Energieversorgung 27.05.2021, 10:28 Uhr

Elektroautos lassen den Strompreis purzeln

Wenn die Batterien intelligent aufgeladen werden, also dann, wenn Strom im Überfluss ins Netz eingespeist wird, glättet sich die Verbrauchskurve. Das senkt den Preis und reduziert die Notwendigkeit des Netzausbaus.

Elektroautos könnten die Auslastung des Stromnetzes soweit ausgleichen, dass dadurch die Haushaltsstrompreise sogar sinken. Foto: Fraunhofer IEG/Schinarakis

Elektroautos könnten die Auslastung des Stromnetzes soweit ausgleichen, dass dadurch die Haushaltsstrompreise sogar sinken.

Foto: Fraunhofer IEG/Schinarakis

Auch diejenigen, die ihren Autos mit Verbrennungsmotor treu bleiben, können von Elektrofahrzeugen profitieren, wenn diese einen relativ hohen Anteil in Deutschland erreichen. Dann nämlich wird der Strom, der im Haushalt verbraucht wird, billiger. Das ist das überraschende Ergebnis einer Studie der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI). Deren Teams haben ermittelt, dass der Strompreis um 3,5 % sinkt, wenn zwei Kriterien erfüllt sind: In Deutschland tanken vier Millionen Elektroautos regelmäßig Strom und es gibt Netzregionen, etwa Städte, in denen der Anteil der Elektroautos 30 % beträgt.

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E-Autos verändern Struktur der Stromnachfrage

„Die Verbreitung privater Elektrofahrzeuge führt einerseits zu einer steigenden Stromnachfrage, andererseits aber auch zu einer Änderung der Struktur der Stromnachfrage. Das hat Auswirkungen auf die Konzeption der Energiesysteme und auf die Endverbraucherpreise für Strom“, so Judith Stute, Leiterin der Studie seitens IEG. Eins der Geheimnisse bei dieser Entwicklung ist ein Phänomen, das sich Glätten der Lastkurve nennt. Die Batterien von Elektroautos können in vielen Fällen zu Zeiten aufgeladen werden, zu denen besonders viel Strom im Angebot ist, weil Abnehmer fehlen, nachts vor allem.

Intelligente Ladestationen

Doch wie sollen die Fahrzeuge wissen, dass es ein Überangebot an Strom gibt? Das Internet ist, wie in vielen Fällen, die Antwort. Die Ladestationen müssen intelligent werden, sie geben Ladestrom nur frei, wenn es an anderen Abnehmern fehlt, mit Augenmaß natürlich. Zu einer bestimmten Zeit, etwa wenn die Fahrt zur Arbeit ansteht, muss die Batterie zumindest so voll sein, dass die Reise nicht vorzeitig endet. Die Information über das aktuelle Stromangebot wird per Internet geliefert. Das kann sich durchaus lohnen. Wenn es ein Überangebot gibt, ist der Strom billiger. Das könnte an die Verbraucher weitergegeben werden, vorausgesetzt, es gibt eine entsprechende Preisgestaltung.

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Umgekehrt könnten Fahrzeugbatterien zu virtuellen Kraftwerken werden, die Strom ins Netz einspeisen, wenn Mangel herrscht. Diese Energiespende könnte bei entsprechender Preisgestaltung sogar fürstlich honoriert werden. Doch auch hier gilt es für die intelligente Ladestation, Augenmaß zu bewahren.

Sinnvoll, so lange es fossile Kraftwerke gibt

Dieses Szenario ist nur sinnvoll, so lange es Kohle- und Gasstrom gibt. Vor allem Braunkohlekraftwerke liefern Grundlast, laufen also in der Regel 24 Stunden am Tag und sieben Tage pro Woche. Nur die modernsten Anlagen lassen sich mit relativ geringem Kosten- und Zeitaufwand von Voll- auf Teillast herunterfahren – und umgekehrt. Das bedeutet, dass nachts oft zu viel Strom erzeugt wird, vor allem, wenn auch noch stürmische Zeiten herrschen, in denen die Windkraftanlagen zur Höchstform auflaufen. Hier bieten sich Elektroautos als Abnehmer des überschüssigen Stroms an.

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Außer der Glättung der Lastkurve durch Elektroautos wird sich auch die Netzauslastung ändern, glauben die Autorinnen und Autoren der Studie. Die Kombination dieser beiden Effekte kann dazu führen, dass die spezifischen Netzentgelte in der Niederspannung sinken. Das Netzentgelt ist Bestandteil des Strompreises und stellt eine Art Miete für die Nutzung des Netzes dar. Es wird, wenn Elektroautos intelligent aufgeladen werden, effizienter genutzt und die „Miete“ pro verbrauchte Kilowattstunde sinkt. Zudem wird durch die gleichmäßigere Belastung des Netzes dessen Ausbau möglicherweise überflüssig, weil es nicht mehr für kurzzeitige Spitzenbelastungen ausgelegt werden muss.

Mäßiger Strommehrverbrauch

Das Forschungsteam hinter der Studie bezeichnet seine These als „sehr robust“. Sie sei auf viele Abweichungen wie die Verteilung von Elektrofahrzeugen, die Erzeugungskosten, die Netzauswirkungen und den Aufbau des Verteilnetzes überprüft worden. Sie gehen davon aus, dass 2030 das Vier-Millionen-Fahrzeuge-Ziel erreicht ist. Diese würden zusätzlich 11,6 TWh Strom benötigen, nicht viel angesichts der 560 TWh, die Deutschland 2020 verbrauchte. Doch zum Regeln wird es reichen.

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