Vom Prüfingenieur zum Leiter für die Aus-/Weiterbildung/Training Fahrzeugprüfwesen: Max Diedlers Karriereweg bei DEKRA
Seine Karriere begann zwischen Fahrzeugen und Werkstattalltag, heute gestaltet Max Diedler die Zukunft des Fahrzeugprüfwesens mit. Max Diedler zeigt, warum Weiterbildung neue Chancen eröffnet und weshalb KI den Job als Prüfingenieur Fahrzeuge (m/w/d) nicht ersetzen wird.
Max Diedler.
Foto: Dekra
Technisches Interesse, lebenslanges Lernen und der Wunsch, sich weiterzuentwickeln: Max Diedler zeigt, wie vielfältig Karrierewege als Prüfingenieur:in im Fahrzeugprüfwesen sein können. Heute verantwortet er bei DEKRA die interne Aus- und Weiterbildung für diesen Bereich und begleitet die nächste Generation von Prüfingenieurinnen und Prüfingenieuren.
Autos waren für Max Diedler schon früh Teil seines Lebens. Aufgewachsen in einer Kfz-Werkstatt und einem Autohaus seines Vaters, lernte er Fahrzeuge nicht nur aus der Theorie kennen, sondern von der praktischen Seite. „Ich bin quasi von der Pike an damit aufgewachsen, an Fahrzeugen zu arbeiten“, erzählt Diedler.
Sein beruflicher Weg verlief zunächst nicht geradlinig in Richtung Technik. Nach der Realschule absolvierte er den wirtschaftlichen Schwerpunkt am Berufskolleg, weil er zunächst über eine Tätigkeit als Automobilverkäufer nachdachte. Doch während seiner Zeit bei der Bundeswehr, wo er unter anderem mit der Wartung und Pflege von Fahrzeugen beschäftigt war, wurde ihm klar: Seine Zukunft liegt stärker im technischen Bereich.
Die Entscheidung fiel auf ein Studium der Fahrzeugtechnik an der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Der Studiengang verband technische Inhalte mit didaktischen Elementen: eine Kombination, die später für seinen weiteren Karriereweg wichtig werden sollte. Schon damals beschäftigte sich Diedler mit der Frage, wie Wissen vermittelt und weitergegeben werden kann.
Vom Unfallanalytiker zum Prüfingenieur
Nach seinem Bachelorabschluss entdeckte Diedler das Berufsbild des Prüfingenieurs Fahrzeuge (m/w/d). Der Kontakt zu diesem Tätigkeitsfeld war bereits durch das Autohaus seines Vaters entstanden, in dem regelmäßig Prüfingenieure Fahrzeuge begutachteten. „Mich hat schon immer fasziniert, wenn der Prüfingenieur gekommen ist, sich die Fahrzeuge angeschaut und entschieden hat, ob die Prüfplakette erteilt werden kann oder nicht.“
Sein Einstieg bei DEKRA erfolgte zunächst als Unfallanalytiker in der Niederlassung Reutlingen. Dort erstellte er Gutachten zu Unfallhergängen, untersuchte Aufprallgeschwindigkeiten und bewertete Messungen aus Geschwindigkeitskontrollen. Nach rund einem Jahr begann er seine Ausbildung zum Prüfingenieur Fahrzeuge/ Kfz-Sachverständigen im DEKRA Bildungszentrum Wart.
DEKRA setzt im Fahrzeugprüfwesen bewusst auf eigene Bildungsstrukturen. Zwei große Bildungszentren (im südwestdeutschen Wart sowie im sächsischen Kreischa) bilden das Herzstück der Qualifizierung. Weil der Bedarf an Prüfingenieurinnen und Prüfingenieuren kontinuierlich wächst, wurde die Grundausbildung inzwischen zusätzlich auf den Standort Köln ausgeweitet. Damit schafft DEKRA die Grundlage für die Qualifizierung neuer Prüfingenieurinnen und Prüfingenieure sowie für die kontinuierliche Weiterbildung im Fahrzeugprüfwesen.
Nach seiner Ausbildung arbeitete Diedler mehrere Jahre als Prüfingenieur. Er führte Hauptuntersuchungen durch, war an Prüfstützpunkten im Einsatz und qualifizierte sich zusätzlich zum Regionalen Begutachter für Einzelgenehmigungen, wodurch er befähigt wurde, Einzelabnahmen bei Umbauten oder Importfahrzeugen zu begutachten und Gutachten zur Erteilung der Betriebserlaubnis zu erstellen. Für ihn war Weiterbildung nie Pflichtprogramm, sondern Teil seiner persönlichen Entwicklung.
