Einsparpotenziale 17.06.2022, 08:00 Uhr

Wie Plattformlösungen das Forderungsmanagement in der Energiewirtschaft optimieren

Ein effizientes Forderungsmanagement gewinnt angesichts steigender Energiepreise und der Energiewende zunehmend an Bedeutung. Zum Glück bieten alltägliche Regelprozesse noch einiges an Optimierungspotenzial.

Foto: PantherMedia/nopparatz

Foto: PantherMedia/nopparatz

Knapp ein Fünftel des deutschen Endenergieverbrauchs stammte im Jahr 2021 laut Umweltbundesamt (UBA) aus erneuerbaren Energien. „Um allerdings die zukünftigen ambitionierteren EU-Klimaziele zu erreichen, wird zukünftig ein schnelleres Wachstum notwendig sein“, heißt es in dem Beitrag [1]. Und auch in einer gemeinsamen Pressemitteilung [2] mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat das UBA wenig Erfreuliches zu melden: Demzufolge stiegen die Treibhausgas (THG)-Emissionen nach einem deutlichen Rückgang im Vorjahr im Jahr 2021 wieder um 4,5 % an. Der Anstieg gehe insbesondere auf den Energiesektor zurück, der ein Plus von 27 Mio. t CO2-Äquivalenten verzeichne. Der Grund: Für die Stromerzeugung sei im vergangenen Jahr verstärkt Kohle zum Einsatz gekommen, um die gestiegene Nachfrage nach Strom, eine geringere Erzeugung aus Erneuerbaren und den gestiegenen Gaspreis auszugleichen.

Kein Platz für prozessuale Ineffizienzen

Der durch die Klimataxonomie und die angestrebte Energiewende bedingte Druck auf die Energiewirtschaft ist enorm. Mit dem Krieg in der Ukraine und den Bestrebungen, Deutschland unabhängiger von russischen Gas- und anderen Energielieferungen zu machen, verschärft sich die Situation zusätzlich. Fest steht deshalb: Sämtliche verfügbaren Ressourcen und Kapazitäten von Energieunternehmen werden in den kommenden Jahren weiter in Maßnahmen fließen müssen, die den Umstieg auf erneuerbare Energien forcieren und den Ausstoß von Treibhausgasen senken. Prozessuale Ineffizienzen im Alltagsgeschäft haben in solch einer angespannten Gemengelage schlicht keinen Platz.

Viele Mahnfälle, wenig Automatisierung

Die gute Nachricht: Noch schlummert großes Optimierungspotenzial schon in vermeintlich kleinen Abläufen. Dringenden Handlungsbedarf etwa gibt es in einem der energiewirtschaftlichen Kernprozesse: dem Forderungsmanagement.

Drei Problemfelder im energiewirtschaftlichen Forderungsmanagement

1. Keine ausreichende Automatisierung:

Schon im Jahr 2015 zeigte eine Studie [3] zur Höhe der Kosten im Forderungsmanagement von Grundversorgern, dass für nicht maschinell zu verarbeitende Zahlungseingänge ein Mehraufwand von rund 3,3 % anfällt, verglichen mit den Gesamtaufwendungen im Forderungsmanagement. Unregelmäßige oder unvollständige Zahlungen sorgten demnach für Mehraufwände von 3 % im Vergleich zu den Gesamtaufwendungen. Insgesamt kumulieren sich die Mehraufwände also auf etwa 6,3 %.

Für ein Modellstadtwerk mit 100 000 privaten Stromkunden machen die Autoren der Studie folgende Beispielrechnung auf: Bei durchschnittlichen Kosten von 4,74 € im Forderungsmanagement pro Privatkunde oder -kundin wären für das Modellstadtwerk 474 000 € an Kosten anzusetzen. Die manuellen Aufwände würden in diesem Fall mit rund 30 000 € zu Buche schlagen. Regelprozesse binden also unnötig viele personelle Ressourcen. Letztere werden an anderer Stelle dringend gebraucht.

2. Die hohe Anzahl an Mahnfällen:

Die oben bereits zitierte Studie zeigt, dass Grundversorger in gut 13,5 % aller Fälle eine erste Mahnung versenden müssen, basierend auf Werten aus den Jahren 2012/2013 – eine Größenordnung, die nach Einschätzung und Erfahrung der Aareal Bank Gruppe auch heute weiterhin dem Alltag bei vielen Energieunternehmen entspricht. Aktuelle Preisentwicklungen auf dem Energiemarkt können diesen Trend sogar noch verstärken. Doch je mehr Mahnungen ein Energieunternehmen aussprechen muss, desto mehr interne Aufwände fallen für die Bearbeitung an. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ein wachsendes Problem.

