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Ausgewählte Ausgabe: 09-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Flügel für das betriebliche Klimamanagement


Deutsche Post DHL, Google, Puma, SAP, Siemens – beständig wächst die Zahl der Unternehmen, die den Wandel zur klimaneutralen Wertschöpfung forcieren. Mehr und mehr Manager erkennen, dass niedrigere Emissionen nicht nur der Umwelt helfen, sondern gleichzeitig auch handfeste Wettbewerbsvorteile bringen. Hierzu zählen: bessere Kostenkontrolle im Kerngeschäft, Ausbau der Innovationsfähigkeit, höhere Attraktivität als Arbeitgeber sowie tragfähigere Beziehungen zu Investoren, Partnern, Kunden und Verbrauchern, die verstärkt auf die Einhaltung ökologischer Ziele achten.
Inzwischen haben diese Entwicklungsmöglichkeiten ein solches Gewicht erlangt, dass sich das Risikomanagement zu interessieren beginnt. Vorreiter wie der Chemiekonzern BASF haben ihren Nachhaltigkeitsstab bereits direkt in der Unternehmensstrategie aufgehängt. Zumal es neben den Chancen auch eine Reihe externer Gefahren zu beherrschen gilt. So etwa die mögliche Zunahme regulatorischer Auflagen. Noch im Juli hat die überwiegende Mehrheit der G-20-Staaten bekräftigt, dass das Übereinkommen von Paris unumkehrbar ist.
Vor dem Hintergrund dieses Bedeutungswandels schauen immer mehr Unternehmen über den Tellerrand des klassischen Klimamanagements hinaus: Statt sich weiterhin rein innerbetrieblich nur mit dem eigenen Fußabdruck zu befassen, wenden sie sich der kompletten Wertschöpfungskette zu. Ein weites Feld. Um sich darauf nicht zu verlieren, empfiehlt es sich, Handlungsbereiche zu definieren, in denen sich die aktive Steuerung des außerbetrieblichen Emissionsaufkommens am stärksten auszahlt.
Je nach Branche und Wertschöpfungsstufe fällt diese Definition sehr unterschiedlich aus. Wer etwa große Mengen an Rohstoffen und Vorprodukten verarbeitet, bewirkt im vorgelagerten Teil seiner Lieferkette mit Abstand am meisten. Andernorts, wie etwa in den Prozessindustrien, lohnt es sich, die vor- und nachgelagerten Emissionen gleichermaßen anzugehen. Denn hier halten sich die Emissionen der Lieferanten und der Kunden in etwa die Waage. In Technologieunternehmen wiederum spielt die Musik eindeutig auf Kundenseite. Ganz besonders gilt dies für stark skalierbare Produkte, wie zum Beispiel für Software. Wirklich zum Tragen kommen die Emissionen hier erst im Betrieb. So auch in unserem Fall: Vier Fünftel des mit unserer Geschäftstätigkeit verbundenen CO2-Ausstoßes fallen an, wenn die Kunden mit unseren On-Premise-Produkten zu arbeiten beginnen.
Doch welche dieser so genannten Scope-3-Emissionen lassen sich mit vertretbarem Aufwand messen und beeinflussen? Denn Vorsicht: Angesichts der vielfältigen Verflechtungen der globalisierten Wirtschaft ist es keineswegs trivial, ein passendes Berichts- und Steuerungssystem aufzubauen. Grundlegende Orientierung bietet das Rahmenwerk der Global Reporting Initiative (GRI). Hier finden Unternehmen Richtlinien für integrierte Nachhaltigkeitsberichte, die das Zusammenspiel der ökologischen, sozialen und ökonomischen Wirkungen ihres Geschäfts deutlich machen. Um dabei auch die Treibhausgasemissionen verursachergetreu darzustellen, verweist GRI auf das Greenhouse Gas Protocol (GHG). Der GHG-Standard bricht die Scope-3-Emissionen in 15 Kategorien auf. Deren Bandbreite reicht von den Emissionen eingekaufter Kapitalgüter bis zum Fußabdruck, der aus Franchise-Tätigkeiten resultiert. Passend zu dieser Metaebene liefert das Protokoll konkrete Faktoren für die fortlaufende Messpraxis.
Messen und Berichten ist das eine. Doch was fängt man mit den Erkenntnissen konkret an? Auch hierauf kann es nur Antworten geben, die vor dem Hintergrund des eigenen Geschäftsmodells funktionieren. In unserem Fall ruht die operative Strategie auf drei Säulen. Erstens: Wann immer möglich, werden wir Emissionen vermeiden. So etwa über die Substitution von Geschäftsflügen durch den Einsatz von Video- und Telekommunikationstechnologien. Zweitens: Hinzu kommen Programme zur Effizienzsteigerung, die signifikant skalieren und nicht zuletzt auch unseren Kunden zugutekommen. So etwa, wenn wir IT-Lösungen aus den Rechenzentren unserer Kunden in unsere klimaneutralen Rechenzentren verlagern. Drittens: Die noch verbleibenden Emissionen kompensieren wir über zertifizierte Umweltprojekte mit hohen Qualitätsstandards. Insgesamt haben wir uns bei all diesen Maßnahmen das Ziel gesetzt, bis 2025 vollständig klimaneutral zu arbeiten und damit unserer Verantwortung für das Erreichen des Pariser 2-Grad-Ziels gerecht zu werden.

Autoren

 Daniel Schmid

Leiter Nachhaltigkeit bei der SAP SE.

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