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Ausgewählte Ausgabe: 06-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Umbruch in der Fertigungsbranche

Die vierte industrielle Revolution ist „in vollem Gange“. Für die Fertigungslandschaft bedeutet das, einem grundlegenden Wandel standzuhalten. Die Relevanz des Internets der Dinge (IoT) für Unternehmen und auch als Treiber von Industrie 4.0 ist deutlich gestiegen. Die Betriebe haben erkannt, dass ein hoher Effizienz- und Wettbewerbsdruck sowie steigende Flexibilitätsanforderungen Investitionen in IoT-Projekte erfordern.


Bild 1.  Industrie 4.0 wird die Geschäftsmodelle in der Fertigung langfristig verändern.

Bild 1.
Industrie 4.0 wird die Geschäftsmodelle in der Fertigung langfristig verändern.

In der Praxis sind viele Fertigungsunternehmen, Bild 1 – verglichen etwa mit Unternehmen in der Logistikbranche – noch Nachzügler in Sachen Vernetzung und IoT-Erfahrung. Dies wird in einer Trendstudie des Marktforschungsunternehmens PAC deutlich: 48 % der Logistiker gaben an, ihre Anlagen bereits standortübergreifend vernetzt zu haben. Unter den Fertigungsbetrieben sagten dies nur 13 %. Logistikunternehmen haben darüber hinaus bereits mehr IoT-Projekte umgesetzt und abgeschlossen als Fertigungsunternehmen.

Geschäftsmodelle anpassen

Eines ist sicher: Industrie 4.0 wird Geschäftsmodelle in der Fertigung langfristig verändern. Wie können Fertigungsunternehmen angesichts dieser Entwicklung das IoT nutzen, um ihre Geschäftsmodelle nachhaltig und zukunftsfähig zu machen? Wie können sie die vierte industrielle Revolution überstehen und ihre Marktrelevanz gegenüber Wettbewerbern behaupten?
Fünf Trends haben sich in der Fertigungsindustrie manifestiert, die das Geschäft signifikant verändern werden.

Service-Transformation

Unternehmen führen immer mehr Servicekomponenten ein, um ihr Portfolio aufzurüsten und langfristige Kundenbindungen zu fördern. Sie entwickeln neue Dienste zu bestehenden Produkten, um ein komplettes Dienstleistungs-Ökosystem aufzubauen, das statt Einmalkontakten dauerhafte Kundenbeziehungen schafft.

Everything-as-a-Service

„Software-as-a-Service“ war nur der Anfang. Branchenübergreifend wechseln Unternehmen von Geschäftsmodellen, die auf Produktbesitz basieren, zu nutzungsbasierten Modellen. Fertigungsbetriebe verkaufen also zunehmend Ergebnisse und Services anstelle von Produkten, etwa Mobilität statt Autos. Kunden zahlen dann nur so lange für einen Service, wie sie ihn benötigen, wodurch Lagerungs- und Wartungskosten auf den Hersteller übertragen werden. Diese kundenspezifisch flexiblen Dienstleistungen sind eng verknüpft mit einer Individualisierung.

Individualisierung

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Bild 2.
Individualisierte Produkte führen zu einer hohen Komplexität in der Fertigung. Dies erfordert leistungsfähige Systeme, um die große Datenflut effizient zu verarbeiten.

Heute verlangen Kunden auf ihre spezifischen Anforderungen zugeschnittene Produkte und Services. Das macht Massenproduktion obsolet und veranlasst Hersteller dazu, ihr Geschäftsmodell vom Prinzip „wir verkaufen, was wir produzieren“ auf „wir produzieren, was wir verkaufen“ umzustellen. Doch die Kombinationsmöglichkeiten hunderter oder gar tausender Optionen und Eigenschaften für individualisierte Produkte führen zu enormer Komplexität in der Fertigung, Bild 2. Dies erfordert leistungsfähige und zuverlässige Systeme, um die große Datenflut korrekt und effizient verarbeiten zu können.

Hyper-Wettbewerb

 In der Fertigungsbranche ist ein Wandel im Wettbewerbsumfeld zu beobachten: Massiv steigender Konkurrenzdruck geht mit einem zunehmendem „War for Talents“ einher. Laut Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) übersteigt das Angebot an Ausbildungsplätzen seit neun Jahren stets die Nachfrage – 2015 gab es beispielsweise 563 054 Ausbildungsplätze, jedoch nur 542 806 Bewerber. 30 % der Industrie-Unternehmen konnten laut dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nicht alle freien Ausbildungsstellen besetzen, wobei die meisten Unternehmen dies mit einem Mangel an geeigneten Bewerbern erklärten. Wenn Talente schwierig zu finden sind, konkurrieren Unternehmen folglich nicht nur um Kunden und Marktanteile, sondern auch um qualifizierte Mitarbeiter, die ihre Zukunft in einer digitalisierten Welt sichern.