3. Eine zu geringe Auswahl an Zahlungswegen:

In der Regel bieten Energieversorger nur Lastschrift, Überweisung und notgedrungen Barzahlungen vor Ort oder per Kassenautomat als Zahlungsoptionen an. Dagegen mangelt es an digitalen Zahlmöglichkeiten: Letztere gehören für Kundinnen und Kunden in anderen Bereichen ihres Alltags aber selbstverständlich dazu – die Nachfrage nach komfortablen Bezahl-Alternativen steigt.

Plattformlösungen: Mehr Zahlungswege anbieten und automatisiert bearbeiten

Für mehr Effizienz im energiewirtschaftlichen Forderungsmanagement können innovative Plattformlösungen sorgen, so zum Beispiel die von der Aareal Bank Gruppe entwickelte Lösung „Aareal Exchange & Payment Platform“ (AEPP) 1). Die AEPP unterstützt Energieunternehmen bei der Bearbeitung aller Zahlungen, die vom Regelfall – meist Lastschrift oder Überweisung – abweichen.

Anwendungsfälle der „Aareal Exchange & Payment Platform“ (AEPP). Grafik: Aareal Bank

Von der Barzahlung über die Kreditkarte bis hin zum Online-Payment ermöglicht es die Plattformlösung Energieunternehmen, ihr Angebot an Zahlungswegen deutlich zu erweitern. Ihr Forderungsmanagement können Energieunternehmen mit der AEPP und passenden Kooperationspartnern von der Zahlungsaufforderung über Mahnungen und Zahlungserinnerungen bis hin zur Sperrankündigung ressourcenschonend und mit hohem Automatisierungsgrad realisieren, da die Prozesse ins „Enterprise Resource Planning“ (ERP)-System integriert werden. Darüber hinaus können durch Solution-Provider wie „collectAI“ diese Prozesse in Richtung eines Künstliche Intelligenz (KI)-gestützten Rechnungs- und Mahnwesens ausgebaut werden.

Mehr Komfort für Kundinnen und Kunden, mehr Entlastung für Mitarbeitende

Anbieter von ERP-integrierten Lösungen sowie spezialisierte Solution-Provider steigern also den Zahlungskomfort für die Kundinnen und Kunden, indem sie ihnen verschiedene Zahlungsvarianten über unterschiedliche Kommunikationswege zur Auswahl stellen und den Prozess des Forderungsmanagements end-to-end optimieren. Die Zahlung der Energiekosten wird für die Kundschaft auf diese Weise komfortabler und niedrigschwelliger, die Zahl der Mahnfälle lässt sich dadurch potenziell senken. Das wirkt sich wiederum positiv auf die Ressourcenauslastung der Mitarbeitenden aus.

Diesem Zweck dient auch der hohe Automatisierungsgrad sämtlicher Prozesse des Forderungsmanagements, den solche Lösungen Energieunternehmen ermöglichen: Dadurch lassen sich manuelle Aufwände einsparen. So können Energieunternehmen wertvolle Mitarbeitendenkapazitäten freimachen – und sie dort einsetzen, wo sie in der Energiewende am dringendsten gebraucht werden.

E-world: Halle 3, Stand 137

www.aareal-bank.com

1) Aareal Exchange & Payment Platform (AEPP) ist ein Produkt der Aareal First Financial AG

Literatur

  1. Umweltbundesamt (UBA): Erneuerbare Energien in Zahlen. Meldung vom 19.3.2022, https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/erneuerbare-energien-in-zahlen#uberblick, zuletzt abgerufen am 19.5.2022.
  2. Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und UBA: Treibhausgasemissionen stiegen 2021 um 4,5 Prozent. Pressemitteilung vom 15.3.2022, https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2022/03/20220315-treibhausgasemissionen-stiegen-2021-um-45-prozent.html, zuletzt abgerufen am 19.5.2022.
  3. Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM), Becker Büttner Held Consulting AG (BBHC): Studie zur Höhe der Kosten im Forderungsmanagement von Grundversorgern im Zusammenhang mit drohenden Energiesperren. Studie im Auftrag des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, 2015. https://www.ikem.de/wp-content/uploads/2017/03/Fakhani_Krüger_Jankiewicz_Hartwig_Schäfer-Stradowsky_Doderer_Calocero_Ladenburger_studie_im_fm_drohende_energiesperren.pdf, zulatzt abgerufen am 19.5.2022.

Kai Wirthwein, Mitarbeiter des Bereichs Business & Solution Development bei der Aareal Bank AG

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