Hallenbauwerk 11.10.2021, 04:31 Uhr

Nachhaltiger Firmensitz für Bio-Unternehmen

Eine neu errichtete Lager- und Produktionsstätte sollte nach ökologisch-nachhaltigen Gesichtspunkten in moderner Holzarchitektur entstehen. Dabei kamen nicht nur große Mengen Holz zum Einsatz. Das Objekt kombiniert Ständerbau- und Holzrahmenbauweise sowie Brettstapeldecken. Um Fehler zu minimieren, wurde die komplette Holzkonstruktion vorab mit allen Verbindungsmitteln in einer 3D-Konstruktion modelliert und konstruiert.

Bei der neu errichteten Lager- und Produktionsstätte ließen sich sämtliche Vorzüge des Holzbaus ausspielen. Foto: FH Gruppe

Bei der neu errichteten Lager- und Produktionsstätte ließen sich sämtliche Vorzüge des Holzbaus ausspielen.

Foto: FH Gruppe

Das vom Berliner Architekturbüro Creutzfeldt geplante, zweischiffige Hallenbauwerk mit einer Grundfläche von circa 570 Quadratmeter besteht aus einer eingeschossigen Regallagerhalle und einem zweigeschossigen Gebäudeteil mit Räumen unterschiedlicher Nutzung für die Treibholz Bio & Naturwaren GmbH, Korschenbroich. Der zweistöckige Hallenbereich gliedert sich in eine Zone zur Banderolisierung und Konfektionierung mit einer dazugehörigen Bereitstellungs- und Verpackungsfläche und einen Bereich mit Büro, Aufenthalts- und Besprechungsräumen. Das erste Obergeschoss wird über zwei Treppen im Inneren des Gebäudes erschlossen. Außerdem kann es aus der Regallagerhalle über eine Empore mit Palettenware beschickt werden.

Wirtschaftliche und flexible Holzrahmenbauweise

Die zweigeschossige Konfektionierungshalle mit Bürotrakt bietet circa 500 Quadratmeter Nutzfläche und ist komplett in Holzrahmenbauweise errichtet worden. Standardisierte Querschnitte und gängige Plattenmaße mit einem Raster von 62,5 Zentimeter sorgten für einen hohen Vorfertigungsgrad und eine passgenaue Produktion der Wandelemente im Werk der FH Finnholz. Die wirtschaftliche und vor allem flexible Holzrahmenbauweise ermöglichte eine schnelle und unkomplizierte Montage an der Baustelle, sodass das Aufstellen der reinen Holzkonstruktion des gesamten Objekts nur knapp drei Wochen dauerte.

Obwohl sie von außen eine Einheit bilden, sind die Bereiche Konfektionierung und Büro im Inneren unterschiedlich gestaltet. In den Arbeitsbereichen zur Konfektionierung und Banderolisierung befinden sich innenseitig sichtbar bleibende OSB/4-Platten an den Wänden. Im Büro hingegen wurden die mit Gipsfaserplatten beplankten Wände gespachtelt und gestrichen. Um die aufgrund der unterschiedlichen Nutzung erforderlichen Teilbereiche nicht nur optisch voneinander zu trennen, wurde eine raumabschließende Trennwand in feuerhemmender Bauweise errichtet, welche gleichzeitig das statische Konzept des gesamten Gebäudes positiv beeinflusst. Auch die integrierten Türen wurden feuerhemmend ausgeführt.

Geschossdecke aus Brettstapelelementen

Zwischen Erd- und Obergeschoss des Bürotrakts wurde eine Geschossdecke aus Brettstapelelementen hergestellt, die auf den Holzrahmenbau Innen- und Außenwänden aufliegt. Die sowohl tragende als auch aussteifende Brettstapeldecke wurde auf Abbrand in REI 30 berechnet und bleibt im fertigen Objekt unterseitig sichtbar. Im Bereich des Lagers wurde die mit einer Nutzlast von 8,00 kN/m² belastete Decke durch massive Unterzüge (22 x 72 cm) aus Brettschichtholz unterstützt. Die Auflager der Unterzüge wurden mit zusätzlichen Vollgewindeschrauben zur Vergrößerung der Auflagerpressung verstärkt. Die hellen Wände und Böden sorgen in Kombination mit großen, nach Norden ausgerichteten Fenstern für eine blendfreie Belichtung der Arbeitsplätze.

Die großen Fenster ermöglichen eine blendfreie Belichtung der Arbeitsplätze.

Foto: FH Gruppe

Das Dach des zweigeschossigen Gebäudeteils besteht aus mit Zellulose ausgeflockten Dachelementen. Auch diese wurden im FH-Finnholz-Werk in Lienen komplett vorgefertigt, sodass sie auf der Baustelle lediglich montiert werden mussten. Sie bieten einen hohen sommerlichen Hitzeschutz und bilden eine Scheibe, welche die horizontalen Windlasten in die Wände einleitet. Als Abschluss wurde ein 30 Millimeter starkes, hinterlüftetes Sandwichblech als Dacheindeckung auf das 6 Grad geneigte Pultdach montiert, sodass sich die darunterliegende Holzfaserplatte trotz der geringen Dachneigung als Unterdach ansetzen ließ.

Die 245 Quadratmeter große Lagerhalle überragt aufgrund ihrer Auslegung für Palettenregale den zweigeschossigen Gebäudeteil und wird über ein Lichtband mit Nordausrichtung natürlich belichtet. Zwei Sektionaltore ermöglichen gleichzeitiges Be- und Entladen von Lieferanten. Die Halle ist mit einem Tragwerk, bestehend aus Stützen, Bindern, Pfetten und Riegeln mit einem Binderabstand von knapp 11 Meter errichtet und zunächst als Kalthalle umgesetzt worden; Dach und Wand sind jedoch bereits so vorbereitet, dass die Halle leicht wärmeisoliert werden könnte.

Die Fassade des Bürogebäudes mit einer waagerechten Lärchenstülpschalung sowie Lärchenholzfenstern ist besonders attraktiv gestaltet.

Foto: FH Gruppe

Neben der Verwendung des Baustoffes Holz, der das klimarelevante Kohlendioxidgas speichert, setzt die als Produzent von Bio- und Naturwaren tätige Bauherrin auch auf einen CO2-neutralen Betrieb der neuen Produktionsstätte ohne konventionelle Energieträger. Geheizt wird mit Erdwärme, die über die Betonbodenplatte in das Gebäude gelangt. Die Solewärmepumpe, die elektrotechnische Gebäudeausstattung sowie Maschinen und Flurförderzeug werden aus einer 50-kWp-Solaranlage gespeist, deren Energieüberschuss ins Stromnetz eingespeist wird.

Dacheindeckung aus Sandwichpaneelen

Die Dacheindeckung des Hochregallagers besteht aus 120-mm-Sandwichpaneelen, die von längslaufenden Pfetten aus Brettschichtholz getragen werden. Die Pfetten wurden mit Sherpa-Verbindern sowie Vollgewindeschrauben an einem querlaufenden Binder angeschlossen, der die vertikalen Lasten weiter über Holzstützen in die Bodenplatte einleitet. Die horizontale Aussteifung erfolgt über einen Dachverband, der die Lasten in die vier mit Schlitzblechen und Stabdübeln verbundenen Wandverbände einleitet. Zur Einleitung der in den Stützen wirkenden, abhebenden Lasten wurden eingeklebte Gewindestangen gewählt. Die Lastabtragung in den Baugrund erfolgt über eine gedämmte Stahlbetonsohle.

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Von FH Finnholz / Karlhorst Klotz

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