Aktuelle Herausforderungen der Energiewirtschaft 20.09.2021, 08:00 Uhr

Die Energiewende aus Sicht eines jungen Unternehmens

Klimakrise, Digitalisierung, neue Geschäftsmodelle – Herausforderungen gibt es für Unternehmen in der Energiewirtschaft mehr als genug. Gehen große, etablierte Unternehmen und Start-ups diese unterschiedlich an? Oder können sie vielleicht sogar voneinander profitieren? Eine Bestandsaufnahme.

Das Handelsteam von ane.energy rund um den Leiter IT Michael Frech (links außen) und den Leiter Handel Kristian Reincke (rechts außen) mit den Stromhändlern Thomas Breitenstein, Mirco Hansen, Sören Jensen und Melf Jensen (v.l.n.r.). Foto: Verena Reinke

Das Handelsteam von ane.energy rund um den Leiter IT Michael Frech (links außen) und den Leiter Handel Kristian Reincke (rechts außen) mit den Stromhändlern Thomas Breitenstein, Mirco Hansen, Sören Jensen und Melf Jensen (v.l.n.r.).

Foto: Verena Reinke

Das übergeordnete Ziel unserer Generation ist zweifelsohne, den Klimawandel aufzuhalten. Zwar muss die Dekarbonisierung in allen Sektoren erfolgen, doch spielen Energieunternehmen eine ganz besondere Rolle, denn sie stehen im Zentrum der Sektorenkopplung rund um die Themen Erzeugung, Transport, Verbrauch, Speicherung und Verkehr. Während die erste Phase der Energiewende abgeschlossen scheint, in der es hauptsächlich darum ging, Grundlagen zu schaffen und Basistechnologien zu entwickeln, muss es in der zweiten Phase gelingen, die Erneuerbaren ins Stromsystem zu integrieren und die Energiewende ökologisch und ökonomisch zu gestalten. In diesem Prozess spielen Dinge wie die Flexibilisierung von Erzeugung und Verbrauch, die Entwicklung von Speichertechnologien und die Systemintegration verschiedener Assets mittels Digitalisierung die größte Rolle.

Aus Sicht der großen und etablierten Player im Markt bedeutet die seit etwa 20 Jahren erfolgende Ausrichtung auf die dezentrale und erneuerbare Erzeugung eine stark disruptive Veränderung. Zwar hat sie die Energieerzeugung technologisch zunächst vereinfacht, doch sie wurde vielfach als risikoreich erachtet, da die Versorgungssicherheit durch die fluktuierende Erzeugung gefährdet erschien und gleichzeitig bestehende Geschäftsmodelle mit konventioneller Erzeugung angriff. Das Kapital war und ist in großen Assets über Jahrzehnte gebunden – in der Folge fiel es einigen Konzernen schwer, schnell in den Markt der Erneuerbaren einzusteigen.

Geschäftsmodelle nicht 1 : 1 übertragbar

Doch wie sieht das für kleinere, neuere und personell oftmals auch jüngere Unternehmen aus? Die Chancen-Risiken-Matrix ist im sich stark wandelnden Energiemarkt für große und für kleine Unternehmen unterschiedlich und Geschäftsmodelle sind nicht 1 : 1 übertragbar. Während die strategischen Betrachtungshorizonte und der Kapitaleinsatz bei Großunternehmen üblicherweise über die Dekade hinausgehen, schauen kleinere Unternehmen eher auf Zeiträume zwischen zwei und fünf Jahren. Oft liegt der Fokus sogar auf dem Folgejahr. Dafür zeichnen sich Start-ups durch viel Flexibilität und hohe Innovationskraft aufgrund schlankerer Organisationsformen und jüngeren Personals aus. Finanziell hingegen sind sie meist stark limitiert.

