Bauen in der Pandemie 03.12.2020, 10:25 Uhr

Corona: Abstand halten auf der Baustelle

Eine gute Durchlüftung ist auf vielen Baustellen möglich. Trotzdem sollten im Rahmen der Corona-Pandemie Präventionsmaßnahmen geplant, umgesetzt und kontrolliert werden. Wie das auf der Baustelle funktionieren kann, zeigt ein Bauunternehmen.

Bei Baubesprechungen hält das Team Abstand. Foto: WOLFF & MÜLLER/ Fotograf Swen Carlin

Bei Baubesprechungen hält das Team Abstand.

Foto: WOLFF & MÜLLER/ Fotograf Swen Carlin

Die derzeit allgemeinen Regeln mit Abstand halten, Hygiene beachten, Kontakte erfassen gelten zurzeit auch auf der Baustelle. Um dieses zu schaffen, müssen jedoch einige Probleme überwunden werde: „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter, Kunden und Baupartner hat Priorität. Deshalb haben wir für unsere Projekte umfangreiche Handlungsanweisungen und -empfehlungen entwickelt. Anhand von Checklisten werden die Maßnahmen auf jeder Baustelle von der zuständigen Fachkraft für Arbeitssicherheit (SiFa) überprüft und dokumentiert“, berichtet Harald Guhl. Im Bauunternehmen WOLFF & MÜLLER leitet Guhl den Lenkungskreis Baupartner. Insgesamt hat das Bauunternehmen vier Lenkungskreise für die Zielgruppen Mitarbeiter, Kunden, Baupartner sowie Umwelt und Gesellschaft geschaffen. „Mit diesen kleinen, schlagkräftigen Teams aus höchstens vier Personen bewerten wir die Situation jeden Tag aufs Neue und legen pragmatische Maßnahmen für die jeweilige Gruppe fest“, sagt Dr. Albert Dürr, geschäftsführender Gesellschafter der WOLFF & MÜLLER-Gruppe. Ein zentrales Kernteam erhält alle Informationen. Auf den Baustellen ist Guhl damit betraut, das Corona-Krisenmanagement zu steuern und zu überwachen. Im Lenkungskreis werden dann die Begegnungsprotokolle ausgewertet und die Maßnahmen zur Prävention immer wieder aktualisiert. „Wir adaptieren die aktuellen gesetzlichen Vorgaben und die Vorlagen der Berufsgenossenschaft auf unsere spezifischen Abläufe und ergänzen sie um eigene Erfahrungen, Ideen und Best Practices unserer Mitarbeiter“, erklärt Guhl.

Maßnahmen zur Corona-Prävention

Das Bauunternehmen hat ihre Handlungsanweisungen nicht nur für die Bereiche Abstand und Hygiene sowie Arbeitsmittel und Arbeitsorganisation angepasst. In den Handlungsanweisungen greift das Unternehmen auch auf, wie die Maßnahmen kommuniziert und kontrolliert werden. Dabei gelten die Anweisungen nicht nur für die eigenen Mitarbeiter, sie gelten auch für alle Baupartner, die auf der Baustelle aktiv sind. Mit den unterschiedlichen Gewerken steht das Unternehmen in ständigen Kontakt, auch ist der Austausch mit den Kunden intensiv. Um alle auf der Baustelle ansprechen zu können, erfolgen die Informationen in mehreren Sprachen. „Am aufwendigsten ist die notwendige Umorganisation der Arbeiten, denn jede Baustelle ist anders. Wir müssen die jeweiligen Abläufe im Voraus genau durchdenken und Arbeiten an potenziellen Hotspots entzerren, damit sich niemand ungeschützt zu nahekommt. Dabei nutzen wir beispielsweise ein rollierendes Schichtsystem“, beschreibt Guhl. FFP-Masken, Augen- oder Handschutz kommen bei Arbeiten mit engeren Kontakt zum Einsatz. Bei Arbeiten, wo eine ausreichende Belüftung nicht gewährleistet ist und die Arbeiter den Abstand nicht einhalten können, wie zum Beispiel bei den Arbeiten zur Installation von Gebäudetechnik, führt nur eine Person diese Arbeiten aus. Kann der vorgegebene Mindestabstand nicht eingehalten werden, müssen Masken getragen werden und die Arbeits- und Pausenzeiten werden gestaffelt. Arbeiten, die im Freien stattfinden können, müssen auch dort ausgeführt werden, dies betrifft zum Beispiel einige Vorbereitungsarbeiten. Im Freien finden auch die Baubesprechungen statt. Auf der Baustelle sollen den Arbeitern ausreichend Wasch- und Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen. Zudem findet eine tägliche Reinigung von Tagesunterkunfts- und WC-Containern statt. Zudem nimmt das Bauunternehmen in Kauf, dass mehr Fahrten vorgenommen werden als sonst. Denn auch hier haben sie Anweisungen vorgegeben. So dürfen in einem Kleinbus nur maximal drei Personen fahren und in einem Pkw nur zwei. Im Verdachtsfall werden Fiebermessungen vorgenommen und auch Risikogruppen werden abgefragt. Für seine Mitarbeiter und Baupartner hat das Bauunternehmen zudem ein Sorgentelefon eingerichtet.

Kontakte erfassen

Zur Nachverfolgung der Kontakte nutzt das Bauunternehmen das Prinzip aus der Gastronomie. Von allen Personen, die sich mindestens 15 Minuten auf der Baustelle aufhalten, werden Daten erfasst. „Auf einer Rohbaustelle ist das noch relativ einfach, aber im Schlüsselfertigbau kurz vor der Fertigstellung wird es schwieriger. Gewerke kommen und gehen. Mal wird Baumaterial angeliefert, mal will ein Elektriker seinem Kollegen schnell eine fehlende Sicherung in den Keller bringen. Nur eine Kontaktliste auszulegen, ist weder ausreichend, noch ist der Datenschutz DSGVO-konform gewahrt“, erklärt Guhl. Daher muss jeder Bauleiter eine Gefährdungsbeurteilung für seine Baustelle anlegen. Daraufhin wird ein passendes Konzept mit Zugangskontrolle und Datenerfassung mit dem Lenkungskreis und der Sifa abgesprochen und entwickelt. Den Zugang zu einer großen Baustelle, wie zum Beispiel einer Hotelbaustelle kurz vor der Eröffnung, regelt dann ein RFID-Chip-Ausweis oder ein Sicherheitsdienst.

Verantwortung für Baupartner übernehmen

Für die Unterbringung der Mitarbeiter von Baupartnern hat das Bauunternehmen auch Maßnahmen ergriffen. Kleine Teams von maximal vier Personen teilen sich die Unterbringung. Auf der Baustelle arbeiten diese vier Personen zusammen und nutzen eigene Sanitärräume und Küchen. Der Zugang zu anderen oder von anderen Teams ist nicht möglich. Schlafräume sind dabei einzeln belegt. Für den Verdacht auf COVID-19 bei den Baupartnern ist das Unternehmen zudem vorbereitet. Hier sind separate Räume vorgesehen. Eine tägliche Reinigung und regelmäßiges Lüften sind bei den Unterkünften Pflicht. Kommen die Mitarbeiter der Baupartner aus dem Ausland, sind weitere Maßnahmen notwendig, da dann je nach Bundesland Quarantäneregelungen greifen. „Wir begleiten unsere Projektteams dabei, all diese Maßnahmen vorzubereiten und mit den Gesundheitsämtern abzustimmen“, erklärt Guhl.

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