Die Zeit vergeht dann wie im Flug
Der Wechsel an die Hochschule war für Prof. Dr. Henning Kalis ideal. Als Professor kann der leidenschaftliche Wissenschaftler seine eigene Forschung vorantreiben und gleichzeitig jungen Menschen die Faszination für die Physik weitergeben.
Prof. Dr. Henning Kalis im Gespräch mit Studierenden: „Für mich eines der schönsten Dinge“.
Foto: FH Dortmund/Mike Hennig
Wie erleben Sie Ihre Arbeit als Professor?
Als Professor kann ich mein Umfeld mitgestalten, Wissen weitergeben und mich intensiv mit Themen beschäftigen, die mich wirklich interessieren. Und ich bringe Studierenden Physik bei, das ist eines der schönsten Dinge, die ich mir beruflich vorstellen kann. Außerdem arbeite ich eigenverantwortlich und bestimme mein Arbeitstempo weitgehend selbst.
War eine Professur schon immer Ihr Ziel?
Die Idee hatte mich schon kurz nach meinem Studienabschluss beschäftigt. Aber ich wollte erst mal Berufserfahrung in der Industrie sammeln. Als sich dann die Möglichkeit ergab, in meiner Heimat eine Professur anzutreten, war für mich klar: Wenn ich das nicht jetzt mache, dann wahrscheinlich nie.
Fiel Ihnen die Umstellung schwer?
Nein. Die Arbeitsweise an der Hochschule ist für mich deutlich angenehmer als in der Industrie, wo oft Kundenanforderungen und enge Zeitpläne den Alltag bestimmen. Besonders positiv überrascht hat mich der Onboarding-Prozess am Fachbereich Maschinenbau. Es gibt für alle Fragen Ansprechpartner*innen und eine große Hilfsbereitschaft im Kollegium.
Natürlich gibt es auch Herausforderungen, zum Beispiel die Einarbeitung in neue Systeme oder die Aufgabe, komplexe Inhalte verständlich zu vermitteln und Studierende für bestimmte Themen zu begeistern – das lässt sich nicht nach Lehrbuch lösen. Hier lernt man vor allem durch Ausprobieren und Erfahrung.
Insgesamt hat sich für mich die Balance zwischen Unterstützung und Eigenverantwortung als zielführend erwiesen. Besonders schätze ich die Möglichkeit, mich intensiv und ungestört mit fachlichen Fragestellungen zu beschäftigen. Es gibt Momente, in denen ich an einer Vorlesung arbeite oder ein physikalisches Problem durchdenke und völlig in die Aufgabe, in einen Tunnel, eintauche. Die Zeit vergeht dann wie im Flug. In der Industrie war das schwieriger, weil der Arbeitsalltag häufig von Meetings und organisatorischen Aufgaben geprägt war.
Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit den Studierenden?
Sehr positiv und vielfältig. Entscheidend ist aus meiner Sicht, allen gegenüber offen, transparent und fair zu sein. Wenn man Studierende ernst nimmt und nachvollziehbar handelt, wissen sie das zu schätzen.
Wie begeistern Sie sie für Ihre Themen?
Mir ist wichtig, dass Studierende selbst aktiv werden. Ich vermittle die theoretischen Grundlagen und lasse die Studierenden anschließend experimentieren. Wir haben beispielsweise die Höhe eines Gebäudes mithilfe von Luftdruckmessungen bestimmt. Die Studierenden haben mit ihren Smartphones Messdaten gesammelt, Einflussfaktoren untersucht und die Ergebnisse ausgewertet. Solche Formate fördern das Verständnis und zeigen, wie spannend Physik im Alltag sein kann.
Welche Rolle spielt die Forschung?
Forschung ist für mich ein zentraler Bestandteil der Professur. Aktuell liegt der Schwerpunkt stark auf der Lehre und auf der Weiterentwicklung und Akkreditierung von Studiengängen. Gleichzeitig bietet dieser Prozess spannende Gestaltungsmöglichkeiten: Gemeinsam mit Kolleg*innen überlegen wir, wie unser Studiengang in den kommenden Jahren aussehen soll und welche Kompetenzen Studierende künftig benötigen.
Langfristig möchte ich meine Forschung ausbauen. Besonders spannend finde ich, Methoden aus einem Fachgebiet auf Fragen in einem anderen Bereich anzuwenden und zu prüfen, welche Erkenntnisse daraus entstehen können.
Wie können Sie Beruf und Familie vereinbaren?
Die Vereinbarkeit hat sich für mich deutlich verbessert, seit ich an der FH Dortmund bin. In meiner früheren Führungsposition war eine hohe Präsenz im Unternehmen selbstverständlich. Heute bin ich flexibler. Wenn mein Sohn krank ist oder familiäre Aufgaben anstehen, lässt sich der Arbeitstag anpassen. Ob ich eine Vorlesung am Vormittag vorbereite oder am Abend, spielt häufig keine Rolle. Diese Flexibilität hilft uns als Familie sehr – insbesondere, weil meine Frau ebenfalls in Vollzeit arbeitet.
Abbinder:
Sie interessieren sich für eine Professur als Karriereweg? Ausführliche Informationen dazu finden Sie auf der Website der FH Dortmund: www.fh-dortmund.de/professur