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Ausgewählte Ausgabe: 09-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Entwässerung von Bio-P-Schlämmen – besser als ihr Ruf

Die bisher geläufige Meinung war, dass Klärschlämme von Kläranlagen mit erweiterter biologischer Phosphatelimination (Bio-P) schlechter entwässern und mehr polymere Flockungsmittel benötigen. Bei genauerer Betrachtung und unter neuen Gesichtspunkten kann diese Aussage jedoch korrigiert werden. Die Entwässerung von Bio-P-Schlämmen ist besser als ihr Ruf, wie der folgende Beitrag darlegt.


Mit der Einführung der Bio-P-Stufe haben sich in der Vergangenheit auch vermehrt Nebenwirkungen gezeigt. Häufig ist ein erhöhter Bedarf an Polymeren zu beobachten, sowie eine Verschlechterung der Schlammentwässerung. In Fachkreisen gibt es mehrere Meinungen, wie es dazu kommt. Als eine Möglichkeit wird eine verstärkte Produktion von exopolymeren Substanzen vermutet, was das Wasser chemisch bindet beziehungsweise dieses als Quellstoff benutzt. Das gebundene Wasser lässt sich bei der Schlammentwässerung nicht separieren und wird bei der Messung des Austrages mittels der Trockenwaage als abtrennbares Wasser interpretiert. Eine zweite allgemeine These ist die Bildung von Phospholipiden, welche ebenfalls Wasser als Quellstoff verwendet beziehungsweise zwischen den Lipidsträngen bindet. Diese sollen verstärkt durch die erweiterte Bio-P entstehen.
Die AQRatio Schlamm- und Verfahrenstechnik aus Egloffstein, welche sich vor allem mit den chemischen und physikalischen Eigenschaften von Klärschlämmen und deren Wasseranteilen befasst, hat diese Erscheinungen näher untersucht.

Biologische und erweiterte biologische Phosphatentnahme

Während der biologischen Abwasserreinigung wird stets Phosphat zum Zellaufbau entnommen. Bei der erweiterten biologischen Phosphatentnahme werden zusätzlich die Phosphor akkumulierenden Organismen dazu angeregt, Phosphat über das Zellwachstum hinaus zu speichern. Dieser Vorgang wird durch einen Wechseln von anaeroben zu aeroben Verhältnissen in der Biologie verursacht. Da bei bestehenden Anlagen dazu selten ein extra dafür geschaffenes Becken verwendet wird, greift man auf ein Wechselbecken zurück. Es ist im Normalbetrieb als Denitrifikationsbecken gedacht. Durch Änderung der Rezirkulation in ein nachgeschaltetes Becken wird dieses zum anaeroben Mischbecken umfunktioniert. Das hat zur Folge, dass sich das belebte Schlammalter reduziert, und das Bakterienwachstum gefördert wird. Daraus resultiert eine gesteigerte Überschussschlammproduktion, was wiederum im weiteren Verlauf eine Verschiebung des Verhältnisses von Primärschlamm zugunsten des Überschussschlammes nach sich zieht. Alleine das hat einen niedrigeren Trockenrückstand (TR)-Austrag zur Folge.

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Autoren

 Michael Kocher

AQRatio Schlamm- und Verfahrenstechnik, Egloffstein,
michael.kocher@aqratio.de

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