Welches sind also die Herausforderungen aus der Sicht eines kleinen, mittelständischen Unternehmens? Welche Chance ergeben sich daraus? Diese Fragen werden anhand der Themen Digitalisierung, neue Geschäftsmodelle, Kundenorientierung und Personal analysiert.

1. Herausforderung: Digitalisierung

Die zweite Phase der Energiewende ist ohne eine durchgängige Digitalisierung nicht machbar. Die Herausforderungen in dieser zentralen Aufgabe sind von kleinen Unternehmen oft sogar besser zu bewältigen. Hier zählen vor allem digitales Know-how, Innovationskraft, Umsetzungsgeschwindigkeit und die Fähigkeit, in Partnerschaften ans Ziel zu kommen. Es braucht innovative Lösungen, die kostengünstig, modern, flexibel, skalierbar und selbst nachhaltig sind. Für die neuen Player im Energiemarkt ist der digitale Wandel keine Bedrohung, sondern eine Chance für den Aufbau neuer Geschäftsfelder. Bei vielen Start-ups ist die digitale Arbeitsweise bereits Teil ihrer DNA.

Bei ane.energy wird beispielsweise ein eigenes virtuelles Kraftwerk eingesetzt, das gemeinsam mit einem Fraunhofer-Institut entwickelt wurde. Die dezentralen erneuerbaren Erzeuger, Speicher und Verbraucher werden effektiv gesteuert, wodurch Verbrauch und Erzeugung in Echtzeit synchronisiert werden.

Dennoch ist gerade die Digitalisierung auch eine Herausforderung für junge Unternehmen. Neben den Kosten für Rechenzentren und Software müssen Betreiber von kritischen Infrastrukturen viel in die IT-Sicherheit investieren. Auch die Anforderungen an den Datenschutz steigen jährlich. Die Regulierung stellt an alle Unternehmen ähnlich hohe Anforderungen – doch für die kleineren Player sind die Hürden subjektiv immer etwas höher. Darunter leidet die Umsetzungsgeschwindigkeit, ein Kernwert von Start-ups.

2. Herausforderung: neue, grüne Geschäftsmodelle

Power Purchase Agreements (PPAs) gelten als ein zukunftsträchtiges grünes Geschäftsmodell, doch auch als wenig standardisiert. Der Markt ist noch nicht geregelt und individuelle Kundenlösungen werden verstärkt nachgefragt. Daher sind sie ein interessantes Feld mit guten Chancen für innovationsstarke Wachstumsunternehmen. Doch auch die Herausforderungen sind hoch: So ist das extrem hohe Datenaufkommen ohne Digitalisierung nicht zu bändigen. Zusätzlich ist der Handel an der Strombörse komplex und bringt hohe Implementierungskosten mit sich.

Bei ane.energy werden PPA-Stromlieferverträge auf Basis erneuerbarer Energien mittels virtuellem Kraftwerk abgewickelt.

Foto: Verena Reinke

Bei ane.energy werden PPA-Stromlieferverträge auf Basis erneuerbarer Energien mittels virtuellem Kraftwerk abgewickelt und der Stromhandel läuft rund um die Uhr und sehr effizient mithilfe moderner und flexibler Algorithmen. Das trägt dazu bei, dass die geringeren Costs-to-serve gegenüber der Konkurrenz mittelfristig Vorteile versprechen. Darüber hinaus hat ane.energy mit der Handelsabteilung des französischen Energiekonzerns Électricité de France (EDF) ein finanzielles Hedgingprodukt entwickelt, um Strompreisrisiken für PPAs zu minimieren.

Auch im zukunftsträchtigen Wasserstoffmarkt können kleine, aber innovative Marktteilnehmende an der benötigten Konvergenz der verschiedenen Technologien aktiv und sogar führend mitgestalten. Zwar lässt sich das benötigte Investitionsvolumen, vor allem im Bereich Upstream, für kleinere Unternehmen meist nicht stemmen. Doch gibt es Chancen, die zum Beispiel in der innovativen Optimierung, der Analyse und im Bereich der Software und Digitalisierung liegen. Hier kommt es oft zu Kooperationen zwischen Beteiligten verschiedener Größe.