„Ich hatte nie den Anspruch, mein Leben lang das Gleiche zu machen. Ich wollte mich weiterentwickeln und neue Perspektiven kennenlernen“, sagt Diedler.
Weiterbildung als Motor der Karriere im Fahrzeugprüfwesen
Dieser Wunsch führte ihn schließlich von der praktischen Prüftätigkeit an den DEKRA Hauptsitz nach Stuttgart. Dort arbeitete er zunächst im Qualitätsmanagement der technischen Leitung. Ende 2024 übernahm er schließlich die Leitung der internen Aus- und Weiterbildung für das Fahrzeugprüfwesen.
Heute verantwortet er die fachliche Qualifizierung der Prüfingenieurinnen und Prüfingenieure deutschlandweit. Dazu gehören die Steuerung der Bildungszentren, die Planung neuer Qualifizierungsangebote sowie die Planung und fachliche Absicherung der gesetzlich vorgeschriebenen Weiterbildungen.
Besonders wichtig ist ihm der Praxisbezug. Statt ausschließlich auf externe Trainer:innen zu setzen, kommen viele Referentinnen und Referenten direkt aus den Niederlassungen und bringen ihre tägliche Erfahrung in die Seminare ein.
„Wenn jemand aus der Praxis kommt, die Herausforderungen kennt und erklären kann, warum ein Thema im Alltag relevant ist, entsteht ein ganz anderer Austausch.“
Rund 200 Lehrbeauftragte engagieren sich deutschlandweit zusätzlich zu ihrer eigentlichen Tätigkeit in der Grundausbildung und Weiterbildung im Fahrzeugprüfwesen. Unterstützt werden sie von fest angestellten Referentinnen und Referenten, die insbesondere die Grundausbildung übernehmen sowie die Lehr- und Lernmaterialen erstellen und überarbeiten.
Re-skilling eröffnet neue Chancen
Während viele Industrieunternehmen derzeit Stellen abbauen, entwickelt sich das Fahrzeugprüfwesen in die entgegengesetzte Richtung. Die Nachfrage nach qualifizierten Prüfingenieurinnen und Prüfingenieuren bleibt hoch. Die Zahl der Fahrzeuge wächst ebenso wie ihre technische Komplexität. Gleichzeitig sorgen gesetzliche Vorgaben dafür, dass Hauptuntersuchungen dauerhaft gefragt bleiben.
Für Diedler ist das eine große Chance – gerade für Ingenieurinnen und Ingenieure, die sich beruflich neu orientieren möchten.
„Wir haben Kolleginnen und Kollegen, die mit über 50 Jahren noch einmal einen Neustart machen und sagen: Ich möchte mich verändern und einen sicheren Arbeitgeber mit langfristigen Perspektiven finden.“
Etwa 80 % der Neueinsteiger:innen kommen direkt von Hochschulen. Gleichzeitig wechseln zunehmend erfahrene Fachkräfte aus der Automobilindustrie oder anderen technischen Branchen zu DEKRA. Sie bringen wertvolle Berufserfahrung mit und finden im Fahrzeugprüfwesen neue Entwicklungsmöglichkeiten.
Neben Fahrzeugtechnik, Maschinenbau oder Elektrotechnik eröffnet DEKRA auch andere Wege. Meister und Techniker können berufsbegleitend studieren, duale Studiengänge führen direkt in den Beruf des Prüfingenieurs Fahrzeuge/ Kfz Sachverständigen (m/w/d). Wer Prüfingenieur:in werden möchte, findet damit unterschiedliche Einstiegs- und Qualifizierungswege.
Technik verändert sich – der Mensch bleibt entscheidend
Künstliche Intelligenz verändert derzeit zahlreiche Ingenieurberufe. Auch das Fahrzeugprüfwesen entwickelt sich technologisch rasant weiter. Im Berufsbild des Prüfingenieurs Fahrzeuge/ Kfz Sachverständigen (m/w/d) sieht Diedler die Entwicklung jedoch differenziert. Moderne Assistenzsysteme, Sensorik und KI werden die Arbeit unterstützen, aber ersetzen werden sie den Menschen aus seiner Sicht nicht.
Der Grund liegt im Berufsbild selbst. Fahrzeugprüfung bedeutet weit mehr, als Daten auszulesen oder Messwerte zu analysieren. Viele Entscheidungen beruhen auf Erfahrung, technischer Einschätzung und dem sogenannten sachverständigen Ermessen.
