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Ausgewählte Ausgabe: 06-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Nutzung der additiven Fertigung in allen industriellen Bereichen

In der Industrie wurde der 3D-Druck bislang hauptsächlich für das Rapid Prototyping oder die Erstellung von Nischenprodukten genutzt. Der Dienstleister Protiq aus Blomberg eröffnet neue Einsatzmöglichkeiten: So lassen sich beispielsweise durch Topologieoptimierung leichtere Werkzeuge herstellen, während ein selbst entwickelter Werkstoff die Fertigung hochleitfähiger Kupferbauteile erlaubt.


ZB 768 Protiq 1 BU

Bild 1.
Werkzeuglose Erstellung eines Bauteils durch Lasersintern: Auch neue Werkstoffe für die additive Fertigung werden bei Protiq entwickelt, zum Beispiel für hochleitfähige Kupferbauteile wie Induktoren.

Beim industriellen 3D-Druck, ebenfalls als additive Fertigung bezeichnet, werden die Bauteile schichtweise durch Materialzugabe aufgebaut. Dabei lassen sich sowohl Kunststoffe und Metalle als auch andere Materialien verarbeiten. Im Gegensatz zu vielen konventionellen Produktionstechnologien – beispielsweise dem Drehen, Fräsen oder Erodieren – wird kein Material abgetragen, sondern gezielt hinzugefügt. Die schichtweise Erstellung der Produkte erlaubt eine schnelle, materialsparende und individuelle Fertigung, Bild 1.
Zudem eröffnet der 3D-Druck neue Ansätze im Produktdesign. Fertig montierte bewegliche Bauteile können beispielsweise direkt gedruckt werden, sodass sich der Prozessschritt der Montage entsprechend reduziert oder ganz entfällt. Durch „Funktionsintegration“ lassen sich also mehrere Elemente einer Baugruppe zu einem einzelnen Bauteil zusammenfügen.

Produktkonfiguration auf einer Online-Plattform

Als eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Elektrotechnik, Elektronik und Automation stellt Phoenix Contact aus Blomberg seit 1923 innovative Komponenten, Systeme und Lösungen für alle industriellen Branchen zur Verfügung. Das Portfolio umfasst Reihen-, Sonder- und Printklemmen, Steckverbinder, Kabelanschlusstechnik und Installationszubehör, elektronische Interfaces und Stromversorgungen, Automatisierungssysteme, Safety- und Security-Lösungen, Überspannungsschutz sowie zahlreiche Software-Tools.
Die im Familienbesitz befindliche Gruppe wendet die additive Fertigung bereits seit 2010 an, um Prototypen, Funktionsmuster, Formwerkzeuge, Spritzgießformen und Einsätze für Spritzgießwerkzeuge herzustellen. Aufgrund der langjährigen positiven Erfahrungen mit dem industriellen Einsatz des 3D-Drucks hat Phoenix Contact im September 2016 das Start-up Protiq gegründet.
Das junge Unternehmen bedient den schnellen und disruptiven Markt der additiven Fertigung, indem die jeweiligen Teile im Kundenauftrag produziert werden. Dazu werden die umfassenden Erfahrungen in der fortschrittlichen Anlagentechnik mit der kompetenten Betreuung der Kunden von der Idee bis zum fertigen Bauteil über den gesamten Prozess kombiniert. Damit die Geschwindigkeit der neuen Fertigungstechnik nicht durch den konventionellen Bestellvorgang verlangsamt wird, haben die Mitarbeiter eine durchgehende digitale Online-Plattform geschaffen, Bild 2.

Bild 2.  Auf der Online-Plattform können die Kunden ihre Produkte konfigurieren und erhalten sofort eine Auskunft über die Produktionskosten und die Lieferzeit.

Bild 2.
Auf der Online-Plattform können die Kunden ihre Produkte konfigurieren und erhalten sofort eine Auskunft über die Produktionskosten und die Lieferzeit.

„Durch den 3D-Druck sind wir in der Lage, neue Produkte über Nacht herzustellen. Deshalb muss sich der Bestellprozess genauso schnell gestalten“, erklärt Dr. Ralf Gärtner, Geschäftsführer von Protiq. „Unsere Kunden können ihre Produkte online konfigurieren und erhalten sofort eine Auskunft über die Produktionskosten und die Lieferzeit“. Dazu wählen sie auf der Online-Plattform das Material und die gewünschten Oberflächen-Eigenschaften selbständig aus. Das Produkt kann auf Wunsch auch in einem beliebigen RAL-Ton lackiert werden. Nach Abschluss des Bestellvorgangs wird die Herstellung automatisch angestoßen und der Kunde fortlaufend über den aktuellen Zustand seines Auftrags informiert.

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Autoren

Dr.  Ralf  Gärtner

ist Geschäftsführer bei Protiq in Blomberg.

 Johannes Lohn

ist Technologiemanager Additive Fertigung bei Protiq in Blomberg

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