Wind- und Solarenergie 23.09.2021, 11:18 Uhr

Nachbarn profitieren von deutschem Ökostrom

Preise sinken und die Ökobilanz verbessert sich. Nur deutsche Verbraucher müssen für ihren Strom mehr bezahlen, weil die finanzielle Förderung auf sie umgelegt wird.

Foto: PantherMedia/vencav

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Auch wenn der Wind im ersten Halbjahr eher mau wehte, was die Kohleverstromung anheizte: Mittel- und Langfristig sorgen die erneuerbaren Energien für sinkende Kohlenstoffdioxid-Emissionen und lassen die Großhandelspreise für Strom sinken. Das ist das Ergebnis einer Studie vom ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim und dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) auf der Grundlage von Erzeugungs- und Großhandelsmarktpreisdaten für zehn mitteleuropäische Länder zwischen 2015 und 2020. Von beiden Effekten profitiert nicht nur Deutschland, sondern – durch den länderübergreifenden Strommarkt – profitieren auch seine Nachbarstaaten. Der derzeitige Anstieg der Großhandelspreise konnte dabei nicht berücksichtigt werden, ist möglicherweise auch nur eine vorübergehende Erscheinung.

Mehr als 100 Millionen Tonnen CO2 eingespart

„Der Elektrizitätssektor spielt eine zentrale Rolle bei der Energiewende“, so der ZEW-Umweltökonom Jan Abrell. „Er emittiert viel CO2 und auch die Emissionsvermeidung im Verkehr und die Wärmeerzeugung basieren zumeist auf Strom.“ Aus diesem Grund müssten die Erneuerbaren weiter gefördert werden, ungeachtet der Tatsache, dass nicht allein Deutschland davon profitiere, sondern auch die benachbarten Strommärkte in Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Polen, Schweden, den Niederlanden, der Tschechischen Republik und der Schweiz

Durch Ausbau und Förderung erneuerbarer Energien reduziert Deutschland der Studie zufolge im Beobachtungszeitraum die Emissionen um 79 bis 113 Mio. t CO2-Äquivalente pro Jahr. Rund ein Drittel des grünen Stroms exportiert Deutschland allerdings in seine direkt angrenzenden Nachbarstaaten, weil es an Speichermöglichkeiten fehlt. Das schönt die Bilanz der Nachbarstaaten jährlich um bis zu 15 Mio. t CO2. Davon profitieren vor allem die Tschechische Republik und die Niederlande, die noch einen hohen Anteil an Strom aus fossilen Kraftwerken haben.

Strompreis sinkt um bis zu 1,1 Cent pro Kilowattstunde

Erneuerbare Energien senken den deutschen Großhandelspreis für Strom um durchschnittlich 1,4 Ct/kWh und zwischen 0,3und 1,1 Ct/kWh in den meisten Nachbarstaaten, belegt die Studie. „Geförderte Solar- oder Windenergie verdrängt am Energiemarkt teuren Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken, da günstigere Energie bevorzugt eingespeist wird. In der Forschung spricht man hier vom sogenannten Merit-Order-Effekt“, sagt Mirjam Kosch vom PIK. Das gelte nicht nur für Deutschland, sondern wirke sich auch länderübergreifend aus.

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Erneuerbare kosten 25 Milliarden Euro

Insgesamt verursacht die deutsche Förderung von erneuerbaren Energien jährlich ökonomische Kosten von rund 23,7 bis 25,2 Mrd. €. „Obwohl die Kosten für den Stromeinkauf auf dem Großhandelsmarkt durch erneuerbare Energien sinken, steigt die Stromrechnung der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher“, heißt es in der Studie. Das liege daran, dass die Förderkosten aus dem Refinanzierungszuschlag für erneuerbare Energien stammen, mit dem die Verbraucherinnen und Verbraucher belastet würden. Gleichzeitig gingen aufgrund der gefallenen Strompreise die Gewinne der Stromerzeuger zurück. Insgesamt tragen Letztere somit rund ein Drittel der Gesamtkosten, während die Verbraucherinnen und Verbraucher rund zwei Drittel bezahlen.

In den Nachbarstaaten verursacht die deutsche Förderung von erneuerbaren Energien auf volkswirtschaftlicher Ebene keine Kosten. Konsumenten profitieren somit von sinkenden Strompreisen, während die Erzeuger auch dort Gewinneinbußen hinnehmen müssen.

Faire Geschäfte mit Norwegen

Nur beim Stromaustausch mit Norwegen, einem indirekten Nachbarstaat Deutschlands, geht es fairer zu. Per Unterwasserkabel liefern die Skandinavier bei Bedarf bis zu 1 400 MW Strom aus Wasserkraftwerken nach Deutschland. Umgekehrt fließt die gleiche Menge nach Norwegen zurück, wenn die deutschen Wind- und Solarkraftwerke aufgrund des Wetters mehr Strom erzeugen als verbraucht wird. Dann kann Norwegen seine Wasserkraftwerke drosseln oder teilweise pausieren lassen.

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Von Wolfgang Kempkens

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