Zur Wärmewende im Wohnungsbestand: Priorisierung mit Pre- und Reboundeffekten, angepassten Bedarfswerten und Ist-Verbräuchen
Auch ohne umfangreiche, energetische Modernisierungsmaßnahmen können viele Potenziale in Wohnungsbeständen gehoben werden.
Foto: Smarterpix/smuki
D. Aldenhoff, B.-M. Kurzrock
Bauingenieur Jahrgang 101 (2026) Heft 01-02
Publikationsdatum: 07.02.2025
doi.org/10.37544/0005-6650-2026-02
Zusammenfassung Im vorliegenden Beitrag werden die Bedarfswerte und Ist-Verbräuche von drei repräsentativen Wohnungsportfolios kleinerer Wohnungsbestandshalter in Deutschland mit insgesamt 8 451 Wohneinheiten in 1 250 Gebäuden analysiert. Die Bedarfswerte werden auf Basis der TABULA-Gebäudetypologie mit der SaaS-Plattform EnergyARK ermittelt und berücksichtigen energetische Modernisierungsmaßnahmen. Die Ergebnisse legen nahe, dass es viele Potenziale in Wohnungsbeständen gibt, die auch ohne umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen gehoben werden können. 13,7 % der Gebäude weisen deutliche Mehrverbräuche in der Größenordnung von > 50 % bis hin zu extremen Verbrauchswerten (> 300 kWh/m²a) auf. Anhand der ermittelten Bedarfswerte wird deutlich, dass dies nicht allein Gebäude mit schlechter Gebäudesubstanz sind. Extremes Nutzerverhalten, schlecht eingestellte Anlagen und technische Fehler oder Kombinationen hieraus sind ursächlich für die Mehrverbräuche. Da sich bereits zeigt, dass flächendeckende energetische Verbesserungen der Gebäudehüllen wirtschaftlich nicht für die Wohnungsbestandshalter tragfähig sind, sind praktikable Lösungen gefragt. Besonders wirtschaftlich sind dabei Lösungen, die im Zuge des Wechsels auf eine erneuerbare Heizungstechnik (zum Beispiel Wärmepumpe) möglichst geringfügige zusätzliche Effizienzsteigerungen an der Gebäudehülle benötigen. Um die Wärmewende in Wohnungsportfolios entsprechend effizient und wirtschaftlich tragfähig zu gestalten, sind Priorisierungen und auf das jeweilige Gebäude zugeschnittene Modernisierungsmaßnahmen notwendig. Hierzu sind belastbare Ist-Analysen der Gebäudeportfolios notwendig. Die Ergebnisse zeigen, dass Optimierungspotenziale im Betrieb einen deutlichen Anteil zur Energieeffizienzsteigerung beitragen können, und zudem auch sehr konzentriert in den Portfolios vorliegen.
On the Heating Transition in the Housing Stock: Prioritisation considering Pre- and Rebound Effects, Adjusted Demand Values and Actual Consumption
Abstract This article analyses the demand values and actual consumption of three representative residential portfolios of smaller residential property owners in Germany with a total of 8 451 residential units in 1 250 buildings. The demand values are determined on the basis of the TABULA building typology using the SaaS platform EnergyARK and take into account energy modernisation measures. The results suggest that there is a lot of potential in housing stock that can be exploited without extensive modernisation measures. 13.7 % of the buildings have significantly higher consumption in the order of > 50 % up to extreme consumption values (> 300 kWh/m²a). Based on the consumption values determined, it is clear that these are not just buildings with poor building fabric. Extreme user behaviour, poorly adjusted systems and technical errors or combinations of these are the cause of the additional consumption. As it is already clear that comprehensive energy improvements to building envelopes are not economically viable for housing stock owners, practicable solutions are required. Solutions that require the smallest possible additional efficiency improvements to the building envelope in the course of switching to renewable heating technology (for example heat pumps) are particularly cost-effective. Prioritisation and modernisation measures tailored to the respective building are necessary in order to make the heating transition in residential portfolios efficient and economically viable. This requires reliable analyses of the current state of the building portfolios. The results show that optimisation potential in operation can make a significant contribution to increasing energy efficiency and is also very concentrated in the portfolios.




