09.04.2020, 00:00 Uhr

Die Windbranche in der Flaute

Im Februar erzeugten die Windenergieanlagen so viel Strom wie noch nie. Dennoch ist die Windbranche beunruhigt.

Die Zahlen für 2019 belegen es: Der Ausbau der Windenergie stockt.
Foto: panthermedia.net/portokalis

Die Zahlen für 2019 belegen es: Der Ausbau der Windenergie stockt.

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Die Stürme im Februar 2020 bescherten der Stromerzeugung aus Windenergie-Anlagen (WEA) in Deutschland einen neuen Rekord: Nach vorläufigen Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und des Zentrums für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) erzeugten die WEA im Februar 2020 insgesamt 20,9 Milliarden kWh Strom – 3,0 Milliarden kWh Offshore sowie 17,9 Milliarden kWh Onshore. Das sind 4,4 Milliarden kWh mehr als im März 2019, der bislang mit einer Stromproduktion von 16,5 Milliarden kWh Spitzenreiter war.

Flaute bei den Ausbauzahlen an Land

Die Rekordzahlen vom Februar sollten eigentlich positiv stimmen, doch in der Realität sieht es anders aus. Der Ausbau der Windkraft befindet sich im Abschwung. So berichtet die Deutsche WindGuard, die seit dem Jahr 2012 im Auftrag der Windbranche die Ausbauzahlen der Windenergie veröffentlicht, von stark abnehmenden Brutto-Zubauzahlen. Nach dem bislang zubaustärksten Jahr 2017 fiel die Zahl der neu errichteten Onshore-WEA um fast 82 % auf 325 Anlagen im Jahr 2019. Die Zahlen im Detail:

  • 2017: 1.792 WEA mit einer Leistung von 5.333 MW
  • 2018: 743 WEA mit einer Leistung von 2.402 MW
  • 2019: 325 WEA mit einer Leistung von 1.078 MW

Somit befinden sich in Deutschland im Jahr 2019 insgesamt 29.456 Onshore-WEA mit einer Gesamtleistung von 53.912 MW. Für das Jahr 2020 erwarten der Bundesverband WindEnergie (BWE) sowie VDMA Power Systems einen Zubau von 1.400 bis 1.800 MW.

„Die Auswirkungen der Zubauflaute auf Beschäftigung und Wertschöpfung in der Windindustrie müssen jetzt dringend überwunden werden, um die Substanz in Deutschland zu halten“, warnt Matthias Zelinger, Geschäftsführer der VDMA Power Systems.

Ohne Heimatmarkt könne Deutschland die Technologieführerschaft in der Windindustrie an Land nicht aufrechthalten.

Branche fordert Erhöhung des Offshore-Ausbauziels

Offshore sieht es anders aus. Hier konnte der Netzanschluss über Jahre hinweg nicht mit der Installation der Offshore-WEA Schritt halten. Inzwischen kam die Installation der Konverterstationen nach, sodass die Lücke zwischen installierter und eingespeister Leistung geschlossen werden konnte. Im Einzelnen:

  • 2017: 222 WEA mit Netzeinspeisung mit einer Leistung von 1.250 MW
  • 2018: 136 WEA mit Netzeinspeisung mit einer Leistung von 969 MW
  • 2019: 160 WEA mit Netzeinspeisung mit einer Leistung von 1.111 MW

Damit speisten im Jahr 2019 insgesamt 1.469 Offshore-WEA mit einer Gesamtleistung von 7.516 MW Strom ins Netz ein.

Die Vertreter der Offshore-Windbranche fordern von der Politik mehr Planungssicherheit. Denn um Engpässe und zeitliche Verwerfungen zu vermeiden, müsse schon jetzt der Ausbau der Offshore-Windparks bis zum Jahr 2035 beziehungsweise 2050 geplant werden. Angesichts steigender Strombedarfe müssten jedoch ebenfalls die Ausbaupfade für sämtliche Erneuerbare-Energien-Technologien überprüft und angepasst werden. So sei für 2035 eine Offshore-Wind-Kapazität von 30 bis 35 GW notwendig. Bis 2050 müsse diese sogar auf mehr als 50 GW angehoben werden, betonen die Branchenvertreter.

Die Politik muss handeln

Die Branche sieht allerdings das 65-Prozent-Ziel, das sich die Bundesregierung gesetzt hat – das heißt, 65 % der Stromerzeugung in Deutschland soll bis zum Jahr 2030 von erneuerbaren Energien gedeckt werden – in weite Ferne gerückt. Die Bundesregierung unternimmt zu wenig, um dieses Ziel auch zu erreichen. Konkrete Schritte blieben bislang aus, so Branchenvertreter. Es müsse dringend an den Genehmigungsprozessen und an der Problematik der Abstandsregelungen gearbeitet werden.

Weitere Informationen

Von Status des Windenergieausbaus in Deutschland. Peter von Hindte

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