Was Recruiter wirklich denken – und selten sagen
Wer eine Stelle sucht, schickt Unterlagen, wartet, hofft – und fragt sich vielleicht: Wer liest das eigentlich? Wer sitzt auf der anderen Seite und wie kommt meine Bewerbung wirklich an? Wir haben zwei Recruiterinnen bei Diehl gefragt, die täglich genau das tun. Isabel und Marlene erzählen, was sie wirklich beeindruckt, was sie nervt – und warum Bewerbungsgespräche auch Spaß machen dürfen.
Marlene (links) und Isabel (rechts), Business Partner bei Diehl, verraten, wie Bewerber im Interview punkten können.
Foto: Diehl Stiftung GmbH & Co. KG
Isabel ist Business Partner bei Diehl Aviation und hat schon viele Gespräche geführt – mit Führungskräften, mit Fachleuten und auch einmal mit einer Katze. Marlene rekrutiert bei Diehl Defence. Ihr Credo: Ein Gespräch soll einen authentischen Gesamteindruck liefern und keine Prüfung oder Verhör sein.
Was wirklich im Gedächtnis bleibt
Beeindrucken kann man auf viele Arten. Isabel erinnert sich an einen Bewerber für die Elektronik-Fertigung, der eine selbst bestückte Leiterplatte mitbrachte und sie live vorführte. Isabel:„Das war ziemlich cool.“
Marlene erlebte etwas anderes. Eine Kandidatin hatte extra ein Video aufgenommen und bei YouTube hochgeladen: „Man hat gemerkt, dass sie sich dabei viele Gedanken gemacht hatte. Das war schon sehr besonders.“
Die Botschaft: Wer sich Mühe gibt, fällt auf. Doch eine besondere Inszenierung ist kein Muss, um gute Einstellungschancen zu haben.
Wenn Gespräche aus dem Ruder laufen – und das gar nicht schlimm ist
Nicht jedes Bewerbungsgespräch läuft glatt. Isabel erzählt von einem Online-Termin: Die Katze des Bewerbers sprang immer ins Bild und ließ sich einfach nicht vertreiben. Isabel: „Am Ende haben wir das Gespräch zu viert geführt: der Bewerber, die Führungskraft, ich und die Katze.“
Marlene wiederum hat die lustigste Situation selbst verursacht: ein so dämlicher Versprecher, dass Bewerber, Führungskraft und sie kaum aufhören konnten zu Lachen: „Aber das ist gar nicht schlimm. Bewerbungsgespräche dürfen ja auch Spaß machen!“
Red Flags: Was wirklich stört
So offen die beiden über Humor und Pannen sprechen, bei manchen Dingen hört der Spaß auf. Isabel:„Wenn im Anschreiben das falsche Unternehmen steht oder die Formatierung wechselt – das wirkt zusammenkopiert und schludrig.“
Marlene:„Wenn ich die relevanten Infos nicht schnell finden kann, ist das ein schlechtes Zeichen. Das heißt oft, dass sich jemand wenig Mühe gegeben hat.“ Bei der Gestaltung, betont Marlene, sei vieles Geschmackssache, aber Sorgfalt muss sein.
Was beide selbst gerne früher gewusst hätten
Wie wichtig Authentizität ist – hier sind sich beide einig, ganz ohne Absprache. Isabel:„Einfach authentisch sein. Es ist völlig ok, aufgeregt zu sein oder eine fachliche Frage mal nicht beantworten zu können. Hauptsache, man versucht nicht, dem Gegenüber etwas vorzuspielen.“
Marlene:„Ich hätte mir gewünscht zu wissen, dass es nicht darum geht, auf jede Frage die perfekte Antwort zu haben – sondern darum, einen möglichst authentischen Gesamteindruck zu hinterlassen.“
Mythen, die endlich verschwinden müssen
So wie es Vorurteile an das perfekte Bewerbungsgespräch gibt, so gibt es auch Vorbehalte gegenüber den Recruitern. Isabel und Marlene klären auf. Isabel: „Dass es uns Spaß machen würde, Bewerber zu stressen, das stimmt einfach nicht. Ein Gespräch auf Augenhöhe macht deutlich mehr Freude und bringt den Prozess schneller voran.“
Marlene:„Gleichzeitig ist es auch ein Mythos, dass es am Bewerber liegt, wenn sich der Auswahlprozess lange zieht. Meistens sind es interne Abstimmungsprozesse, vor allem wenn viele Personen einbezogen sind.“
KI in der Bewerbung: Dos & Don’ts
Mit KI ist es deutlich einfacher geworden, gut klingende Bewerbungen zu schreiben. Doch wie kommt Künstliche Intelligenz beim Recruiting an? Isabel:„KI kann eine tolle Unterstützung sein. Aber es muss authentisch bleiben. Ich stelle einen Menschen ein und keine KI. Die Mischung macht’s!“
Marlene empfiehlt ganz konkret: „Erst selbst schreiben. Da steckt die individuelle Note drin. Dann KI nutzen, um den Entwurf weiterzuentwickeln und Fehler zu finden. So bleibt das Persönliche erhalten, ohne auf hilfreiche Werkzeuge zu verzichten.“
Einfach anfangen
Schlussendlich sind Isabel und Marlene Enabler und keine Hürden. Sie sind die ersten Menschen bei Diehl, die Kandidaten kennenlernen, und sie wünschen sich vor allem eines: Echte Menschen, die sich trauen, sie selbst zu sein.
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