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Ausgewählte Ausgabe: 09-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Textilfilter für Wertmetalle

Kommerzialisierung des Konzepts

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Unterschiedliche Stufen der Edelmetallrückgewinnung: beladenes Textil, palladiumhaltiges Industrieabwasser, unbeladenes Textil, zurückgewonnenes Palladium als unpolierter Schwamm, Asche und als poliertes Reinmetall.

Um die Kommerzialisierung des Gesamtkonzepts weiter voranzutreiben, hat das DTNW mit unterschiedlichen Unternehmen aus den Bereichen Textilherstellung und -veredlung, Anlagenbau sowie Metallverarbeitung strategische Allianzen und weiterführende Forschungskooperationen geschlossen. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Maßnahme „r+Impuls“ geförderten Forschung & Entwicklungsvorhabens „Edelmetalladsorber“, unter dem Förderkennzeichen 033R153A-F, konnte auch die Machbarkeit des Gesamtkonzepts unter industriellen Einsatzbedingungen erfolgreich nachgewiesen werden. In einem ersten Pilotversuch wurden mehrere hundert Liter eines palladiumhaltigen Prozesswassers, das bei der Herstellung von Leiterplatten anfällt, bis hin zum reinen Edelmetall aufgearbeitet. Ein weiteres Upscale steht unmittelbar bevor. Dann sollen bis zu 10 000 l Prozesswasser vom Palladium befreit werden, wobei eine Ausbeute von etwa 5 kg mit einem derzeitigen Marktwert von rund 120 000 € erwartet werden. Das Projekt startete Anfang des Jahres 2016 und läuft bis Ende 2017.
Damit eröffnet sich dem Konsortium die Chance, mit der Entwicklung in den Markt zu treten. Das Geschäftsmodell sieht sowohl stationäre als auch mobile Filtermodule vor, die beim Kunden vor Ort edelmetallhaltige Prozesswässer abreichern. Das wertstoffbeladene Textil wird dann extern in eine, in den ursächlichen Prozess rückführbare, konzentrierte Metalllösung überführt oder dem Kunden als reines Edelmetall vergütet. Für den konkreten Fall der Palladiumrückgewinnung aus Prozesswässern der Leiterplattenindustrie können die Kosten der Metallrückgewinnung um etwa zwei Drittel gesenkt werden.

Rückgewinnung strategischer Metalle

Darüber hinaus kann das Adsorbertextil mittelfristig auch für die Rückgewinnung von strategischen Metallen wie Indium, Gallium, Niob, Tantal und den Seltenen Erden aus Sekundärrohstoffquellen genutzt werden. Solche Metalle, die für eine Vielzahl von in Deutschland hergestellter Hochtechnologieprodukte unentbehrlich sind, müssen wegen bestehender Exportabhängigkeiten als strategische Rohstoffe eingestuft werden. Entsprechende Untersuchungen zur Rückgewinnung des Seltenerdmetalls Lanthan liegen dem DTNW bereits vor. Neben der geopolitischen Bedeutung dieser Ressourcen geht ihre Gewinnung, beispielsweise in China und Zentralafrika, derzeit noch mit sehr hohen Umwelt- und Klimabelastungen einher, die sich durch das neu entwickelte Verfahren aber zumindest teilweise vermindern lassen. Zudem eignen sich die polyelektrolytmodifizierten Textilien auch zur Dekontamination und Sanierung von chromatbelasteten Grundwässern und Böden.

Schematisches Gesamtkonzept innerhalb des Projektverbundes mit allen Projektbeteiligten: Deutsches Textilforschungszentrum Nord-West gGmbH, Heimbach Filtration GmbH, Textilausrüstung Roessing GmbH, Cornelsen Umwelttechnologie GmbH, Unimicron Germany GmbH, Wieland Edelmetalle GmbH.

Schematisches Gesamtkonzept innerhalb des Projektverbundes mit allen Projektbeteiligten: Deutsches Textilforschungszentrum Nord-West gGmbH, Heimbach Filtration GmbH, Textilausrüstung Roessing GmbH, Cornelsen Umwelttechnologie GmbH, Unimicron Germany GmbH, Wieland Edelmetalle GmbH.


Das Adsorbertextil lässt sich bereits heute bei der Rückgewinnung von wertvollen Edelmetallen nutzen. Der Textilfilter sichert Sekundärrohstoffe und trägt zu einem schonenden Umgang mit Ressourcen im Sinne der Kreislaufwirtschaft bei. Für den Beitrag zum Klimaschutz wurde das Verfahren im Jahr 2015 mit der Aufnahme in die KlimaExpo.NRW gewürdigt. Zukünftig soll das von den Projektpartnern konkretisierte Gesamtkonzept auf unterschiedliche Branchen ausgeweitet werden. Hierbei soll als visionärer Ansatz auch die Möglichkeit betrachtet werden, die erarbeitete Technik ebenso bei der Gewinnung von Primärrohstoffen – etwa aus Sickerwässern im Bergbau oder auch aus Oberflächengewässern – zu nutzen.

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Autoren

 Klaus Opwis

Deutsches Textilforschungszentrum Nord-West gGmbH, Krefeld,
opwis@dtnw.de

 Thomas Mayer-Gall

Deutsches Textilforschungszentrum Nord-West gGmbH, Krefeld

 Jochen S. Gutmann

Deutsches Textilforschungszentrum Nord-West gGmbH, Krefeld

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