Digitale Konvergenz

 Die Produktions- und Lieferkette verlagert sich immer mehr auf die digitale Ebene, sodass viele neue Produkte und Dienste Technologien wie RFID, Wlan, Ortungs- oder Videotechnologie einschließen. Die daraus resultierenden diversen Daten werden zusammengeführt und schließlich für eine Vielzahl von Geräten und Anwendungen nutzbar gemacht. So werden die physische und die digitale Welt durch das IoT zunehmend miteinander vernetzt. Gartner erwartet bis Ende 2017 8,4 Milliarden „vernetzte Dinge“ im Consumer- und Businessumfeld, bis 2020 sogar mehr als 20 Milliarden. Branchenspezifische IoT-Anwendungen werden laut der Studie die Nutzung von IoT auch in der Fertigungsindustrie weiter vorantreiben.

Komplexität wirkt abschreckend

Mindestens einer dieser fünf Trends betrifft jedes Fertigungsunternehmen. Momentan wirkt das IoT für viele von ihnen noch wie ein mysteriöser, undurchdringlicher „Dschungel“ und viele IoT-Projekte werden aufgrund ihrer Komplexität und eines Mangels an Know-how unterbrochen oder verzögert. Dabei sollten Unternehmen die Herausforderungen unbedingt annehmen. Das IoT verbindet Hersteller mit Lieferanten, Kunden, ihren eigenen Mitarbeitern sowie Maschinen und Gütern entlang der gesamten Produktionskette und bietet ihnen so Echtzeit-Transparenz über alle Betriebsprozesse.
Das IoT hilft Fertigungsunternehmen, ihren Service zu verbessern und auszubauen. Beispielsweise erlaubt es ihnen, schneller auf Anfragen oder Probleme zu reagieren – und das trägt zu höherer Kundenzufriedenheit und nachhaltiger Bindung bei. Daher werden Unternehmen, die das IoT nutzen, von den Trends „Service-Transformation“ und „Everything-as-a-Service“ sogar profitieren. Zudem existieren bereits leistungsfähige IoT-Plattformen, die die nötige Infrastruktur bieten, um riesige Datenmengen zu verarbeiten und zu integrieren. Diese Plattformen sind unerlässlich zum Abbau der Komplexität, die etwa aus der Massen-Individualisierung von Produkten resultiert.
Letztlich verändert das IoT Geschäftsmodelle nicht nur, es macht sie auch besser und widerstandsfähiger, denn zu seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten gehört auch die vorausschauende Wartung und eine damit verbundene Reduktion von Produktionsausfällen. Das erhöht die Produktivität und senkt gleichzeitig die Betriebskosten.

Chancen nutzen

Fertigungsunternehmen sollten sich auf die Vorteile der Digitalisierung konzentrieren und angesichts kurzfristiger IoT-Herausforderungen nicht „den Kopf in den Sand stecken“. Stattdessen sollten sie das IoT als unverzichtbares Werkzeug betrachten, das sie mit praxisorientierten Erkenntnissen versorgt und Produktivitätsgewinne möglich macht – und das ihnen den Wettbewerbsvorteil bietet, den sie brauchen, um in einem extremen Wettbewerbsumfeld zu überleben. So lassen sich die langfristigen Herausforderungen von Industrie 4.0 erfolgreich meistern.

Ralf Schulze

Autoren

 Ralf  Schulze

Manufacturing Lead EMEA bei Zebra Technologies, München

Lösungen für zahlreiche Branch...

Zebra Technologies ist ein weltweit führender Anbieter von Identifikationstechnologien und Echtzeit-Lösungen für Unternehmen. Das Angebot umfasst Mobilcomputer, Barcode-Scanner und Drucker für verschiedene Branchen wie Einzelhandel, Fertigungs-, Transport- und Logistikbranche oder Gesundheitswesen. Daneben bietet Zebra Komplett-Lösungen aus Hardware, Software und Analytics, die verschiedene Identifikationstechnologien kombinieren, etwa RFID (Radio Frequency Identification)-Sensoren, Kamera- und Ortungstechnologien. Damit können beispielsweise Produkte, Pakete, Teile und Geräte in Echtzeit über die gesamte Produktions- und Lieferkette oder innerhalb von Geschäften nachverfolgt werden.

Zebra Technologies Germany GmbH, Ernst-Dietrich-Platz 2, 40882 Ratingen, Tel. 069 / 5007 3865, E-Mail: germany@zebra.com, Internet: www.zebra.com

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