Brückenneubau 04.09.2020, 12:04 Uhr

Höllentalklamm: Flug zur Baustelle

Auf den Weg zur Zugspitze können Wanderer die Höllentalklamm durchqueren. Damit diese Wanderung sicher ist, wurde eine historische Bogenbrücke und zwei Stege von 1905 ersetzt. Das Material wurde dabei per Helikopter zur Baustelle geflogen.

Die vorgefertigten Bauteile der neuen Bogenbrücke in der Höllentalklamm werden per Helikopter geliefert. Foto: Ed. Züblin AG, Angelika Warmuth

Die vorgefertigten Bauteile der neuen Bogenbrücke in der Höllentalklamm werden per Helikopter geliefert.

Foto: Ed. Züblin AG, Angelika Warmuth

Ein Kilometer lang ist der Weg durch die Höllentalklamm. Dabei kommen die Wanderer auf ihrem Weg zur Zugspitze an Wasserfällen vorbei, gehen durch Klammformation, die tief in den Fels eingeschnitten und ausgehöhlt sind und genießen die Wildheit des Hammersbach, wenn sie die Brücken und Stege queren. Bereits Angang des 20. Jahrhunderts wurde die Höllentalklamm für den Tourismus ausgebaut. Der Ingenieur Adolf Ziepritz hatte zusammen mit einheimischen Bergführern die Klamm erkundet und vermessen. Damit ein passierbarer Weg durch die Klamm entstehen konnte, wurden diverse Tunnel in den Feld gesprengt und der Weg mit Brücken und Stegen angelegt. Nach 115 Jahren mussten eine historische Brücken und zwei Stege erneuert werden. Hierzu fragte die Sektion Garmisch-Partenkirchen des Deutschen Alpenverein e.V. bei Züblin nach, ob dieses im Zuge eines Sponsorings möglich ist. Daher übernahm die Gesamtorganisation der Züblin-Bereich Ingenieurbau/Bayern. In einer Partnerschaft mit dem Alpenverein, Thyssenkrupp, Hilti und der lokalen Baufirma Dörfler konnte der Neubau begonnen werden. Die Auszubildenden der Strabag Konzern-Lehrwerkstatt in Bebra fertigten und montierten die Holzbeläge für die Stege. Die knapp sieben Tonnen Stahl wurden von Thyssenkrupp Materials Services geliefert und Hilti steuerte 100 Ankerstangen zum Projekt bei.

Tragwerk ermöglicht Reparaturen

Das neue Bauwerk folgt dem Beispiel des Bestandes und besteht aus drei Abschnitten: der Brücke und der zwei Stege. Die Bogenbrücke hat eine Spannweite von sieben Metern und besteht aus drei Segmenten. Diese drei Segmente werden zuerst auf der alten Brücke zusammengebaut. Dann wird die Brücke mit Greifzügen, die oberhalb im Fels verankert sind, angezogen. Dadurch kann die alte Brücke demontiert werden. Somit ist Platz für die neue Bogenbrücke, die auf die Sollhöhe und -lage abgelassen werden kann. Zwischen dem Höllentalklamm-Museum und der Bogenbrücke spannt sich der erste Steg über circa 20 Meter. Auf einer Länge von 23 Metern führt der zweite Steg bei einer Steigung von 15 Prozent von der Bogenbrücke zu einem Tunnel. Die Tragwerke der Stege sind einzeln geplant und gebaut wurden. Das hat den Vorteil, dass diese nicht nur individuell positioniert werden können, sie können auch, sollte eine Reparatur anstehen, einzeln ersetzt werden.

Vorgefertigte Bauteile für den Brückenbau

Die Bogenbrücke und die Stege wurden, bevor sie auf die Baustelle kamen, zum großen Teil im brandenburgischen Hosena gefertigt. Auf Basis der benötigten Bauteile stellte Thyssenkrupp eine geeignete Stückliste bereit und lieferten maßgeschneiderte Bleche, Stäbe und Rohre in mehr als 20 unterschiedlichen Ausführungen. Es sind die Bauteile, die bei der Brücke als Träger, Stegblech, Pfosten und Handlauf eingesetzt werden. Damit auch die neuen Bauwerke der Wildheit der Natur gewachsen sind, nahmen die Segmente ein Zinkbad bei circa 500 Grad. Die vorgefertigten Segmente und das Baugerüst wurden per Helikopter von Grainau auf 1.045 Meter Höhe zur Höllentaleingangshütte geflogen. Die letzten 200 Meter trugen ehrenamtlichen Helfer der DAV-Sektion Garmisch-Partenkirchen die Bauteile bis zum Einsatzort. Damit das Züblin-Team die Stahl-Elemente in der Klamm befestigen konnte, mussten sie sich vom Fels abseilen. Als alle Stahlteile montiert waren, konnte der letzte Arbeitsschritt beginnen und der Holzbeleg auf den Stegen angebracht werden.

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Von Heike van Ooyen

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