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Ausgewählte Ausgabe: 09-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Industriebrachen erfolgreich revitalisieren

Auch bei der Vermarktung der restlichen Flächen arbeiteten Bayernoil und die Stadt Ingolstadt eng zusammen. Beide riefen 2011 gemeinsam zum städtebaulichen Wettbewerb „European 11“ auf, um Ideen zur Nutzung und Gestaltung der frei werdenden Flächen zu entwickeln. Der Siegerentwurf diente als Grundlage für die weitere Planung. 2013 war die Sanierung einer zweiten, 9 ha großen Teilfläche abgeschlossen. Diese wurde als Gewerbegebiet an lokale Unternehmen verkauft.

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Wichtige Refinanzierungsquelle: 140 km lange oberirdische Rohrleitungen, die nach Rückbau und Reinigung als Stahlschrott verkauft wurden.

Die letzte und mit 75 ha größte Teilfläche wurde nach langen Gesprächen und Verhandlungen an eine neu gegründete Entwicklungsgesellschaft verkauft. Die Gründer, zu denen auch die die Stadt Ingolstadt gehört, wollen darauf einen Innovationscampus errichten. Die Entwicklungsgesellschaft übernahm die Teilfläche unsaniert und ohne Baurecht und sorgt daher selbst für die Erarbeitung des Bebauungs- und eines darauf abgestimmten Sanierungsplans sowie für die noch notwendigen Sanierungs- und unterirdischen Rückbaumaßnahmen.
Im Verlauf dieses Projekts mussten auch unkalkulierbare Rückschläge verkraftet werden. Die folgenschwere Bankenkrise kippte beispielsweise in letzter Minute den Verkauf einer ganzen Prozessanlage zur Wiederverwertung, und der volatile Weltmarkt für Stahlschrott erforderte einen optimalen Zeitpunkt des Verkaufs des 45 000 t separierten und gereinigten Rohstoffs. Auch diese Hindernisse wurden überwunden und am Ende konnten aus dem Erlös der erfolgreichen Vermarktung des gesamten Areals weitestgehend alle durch Bayernoil geleisteten Stilllegungs-, Rückbau-, Sanierungs- und Baufreimachungsmaßnahmen finanziert werden. Zudem konnten die Stadt und deren Bewohner bei dieser Liegenschaftskonversion eine positive Bilanz ziehen: Schadstoffbelastungen und potenzielle Gefahren für die Umwelt wurden nachhaltig beseitigt. Die neue multifunktionale Flächennutzung des ehemaligen Industriestandortes setzte zudem wertvolle Impulse für die wirtschaftliche und städtebauliche Neuorientierung eines Stadtgebiets, in dem nun Freizeit, Sport und Erholung einen großen Raum einnehmen.

Schnell umgeswitcht

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Opel-Warehouse – modernes Logistikzentrum für europaweite Ersatzteillieferungen.

Als im Jahr 2014 General Motors (GM) aus Rentabilitätsgründen das Aus der Automobilproduktion in Bochum verkündete, bot sich mit dieser schwierigen Situation ebenfalls die Möglichkeit, einen Strukturwandel für die Region in Gang zu setzen. Für das Gelände des stillgelegten Opel-Werkes II in Langendreer, dem ehemaligen Komponentenwerk, hatten GM und Opel nach der Schließung ambitionierte Pläne: den Bau des Opel-Warehouse, eine Ersatzteil-Drehscheibe für insgesamt 5 500 Händler in Europa. Und heute, nach nicht einmal zwei Jahren, ist die Umsetzung dieses Plans in vollem Gange. Doch vor dem Bau des neuen Warehouse galt es, das Werk II rückzubauen und das Gelände baureif zu machen. In Zahlen waren das 222 000 m³ Gesamtfläche, 1,8 Mio. m³ umbauter Raum, 1 5000 m Gleisanlagen und vier Infrastruktur-Rohrbrücken, die in nur elf Monaten rückzubauen waren. Das Erfolgsrezept für die Einhaltung dieses Zeitplans ist die von Beginn an enge Zusammenarbeit von Planungs- und Sanierungsspezialisten der Opel AG und dem Planungs- und Beratungsunternehmen Arcadis. Projektteams für die Bereiche Infrastruktur, Abbruch und Neubau bündelten ihr Expertenwissen und arbeiteten vor Ort zusammen. Dies verhalf zu einer effektiven Kommunikation aller Projektbeteiligten, zu kurzen Entscheidungswegen und schnellen Problemlösungen.

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Autoren

Dr. Karl Noé

Arcadis Germany GmbH, Darmstadt,
Karl.Noe@arcadis.com

 Stephan Dolata

Arcadis Germany GmbH, Darmstadt, 
Stephan.Dolata@arcadis.com

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