ihr Ergebnis: Noch nie war der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix so hoch wie in den vergangenen Monaten.

Glühbirne in der Windräder und Bäume sind

Der Anteil erneuerbarer Energien an der Nettostromerzeugung hat im ersten Halbjahr 2020 nochmals deutlich zugenommen.

Foto: panthermedia.net/violetkaipa

Erneuerbare Energien hatten im Zeitraum Januar bis Juni 2020 einen Anteil von 55,8 % an der „Nettostromerzeugung zur öffentlichen Stromerzeugung“. Mit diesem Terminus bezeichnen Experten den Strom, der tatsächlich aus der Steckdose kommt, sprich dem Verbraucher real zur Verfügung steht. Windkraft- und Solaranlagen speisten zusammen 102,9 Terawattstunden in das öffentliche Netz ein, rund zehn Terawattstunden mehr als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Während der Anteil erneuerbarer Energie weiter steigt, sinkt der Anteil fossiler Energieträger: Der Anteil der Braunkohle reduzierte sich auf 13,7 %, 6 % sind es bei der Steinkohle.

Windenergie stärkste Energiequelle

Zwischen Januar und Juni betrug der Anteil der Windenergie an der deutschen Nettostromerzeugung nach den Zahlen des Fraunhofer ISE rund 30,6 %. Damit war die Windkraft mit 75 Terawattstunden Strom die stärkste Energiequelle (plus 11,7 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Begünstigt durch einige Winterstürme schoss ihr Anteil an der Nettostromerzeugung im Februar kurzfristig sogar auf unglaubliche 45 % hoch. Platz 2 unter den erneuerbaren Energiequellen geht mit rund 27,9 Terawattstunden (plus 11,2 % gegenüber 2019) an die Sonnenenergie. Günstige Wetterverhältnisse ermöglichten zwischen April und Juni eine Stromproduktion von mehr als sechs Terawattstunden pro Monat durch Photovoltaikanlagen. Auf Rang 3 der Analyse folgt die Stromerzeugung aus Biomasse (rund 23,7 Terawattstunden) gefolgt von der Wasserkraft, die als einzige erneuerbare Energiequelle ein Minus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnet (9,5 Terawattstunden, minus 9%). Unter dem Strich produzierten die erneuerbaren Energiequellen im ersten Halbjahr 2020 damit in Summe rund 136,1 Terawattstunden Strom. 2019 waren es im gleichen Zeitraum 125,6.

Übersicht zeigt die Nettostromerzeugung aus Kraftwerken zur öffentlichen Stromversorgung im ersten Halbjahr 2020. Die Windkraft ist stärkste Energiequelle. Grafik: Fraunhofer isE; B. Burger,

Foto: https://www.energy-charts.de

Anteil von Kohlestrom nimmt weiter ab

Mit einem Anteil von lediglich 6 % sinkt die Bedeutung der Stromerzeugung aus Steinkohle weiter ab. Im betrachteten Zeitraum belief sich der in Steinkohlekraftwerken erzeugte Anteil an der Nettostromerzeugung auf lediglich 14,4 Terawattstunden, ein Minus von 46 %. Die Braunkohle hatte einen Anteil von 13,7 % (33,6 Terawattstunden, minus 36,3 %), in Kernkraftwerken wurden 12,3 % des deutschen Nettostroms erzeugt (30,1 Terawattstunden, minus 12,9 %). Maßgeblich für den deutlichen Rückgang am Kohlestrom sind nach Meinung der Analysten des Fraunhofer ISE die gestiegenen Kosten für CO2-Zertifikate. Ihr Durchschnittspreis lag bei 21,91 Euro pro Tonne CO2. Hinzu komme der stark gesunkene Börsenstrompreis von durchschnittlich nur noch 22,94 Euro pro Megawattstunde. 2019 waren es noch 36,83 Euro pro Megawattstunde.

Profiteure dieser Entwicklung sind die Gaskraftwerke. Der Preis für Erdgas sank um 50 % von 16,38 Euro in 2019 auf 8,03 Euro in 2020. Begünstigend hinzu kommen außerdem die deutlich niedrigeren CO2-Zertifikatskosten für Gaskraftwerke. Dadurch konnten die Gaskraftwerke ihre Produktion um 13,9 % auf 28 Terawattstunden steigern.

Geringere Stromnachfrage durch Corona

Bei ihren Analysen haben die Freiburger Experten ein weiteres Phänomen ausgemacht: Da viele Industriebetriebe ihre Produktion im zweiten Quartal 2020 aufgrund von Kurzarbeit und Betriebsschließungen deutlich zurückfahren mussten, sank die Stromnachfrage deutlich. Die Stromlast lag im Juni 2020 bei 35,3 Terawattstunden im Vergleich zum Vorjahr, wo es 37,6 Terawattstunden waren. Die Stromproduktion ging von 47,9 Terawattstunden im Januar bis Juni auf 36 Terawattstunden zurück. Insgesamt wurden von Januar bis Juni 243,8 Terawattstunden Strom produziert – das sind 21,7 Terawattstunden weniger als im Vergleichszeitraum 2019.

Von Marc Daniel Schmelzer

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