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Ausgewählte Ausgabe: 09-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Recycling von Leistungselektronik aus Elektrofahrzeugen

Für die zusätzliche chemische Platinenentstückung wurde veranschlagt, dass in der mechanischen und chemischen Aufbereitung rund 90 % des Tantals und 93 % des Zinns rückgewonnen werden. Zinn fällt hierbei jedoch im Gegensatz zu den anderen Metallen nicht metallisch, sondern in sulfidischer Form an.

Fazit

Das Projekt zeigt, dass eine verbesserte Recyclingroute für die Verwertung von Leistungselektronikmodulen aus E-Fahrzeugen auch im Serienbetrieb gut anwendbar und mit standardisierter Technologie umzusetzen ist. Diese Route sieht einen Ausbau der Leistungselektronik aus dem Fahrzeug und eine nachfolgende Verwertung bei einem Elektroaltgeräterecycler vor. Die Zerkleinerung des Leistungselektronikmoduls mit einem robusten Aluminiumgehäuse erfolgt in einer Prallmühle, mit der es gelingt, neben anderen Fraktionen große und weitgehend intakte Leiterplattenstücke zu erzeugen, die dann in die standardmäßige Aufbereitungstechnologie von Elektroaltgeräterecyclern eingespeist werden können.
Vorteilhaft ist, dass die Prallmühle wenig Staub erzeugt, in dem strategische Metalle für eine weitere wirtschaftliche Verwertung möglicherweise verloren gehen würden. Im Vergleich zum Autoshredder lassen sich mit dieser Recyclingroute hohe Rückgewinnungsquoten für Gold, Silber und Palladium realisieren. Zudem ist es möglich, die Rückgewinnungsquoten von Zinn und Kupfer anzuheben.
Versuche zur chemischen Platinenentstückung, die die Tantal haltigen Kondensatoren abtrennen und auch das Tantal, das bisher nicht verwertet wird, einer Verwertung zuführt, zeigen allerdings, dass dieser Verfahrensweg nicht empfehlenswert ist. Aus ökobilanzieller Sicht verspricht die chemische Platinenentstückung keine relevanten Vorteile, da einer zusätzlichen Tantalrückgewinnung entsprechende Aufwendungen für die eingesetzten Chemikalien gegenüberstehen. Die Kostenschätzungen zeigen zwar ein leicht positives Ergebnis, sind aber mit sehr hohen Unsicherheiten belegt.
 ElmoReL 2020 macht deutlich, dass das Verwertungsverfahren bei den jetzigen Rahmenbedingungen und Rohstoffpreisen wirtschaftlich ist – auch wenn sie mit deutlich höheren Kosten als die Verwertung über den Autoshredder verbunden ist. Die Ökobilanz zeigt grundsätzlich gute Ergebnisse sowohl für die Autoshredder- als auch die Elektrorecyclingroute. Bei letzterer kommen durch partiell höheren Rückgewinnungsquoten jedoch noch Vorteile durch entsprechende Gutschriften hinzu.

***
Literatur
[1] Kohlmeyer, R.; Groke, M.; Sander, K.; Bergamos, M.: Perspektiven der zunehmenden Fahrzeugelektronik für das Altfahrzeugrecycling. In: Thomé-Kozmiensky, K. J.; Goldmann, D.: Recycling und Rohstoffe – Band 8. Neuruppin 2015.
[2] Widmer, R.; Du, X.; Haag, O.; Restrepo, E.; Wäger, P. A.: Scarce Metals in Conventional Passenger Vehicles and End-of-Life Vehicle Shredder Output. Environ. Sci. Technol., 2015, 49 (7), S. 4591-4599.
[3] Huy, D.; Andruleit, H.; Babies, H.-G.; Elsner, H.; Homberg-Heumann, D.; Meßner, J.; Röhling, S.; Schauer, M.; Schmidt, S.; Schmitz, M.; Szurlies, M.; Wehenpohl, B.; Hofrichter, W.; Tallig, A.: Deutschland – Rohstoffsituation 2014, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover, November 2015.

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Autoren

Dr. Winfried Bulach

Öko-Institut e.V., Darmstadt,  
w.bulach@oeko.de

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