Smart Metering 01.05.2019, 11:10 Uhr

Die Energiewende digitalisieren, und zwar jetzt

Dr. Peter Heuell, ‧Geschäftsführer der EMH metering GmbH & Co. KG, Gallin.
Bild: Hannelore Förster / ZVEI

Dr. Peter Heuell, ‧Geschäftsführer der EMH metering GmbH & Co. KG, Gallin. Bild: Hannelore Förster / ZVEI

Endlich ist er da: Der Fahrplan für den Umbau der Energienetze zu einem Smart Grid. Bundesregierung und Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) haben in ihrer „Standardisierungs-Roadmap“ definiert, wie ein solches intelligentes Netz aussehen soll. Kernelement ist das Smart Meter Gateway. Neben dem herkömmlichen Messwesen wird es zukünftig völlig neue Anwendungen im Energiemarkt unterstützen. Anwendungen, wie sie beispielsweise in der Elektromobilität, dem Smart Home oder bei der Abrechnung von Wärme möglich sind. Das Ziel der Bundesregierung ist klar: Das Smart Meter Gateway soll langfristig überall dort zum Einsatz kommen, wo Energie angeboten und verbraucht wird. Als digitale Kommunikationsplattform verbindet es auf diese Weise alle Akteure im Energiemarkt und legt die Basis für eine stabile Stromversorgung im Zeitalter der Energiewende.

Noch ist es aber nicht soweit. Das BSI muss zunächst technische Standards zur Interoperabilität entwickeln, die es dem Smart Meter Gateway ermöglichen, die neuen Anwendungen auch tatsächlich umzusetzen. Solche Standards sind wichtig, weil sie die Infrastruktur rund um das Smart Meter Gateway belastbar und kalkulierbar machen. Sie schaffen zudem eine Voraussetzung für die Akzeptanz der Technologie bei Anwendern und Dienstleistern. Die ersten neuen Interoperabilitätsstandards sollen laut BSI bis Ende des Jahres vorliegen – weitere folgen in den kommenden Jahren.

So lange muss die Branche mit dem Smart-­Meter-Rollout allerdings nicht mehr warten. Energieunternehmen sind seit Jahren in Vor­leistung gegangen – jetzt ist es an der Zeit, die Voraussetzungen für neue Geschäftsfelder zu schaffen. Die Einbindung von E-Mobility, Smart Home oder eines Lastmanagements in den Roll­out bietet dafür zahlreiche Möglichkeiten. Realisieren lassen sich diese individuellen Angebote bereits heute – und zwar auf Basis proprietärer Lösungen auch ohne die Interoperabilitätsstandards des BSI. Denn das Smart Meter Gateway unterstützt bereits in seiner heutigen Form eine ganze Reihe der in der Roadmap skizzierten Anwendungen. Wer jetzt auf Geräte setzt, die offen gestaltet sind, kann später mit einem Firmware-Update auf die neuen BSI-Standards migrieren. Ein aufwendiger Hardwarewechsel ist nicht nötig.

Umsetzen lassen sich beispielsweise bereits heute Submetering-Dienstleistungen. Das Ab­lesen und Verteilen von Wärme-, Warmwasser- und Kaltwasserkosten in Wohngebäuden ist ein riesiger Markt, den sich derzeit wenige spezialisierte Unternehmen untereinander aufteilen. Durch das Ausrollen des Smart Meter Gateways könnten sich Energieversorger und andere ab sofort an dem Geschäft beteiligen.

Das Spektrum an weiteren Dienstleistungen ist nahezu endlos, wenn sich das Smart Meter Gateway modular erweitern lässt. Möglich sind beispielsweise eine WLAN-Funktion oder auch das Schalten von Lasten. Neue Dienstleistungen erweitern aber auch die Player im Markt. Wer jetzt nicht aktiv wird, verpasst womöglich den Anschluss. Der FNN bietet seinen Mitgliedern aus diesem Grund auf dem Fachkongress „ZMP 2019“ Fachwissen rund um die Umsetzung neuer Geschäftsmodelle an.

Gemeinsam mit den Gateway-Herstellern sollten Energieunternehmen jetzt die passende Infrastruktur für ihren Smart-Meter-Rollout planen. Wer frühzeitig mit der Planung und Umsetzung neuer Anwendungen auf Basis des Smart Meter Gateways startet, generiert nicht nur neue Umsätze. Er baut auch seinen Vorsprung beim Smart-Meter-Rollout aus. Denn je früher die Infrastruktur des neuen Energiemarktes erschlossen wird, desto einfacher und effizienter wird der Weg in die neue Messwelt.

Die Branche profitiert aber auch von einem weiteren entscheidenden Vorteil: Die außergewöhnlich hohen Datenschutz-Standards des Smart Meter Gateways werden in Bereiche aus­gerollt, in denen das Thema IT-Sicherheit heute kaum eine Rolle spielt. Beispiel Smart Home: Tagtäglich drängen neue intelligente Haushalts-Devices auf den Markt – teilweise mit gravierenden Sicherheitslücken. Eine sichere Basis für die Digitalisierung ist im zentralen Interesse von Unternehmen und Verbrauchern.

Von Dr. Peter Heuell

Geschäftsführer der EMH metering GmbH & Co. KG, Gallin.

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