Zum E-Paper
30 Prozent schneller 26.02.2026, 12:00 Uhr

Systembauteile im modernen Wohnheimbau

Nur drei Monate bis zum Richtfest: In Erlangen zeigt ein Wohnbauprojekt, wie Systembauteile und serielle Vorfertigung den hybriden Wohnheimbau um rund 30 Prozent beschleunigen.

Bei der viergeschossigen Wohnanlage wurden die tragenden Wände aus massiven Brettsperrholzelementen mit Beton-Fertigteildecken und komplett ausgestatteten Badmodulen kombiniert.

Bei der viergeschossigen Wohnanlage wurden die tragenden Wände aus massiven Brettsperrholzelementen mit Beton-Fertigteildecken und komplett ausgestatteten Badmodulen kombiniert.

Foto: Dennert

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum stellt viele deutsche Universitätsstädte vor große Herausforderungen. Gerade dort, wo jedes Semester tausende Studierende eine Unterkunft suchen, zählen Geschwindigkeit, Wirtschaftlichkeit und Qualität. Ein aktuelles Projekt in Erlangen beweist, dass sich diese Anforderungen miteinander vereinen lassen: Durch den konsequenten Einsatz von Systembauteilen konnte die Bauzeit einer studentischen Wohnanlage um rund 30 Prozent gegenüber einer konventionellen Bauweise verkürzt werden.

Drei Monate bis zum Richtfest

Lediglich drei Monate lagen zwischen Spatenstich und Richtfest – ein Tempo, das im klassischen Geschosswohnungsbau kaum zu erreichen ist. Das viergeschossige Gebäude wurde in moderner Holz-Beton-Hybridbauweise errichtet und umfasst 26 vollständig möblierte 1-Zimmer-Apartments. Ziel war es, dringend benötigten Wohnraum möglichst schnell verfügbar zu machen und gleichzeitig den Wohnungsmarkt der Universitätsstadt zu entlasten.

Tragende Wände aus massiven Brettsperrholzelementen bilden die Basis der Konstruktion. Kombiniert wurden sie mit rund 700 m² DX-Fertigteildecken sowie 26 komplett ausgestatteten Badmodulen vom Betonfertigteilspezialisten Dennert.

Schneller und effizienter dank Vorfertigung

Ein zentraler Baustein für das hohe Bautempo sind die DX-Fertigteildecken. Sie sind rund 40 Prozent leichter als herkömmliche, aufbetonierte Filigrandecken – mit einem Gewicht von etwa 330 kg/m² statt 550 kg/m². Gleichzeitig reduziert sich die sonst übliche Betonvergussmenge auf der Baustelle um beeindruckende 90 Prozent.

Die Montage erfolgt effizient: Die Deckenelemente werden per Kran versetzt, exakt ausgerichtet und miteinander verschraubt. Anschließend werden Fugen und Ringanker bewehrt und mit C25/30-Beton vergossen. Bereits am nächsten Tag kann der Bau in den oberen Geschossen fortgesetzt werden. Mit einer Plattenstärke von nur 20 Zentimetern überbrücken die DX-Decken – je nach statischer Anforderung – Spannweiten von bis zu sieben Metern. Andere Deckensysteme müssen bei Spannweiten ab 5,20 Metern die Deckenstärke um 10 bis 20 Prozent erhöhen.

Badmodule als Antwort auf Fachkräftemangel

Besonders zeit- und koordinationsintensiv sind im Wohnungsbau die Sanitärgewerke. Auch hier setzte das Projekt konsequent auf Vorfertigung: 26 komplett vormontierte und werkseitig geflieste Badmodule wurden direkt in den Rohbau eingesetzt. Vor Ort war lediglich noch der Anschluss an die Gebäudetechnik erforderlich.

„Der serielle Ansatz ist die Antwort auf den Fachkräftemangel, auch die aufwendige Koordination verschiedener Gewerke wie Estrich, Trockenbau, Fliesen, TGA-Installation, Sanitär und Malerarbeiten entfällt“, betont Wolfgang Dempert von Dennert. Durch diese Bündelung der Leistungen im Werk werden nicht nur Zeit, sondern auch Kosten und Fehlerquellen reduziert.

Wirtschaftlich, leise und nachbarschaftsfreundlich

Die Fertigstellung der 26 Apartments, die bereits vollständig vergeben sind, ist für Juni 2026 geplant. Der hohe Vorfertigungsgrad bringt jedoch nicht nur Vorteile für Bauherren und Nutzer, sondern auch für das Umfeld. Da ein Großteil der Arbeiten in der Produktionshalle erfolgt, werden Lärm, Schmutz und Verkehrsbelastungen auf der Baustelle deutlich minimiert. Kürzere Montagezeiten bedeuten weniger Straßensperrungen und eine spürbare Entlastung für Anwohner.

Skalierbare Lösungen für den Geschosswohnungsbau

Das Projekt in Erlangen zeigt exemplarisch, wie serielles Bauen und industrielle Vorfertigung den Anforderungen des modernen Objekt- und Wohnungsbaus gerecht werden können. Skalierbarkeit, hohes Bautempo und wirtschaftliche Effizienz machen Systemlösungen besonders attraktiv – gerade angesichts des enormen Drucks auf den Wohnungsmarkt in Universitätsstädten.

Bezahlbarer Wohnraum muss heute nicht mehr jahrelang auf sich warten lassen. Das Beispiel belegt, dass Wohnungen innerhalb weniger Monate bezugsfertig sein können, ohne Abstriche bei Qualität oder Nachhaltigkeit.

Empfehlungen der Redaktion

  1. Wie sieht einfaches Bauen aus?
  2. Eine kleine Öko-Siedlung soll zeigen: Bauen geht auch anders!
  3. Impuls für nachhaltiges Bauen
  4. Neue Förderung unterstützt baureife Projekte
  5. Nichts mehr verpassen: Hier geht‘s zur Anmeldung für den Bauingenieur-Newsletter…
Von Heike van Ooyen