„Ich gehe unter das Fahrzeug, prüfe Bauteile mit der Hand und bewerte ihren Zustand. Genau dieses Zusammenspiel aus Erfahrung, Wahrnehmung und technischer Einschätzung kann eine Maschine nicht ersetzen“, erklärt er. Natürlich werde KI künftig helfen, Prüfprozesse effizienter zu gestalten oder Assistenzsysteme auszuwerten. Doch ob ein Bauteil sicherheitsrelevant verschlissen ist oder ein Mangel tatsächlich vorliegt, müsse weiterhin ein Mensch beurteilen.
„KI wird uns unterstützen, aber sie wird den Beruf des Prüfingenieurs Fahrzeuge (m/w/d) nicht ersetzen“, da ist Diedler sicher.
Im Gegenteil: Je komplexer Fahrzeuge werden, desto wichtiger werde fundiertes Fachwissen. Neue Technologien machten den Beruf nicht überflüssig, sondern anspruchsvoller.
Technik trifft Menschen
Gerade diese Mischung macht den Beruf für Diedler so besonders. Jeder Arbeitstag bringt andere Fahrzeuge, andere Fragestellungen und andere Menschen mit sich: vom Motorrad über den Familienwagen bis zum Nutzfahrzeug.
Neben technischem Verständnis seien deshalb auch soziale Kompetenzen gefragt. Prüfingenieurinnen und Prüfingenieure müssten technische Sachverhalte verständlich erklären und Kundinnen und Kunden auch dann souverän begleiten, wenn Mängel festgestellt werden.
„Es geht darum, den Menschen ein gutes Gefühl zu geben. Auch wenn ein Fahrzeug Mängel hat, sollten die Kundinnen und Kunden verstehen, warum sie sicherheitsrelevant sind.“
Familie und Beruf gehören zusammen
Mitten im Interview meldet sich im Hintergrund Diedlers jüngster Sohn. Der Vater von drei Kindern unterbricht das Gespräch kurz, kümmert sich um den Einjährigen und setzt das Interview wenig später fort. Am Nachmittag wartet bereits die Feier zum ersten Geburtstag des Kleinen. Die Szene wirkt unspektakulär und gerade deshalb authentisch. Für Diedler gehören Karriere als Prüfingenieur, Führungsverantwortung und Familie selbstverständlich zusammen.
Prüfingenieurinnen und Prüfingenieure organisieren ihren Arbeitstag vielfach eigenverantwortlich. Teilzeitmodelle und flexible Arbeitszeiten gehören ebenso dazu wie individuelle Lösungen, wenn familiäre Verpflichtungen anstehen.
„Es wird viel getan, damit Beruf und Familie zusammenpassen. Natürlich muss der Betrieb funktionieren. Aber gleichzeitig wird versucht, auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden einzugehen.“
Für Diedler selbst ist diese Flexibilität längst selbstverständlich, genauso wie die Möglichkeit, Verantwortung im Beruf zu übernehmen und gleichzeitig Zeit für die Familie zu haben.
Karriere mit Perspektive
Was ihn persönlich seit vielen Jahren bei DEKRA hält? Für Diedler ist es die Kombination aus fachlicher Entwicklung, Sicherheit und einer familiären Unternehmenskultur.
Flache Hierarchien eröffnen vielfältige Karrierewege. Viele Führungskräfte haben selbst als Prüfingenieure begonnen. Gleichzeitig können sich Mitarbeitende fachlich spezialisieren – beispielsweise im Bereich Technischer Dienst oder als technische Kommissare im Motorsport.
Sein eigener Weg zeigt, dass Karriere nicht geradlinig verlaufen muss. Entscheidend sei die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln und Chancen zu nutzen.
Seine Botschaft richtet sich deshalb an Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger ebenso wie an erfahrene Ingenieurinnen und Ingenieure: „Man sollte den Mut haben, einen Neuanfang zu wagen. Gerade wenn man sich fragt: Was möchte ich eigentlich noch erreichen? Wer offen bleibt, sich weiterbildet und Freude an Technik und am Umgang mit Menschen hat, findet hier langfristige Perspektiven.“
Für Max Diedler ist DEKRA deshalb weit mehr als ein Arbeitgeber. Es ist ein Ort, an dem Weiterbildung, Entwicklung und Zukunftssicherheit zusammenkommen und das unabhängig davon, ob jemand am Anfang seiner Karriere steht oder nach vielen Berufsjahren noch einmal bewusst einen neuen Weg als Prüfingenieur:in im Fahrzeugprüfwesen einschlagen möchte.