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Ausgewählte Ausgabe: 04-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Muster in der Datenmasse erkennen

Gefahrlose Kollaboration zwischen Mensch und Roboter, sich selbst organisierende Regalsysteme oder Energieverbrauch-Messungen übers Tablet sind im Bereich Digitalisierung drei beispielhafte Entwicklungen des Maschinen- und Anlagenbauers Schnaithmann Maschinenbau.


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Bild 1.
Nicole Reetz, Entwicklungsingenieurin Robotik bei Schnaithmann, beschäftigt sich mit dem Thema Mensch-Roboter-Kollaboration. Per Tablet überwacht sie den Energieverbrauch.

Industrie 4.0: Kein Begriff erregt die Debatte über die Zukunft der Produktion mehr als die digitale Vernetzung. Doch über die Kompetenz, unterschiedliche Systeme miteinander zu verbinden, verfügt Schnaithmann schon länger. „Durch das Internet haben wir heute nur deutlich mehr Möglichkeiten, vorhandene Daten sinnvoll zusammenzubringen“, sagt Entwicklungsleiter Volker Sieber. Sensoren, die Daten liefern, sind im Hause nichts Neues. Vieles davon sei aber bisher „versandet“. Diese Daten besser nutzbar zu machen zählt zu den Aufgaben des Maschinenbau-Ingenieurs.

Anwendungsbeispiel

Er und sein Team arbeiten gerade an der Überwindung fixer Regalsysteme in Fertigungslinien: mithilfe einzelner Würfel („Cubes“), die sich um 90° drehen lassen und daher quasi in alle Richtungen beweglich sind. Vergleichbar mit einem Schiebepuzzle, können sich die Kunststoffbehälter darauf selbstständig fortbewegen und anordnen. Jeder Behälter ist mit einem Barcode oder RFID-Tag ausgestattet. Per WLAN oder Bluetooth können sie auch untereinander kommunizieren, egal wo sie in einer Fabrik gerade stehen.
Größe, Sprache oder spezifische Eigenheiten des Werkers kann das System ebenfalls erkennen. Wenn sich etwa jemand den rechten Arm gebrochen hat, laufen die Kunststoffbehälter automatisch alle auf die linke Seite. Das Ganze wird kombiniert mit einer „intelligenten“ Kamera, die erkennt, wenn Kisten leer sind – und dann Waren selbständig im Lager nachbestellt. Die Kisten begeben sich dann automatisch in eine günstige Abholposition für einen mobilen Transportroboter, der wiederum eigenständig für Nachschub sorgt.

Selbstkonfigurierendes System

Letztlich soll dadurch ein „autarkes, selbstkonfigurierendes Regelsystem“ entstehen. Kaum ein menschlicher Eingriff sei für die Organisation mehr nötig. Außer natürlich zur Kontrolle, denn „auf solche Systeme würde ich mich nie blind verlassen.“ Vor rund zehn Jahren habe sich das Verhältnis gedreht, erklärt Sieber. War bis dahin der industrielle Bereich stets führend, so hat seitdem das Konsumenten-Segment bei der digitalen Innovation „die Nase vorn“. Heute lernt die Industrie von digitalen Anwendungen, die Verbraucher längst von zu Hause kennen – und überträgt sie in die Fabrik.
 Die Technik sei inzwischen vergleichsweise billig zu haben. Dafür werde die Produktion aber auch software-lastiger und letztlich anfälliger. Big Data, also die gesteigerte Datenmenge an sich, ist heute nicht mehr das Problem: „Entscheidend ist es, Muster zu erkennen.“

Gefahrloser Robotereinsatz

Die Vernetzung findet bei Schnaithmann aber nicht nur im Hause statt, sondern auch horizontal über der Lieferkette: „Verlässliche Partnerschaften in der Industrie werden immer wichtiger.“ Etwa bei der Kollaboration zwischen Mensch und Roboter. Das Unternehmen kooperiert in diesem Bereich mit dem Augsburger Roboterhersteller Kuka. Ziel ist es, die Sicherheit im Umgang mit den immer intelligenteren Maschinen zu gewährleisten.
„Gefahren für den Menschen müssen ausgeschlossen werden“, erklärt Nicole Reetz, Bild 1. Die 24-jährige Maschinenbauerin hat ihre Bachelorarbeit bei Schnaithmann, Bild 2, geschrieben.

Bild 2.  Anlage bei der Montage: Von der Ideenfindung bis hin zur Inbetriebnahme einer kompletten Transferanlage werden alle Leistungen „aus einer Hand“ geboten.

Bild 2.
Anlage bei der Montage: Von der Ideenfindung bis hin zur Inbetriebnahme einer kompletten Transferanlage werden alle Leistungen „aus einer Hand“ geboten.

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Systeme aus dem Baukasten

Schnaithmann Maschinenbau stellt in Remshalden in der Nähe von Stuttgart Transfer- und Montageanlagen für Automations-,  Montage-,  Materialfluss-  und  Handhabungsaufgaben her. Das Erfolgsrezept des 1985 von Karl Schnaithmann  gegründeten  Unternehmens  ist  die  Entwicklung  zweier  Systeme  nach  dem  Baukastenprinzip: Modulare Transfersysteme für unterschiedlichste Anwendungen, die eine große Auswahl an Bandsystemen bieten, und flexible Profilsysteme, die in einem kompletten Baukastensystem Komponenten für Zuführung und Montagetechnik umfassen. Durch die Kombination beider Systeme entstehen  maßgeschneiderte  kundenspezifische  Lösungen. Das Familienunternehmen hat heute 230 Mitarbeiter und beliefert Kunden in aller Welt.
Schnaithmann Maschinenbau GmbH, Fellbacher Str. 49, 73630 Remshalden, Tel. 07151 / 9732-0, Fax -190, E-Mail: info@schnaithmann.de, Internet: www.schnaithmann.de

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