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Ausgewählte Ausgabe: 03-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Riskante Strukturen in globalen Produktionsnetzwerken erkennen

Die Globalisierung führt die Märkte weltweit näher zusammen und verschärft den Wettbewerb. Um konkurrenzfähig zu bleiben, bauen viele Fertigungsunternehmen globale Produktionsnetzwerke auf, die aber hauptsächlich oft nur nach Kostengesichtspunkten geplant sind. Diese rein kostengetriebene Auslegung kann jedoch bei Eintritt von Risiken zu hohen finanziellen Verlusten oder Fertigungsausfällen des gesamten Produktionsnetzwerks führen. Daher empfiehlt es sich, eine Risikobetrachtung als weitere Entscheidungsdimension zu ergänzen.


Bild 1.  Die Gestaltung globaler Produktionsnetzwerke ist eine komplexe Aufgabe. Eine benutzerfreundliche Hilfestellung kann hier die Lösung „OptiWo“ geben.

Bild 1.
Die Gestaltung globaler Produktionsnetzwerke ist eine komplexe Aufgabe. Eine benutzerfreundliche Hilfestellung kann hier die Lösung „OptiWo“ geben.

Die Herausforderung hierbei ist, die große Menge an Informationen und Interdependenzen, die im Spannungsfeld zwischen Kosten und Risikoabsicherung auftreten, transparent zu machen, Bild 1. Möglich wird dies durch ein effizientes Visualisierungstool, welches eine schnelle Übersicht über die komplexen Zusammenhänge erlaubt.

Ausgangssituation

Kürzere und schnellere Transport- und Kommunikationswege, der stetige Rückgang von Kommunikations- und Transportkosten sowie Freihandelszonen treiben die Globalisierung immer weiter voran. Die sich damit eröffnenden Absatzmärkte bringen sowohl neue Wettbewerber als auch Kostenstrukturen anderer Regionen mit sich. Der sich damit verschärfende Wettbewerb zwingt Unternehmen zum Aufbau neuer Produktionsstandorte, um die Potentiale in Absatzmärkten und Kostenstrukturen zu nutzen [1].
Um Produktionsnetzwerke nach komplementären Kostenvorteilen zu errichten, rückt das Ausschöpfen von Skaleneffekten in den Fokus. Diese Skaleneffekte werden über eine prozessorientierte Netzwerkausrichtung („Process Plant“) erreicht, bei der jeder Standort für einen anderen Prozess zuständig ist. Eine kritische Wertschöpfungsverteilung kann hierbei die Folge sein, sodass der Ausfall eines einzelnen Fertigungsstandorts zum Ausfall des gesamten Produktionsnetzwerks führt.
Wie ein unvorhersehbares Ereignis ein gesamtes Produktionsnetzwerk zum Erliegen bringen kann, hat die Umweltkatastrophe im Jahr 2011 in Japan gezeigt. Toyota hatte Kernbauteile ausschließlich in der Region um Fukushima produziert. Die Folge dieses eintretenden Risikos und die fehlenden Kompensationsmöglichkeiten führten zu einem Einbruch der Produktionszahlen auf das Niveau von 1976, wodurch ein enormer Schaden für das Unternehmen entstand.
Das vermehrte Auftreten von politischen Unruhen und Naturkatastrophen – wie im Beispiel von Fukushima – veranschaulichen, dass Verluste in Bezug auf die Funktionalität der globalen Produktionsnetzwerke entstehen und somit eine rein kostenoptimierte Netzwerkauslegung unzureichend ist. Eine zusätzliche Risikobetrachtung ist daher als weitere Entscheidungsdimension zur Auslegung von globalen Produktionsnetzwerken notwendig, da die Gestaltung der Netzwerkstruktur (Lage und Ausbau der Standorte) einen enormen Einfluss auf die Risikoprävention hat [2–4].
Die Netzwerkkonfiguration ist durch die Vielzahl an Einflussfaktoren, die zur Kosten- und Risikobewertung notwendig sind, sehr komplex. Hinzu kommt, dass die Entscheidungssituation für die betroffenen Führungskräfte wegen des enormen Umfangs an Einflussfaktoren und möglichen Netzwerkkonfigurationen schwer überschaubar ist. Die Zeit, die dem strategischen Management zur Verfügung steht, ist zudem stark limitiert. Daraus entsteht die Notwendigkeit, den großen Umfang an Informationen zu verdichten, möglichst fundiert darzulegen und eine integrative Entscheidungsgrundlage im Spannungsfeld von Kosten und Risiken zu entwickeln.

Stand der Entwicklung

Mit der am WZL der RWTH Aachen entwickelten Software „OptiWo“ kann bereits die Struktur verschiedener Netzwerkkonfigurationen dargestellt werden. Da das Tool bisher die Kostendimension der Entscheidungssituation betrachtet, werden neben der Struktur die kostenbasierten Einflussfaktoren und Merkmale dargestellt. Eine Risikobetrachtung findet nicht statt [5; 6].
Der Begriff „Risiko“ findet in nahezu allen Lebenslagen Gebrauch, was dazu führt, dass eine Fülle verschiedener Interpretationen vorzufinden ist. Die genauere Spezifizierung ist somit notwendig, um diesen Begriff klar zu definieren [7]. So kann Risiko – in Bezug auf ein Netzwerk – als die Möglichkeit eines Verlustes oder einer schädlichen Folge verstanden werden [8].

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Autoren

Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt. Ing.  Günther Schuh

Jahrgang 1958, ist Mitglied des Direktoriums des Fraunhofer-Institut für  Produktionstechnologie IPT und des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) der RWTH Aachen.  Er ist hier und am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik IPT Mitglied des Direktoriums.

Dipl.-Wirt. Ing. M. Sc. Jan-Phillipp  Prote

Jahrgang 1986,  studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau an der RWTH Aachen sowie Industrial Engineering an der Tsinghua University in Peking. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am WZL und leitet die Gruppe Globale Produktion in der Abteilung Produktionsmanagement.

Dipl.-Wirt. Ing.  Carsten  Wittthohn

Jahrgang 1985, ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gruppe Globale Produktion tätig.

B. Sc. Andreas Offermann

Jahrgang 1990, ist im Rahmen seiner Abschlussarbeit zum B. Sc. in der Gruppe Globale Produktion tätig.

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