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Ausgewählte Ausgabe: 01-02-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Die Maschine alleine reicht nicht mehr


An die Produktion der Zukunft werden hohe Anforderungen gestellt: Sie muss „intelligent“, wandelbar, effizient und nachhaltig sein. Eine Optimierung der Wertschöpfungskette ist dafür unerlässlich. Dazu gehören Verfahrensintegration, Komplettbearbeitung und Automationstechnik. Zusehends wird das Thema intelligente Steuerungen und die digitale Einbindung von Maschinen immer wichtiger.
Betrachtet man für die Werkzeugmaschinenindustrie die Verbrauchszahlen des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) der letzten Jahre, so fällt auf, dass sich der deutsche Markt seit einiger Zeit in einer Seitwärtsbewegung befindet. Lagen in der Vergangenheit die wesentlichen Marktimpulse in Bereichen wie deutliche mechanische Verbesserungen der Maschinen, Prozessfortschritte durch Multi-Funktions-Technik oder Automatisierung für mittlere und große Losgrößen, so rückt jüngst die digitale Komponente zusehends in den Vordergrund. Nun stellt sich die Frage, wie aus den digitalen Fortschritten tatsächliches Marktwachstum generiert werden kann.
2011 in Deutschland als Zukunftsprojekt im Rahmen der Hightech-Strategie des Bundesforschungsministeriums (BMBF) gestartet, hat das Schlagwort „Industrie 4.0“ zusehends auch die Werkzeugmaschinenindustrie erreicht. Mit dem Begriff ist die Verzahnung industrieller Produktionsprozesse mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik gemeint. Damit verbunden ist die Hoffnung, Produktionsprozesse transparenter, schneller und flexibler zu gestalten. Repräsentative Umfragen belegen, dass sich heute bereits über zwei Drittel der deutschen Industrieunternehmen aktiv mit den Chancen und Möglichkeiten von Industrie 4.0 befassen. Interessant jedoch ist, dass besonders kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) bislang wenig mit dem Begriff anfangen können. Dabei zeichnet sich die Anwenderstruktur der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie doch gerade durch KMUs aus.
Um diese Unternehmen zu erreichen, werden die Werkzeugmaschinenhersteller künftig immer mehr auch als Lösungsanbieter für die digitale Einbindung der Maschinen in bestehende und neue Produktionsprozesse fungieren müssen. Mazak hat mit der Einführung der „Smooth“-Steuerungstechnologie und ihren offenen Schnittstellen entscheidende Voraussetzungen geschaffen, Maschinen in einfacher Weise miteinander zu vergleichen – zu sehen auch auf der Messe „intec“ in Leipzig (Halle 3, Stand A04/B03).
Schon heute ist es mithilfe von „MTConnect“ möglich, umfangreiche Fertigungs- und Maschinendaten aus der „Mazatrol“-Steuerung zu lesen. Diese Daten sind essentiell für die Betriebsdatenerfassung im Sinne von Industrie 4.0. Diese Funktionalität ist jedoch nicht nur standardmäßig für die neueste Steuerungsgeneration verfügbar, sondern es werden Maschinen ab der „M640-Fusion“-Generation unterstützt, welche 1998 auf den Markt kam. Dies ist wichtig – denn Industrie 4.0 lässt sich nur dann realisieren, wenn alle Komponenten eines Betriebs erfasst werden können.
Die Vernetzung ist eine große Herausforderung – doch der Aufwand, alle relevanten Komponenten in Industriebetrieben zu vernetzen, lohnt sich. Aufbauend darauf kann die Kommunikation in genormter Form (wie mit MTConnect) ablaufen. Nur so ist es möglich, Produktion und Produktionsprozesse in Echtzeit zu erfassen und zentral auszuwerten. Vor allem beim Thema Automation und mannlose Fertigung ist dies bedeutsam, denn Automationslösungen werden flexibler, erschwinglicher und so auch in immer mehr kleineren Betrieben umgesetzt.

Wie die Offenheit und Vergleichbarkeit von Maschinen in der Praxis angewendet wird, zeigt sich im Stammwerk von Mazak: Das Werk Oguchi in Japan wurde Ende 2016 von Grund auf mit zusätzlichen neuen Maschinen ausgestattet und produziert nach dem Prinzip der smarten Factory.
In Japan entsteht bis 2019 mit dem neuen Werk in Inabe zudem ein Paradebeispiel für die digitale Fertigung, das mit einem vollständig neuen Auslegungskonzept Werksautomatisierung und IoT (Internet of Things)-Technologie miteinander verknüpft. Hersteller von Werkzeugmaschinen werden künftige Wachstumsfelder dann erreichen, wenn sie den Anwendern eine Gesamtlösung bieten – indem sie für die Offenheit ihrer Schnittstellen an den Maschinen sorgen. Dies hat noch einen weiteren, ganz pragmatischen Vorteil: Der Produktionsprozess wird durch die Vergleichbarkeit der Maschinen transparenter – und letztlich werden sich die besonders produktiven Maschinen durchsetzen.

Autoren

 Martin Engels

Geschäftsführer bei Yamazaki Mazak Deutschland in Göppingen.

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