3. Herausforderung: Kundschaft

Die Kundenorientierung wird im Wandel infolge der Energiewende und der Digitalisierung zunehmend wichtig – zumal Digitalisierung und Kundenorientierung sich nicht widersprechen, ganz im Gegenteil: Auch künftige Kundinnen und Kunden wünschen sich effektive und intuitive Kontakte mit ihrem Dienstleister oder Versorger. Verlässlichkeit und Vertrauen bleiben dabei Pfeiler der Kundenbeziehung. Doch auch das funktioniert digital – und falls es viele Daten zu verarbeiten gilt, funktioniert es sogar ausschließlich mit intelligenten, digitalen Lösungen. Daher entwickelt ane.energy derzeit ein Kundenportal mittels Künstlicher Intelligenz. Die Datenströme können so durch ein Monitoring plausibilisiert und ausgewertet werden.

4. Herausforderung: Personal

Keine Frage: Unternehmen, die sich am Markt durchsetzen wollen, benötigen gute Mitarbeitende. Dabei verschärft sich der Konkurrenzkampf um talentierte Fachkräfte durch den demografischen Wandel und die Internationalisierung zunehmend. Besonders in der Startphase eines Unternehmens sind die Mitarbeitenden der wichtigste Erfolgsfaktor. Wer nur 20 Mitarbeitende hat, der braucht 20 Top-Leute. Diese Talente zu finden ist schon nicht leicht, sie zu halten ist mindestens ebenso fordernd.

Oft sind auch im Personalbereich – wie auch in vielen anderen Bereichen – die finanziellen Möglichkeiten nicht so groß wie bei Konzernen. Aber bei ane.energy nutzen wir viele Chancen, den Größennachteil gegenüber Konzernen auszugleichen. Neben flachen Hierarchien punkten kleinere Unternehmen wie wir mit Freiräumen, agilen Arbeitsmethoden, modernen Home-Office-Regelungen und einer offenen Fehlerkultur. Um die Motivation zu erhöhen, gilt das Motto „Vertrauen statt Kontrolle“. Und nicht zuletzt entwickeln Führungskräfte und Mitarbeitende gemeinsam die Kultur und die Identität des Unternehmens. All das stärkt die Bindung ans Unternehmen und schützt vor Abwanderung. Da der Haupt-Firmensitz außerhalb der Metropolen liegt, gibt es bezahlbaren Wohnraum. Nebenbei steht das Kitesurfen rund um das Weltnaturerbe Wattenmeer hoch im Kurs, denn gerade Lebensqualität ist ein Faktor für die nächste Generation.

Fazit

Die Herausforderungen von Energiewende, Klimakrise und Digitalisierung betreffen alle Marktteilnehmer, große und kleine, etablierte und neue. Alle stellen sich dem Wandel und haben Ideen – doch die Umsetzbarkeit trifft bei kleineren Unternehmen auf diametral unterschiedliche Voraussetzungen im Vergleich zu großen Unternehmen. Neben den entscheidenden politischen Rahmenbedingungen spielen dabei vor allem Aspekte wie Kapitaleinsatz, Innovation, Umsetzungsgeschwindigkeit, Personal, Wettbewerb und Partnerschaften eine Rolle.

Nach den Erfahrungen bei ane.energy sind es vor allem die Partnerschaften – auch mit den ganz Großen der Branche – die erfolgversprechend sind. Und das für beide Seiten. Oft ist das kleinere, jüngere Unternehmen das „Schmiermittel“ und der Beschleuniger für Projekte. Wenn jeder seine Stärken einbringt und die Aufgaben ohne Vorbehalte oder Besitzdenken geteilt werden, führt dies stets zu den besten Ergebnissen.

Ralf Höper, Geschäftsführer der ane.energy

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