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Ausgewählte Ausgabe: 03-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Zukunft der Gebäude- und Grundstücksentwässerung

DIN und DWA sind wichtige Regelgeber zum Thema Regenentwässerung. Wenn es um Verkehrsflächen, Gründächer und Regenspeicher geht, sind allerdings auch die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e. V., die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. und die Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e. V. (fbr) beteiligt. Alle Organisationen stimmen darin überein, dass es von Vorteil ist, wenn Niederschläge vor Ort genutzt, versickert oder verdunstet werden.


Die Verdunstung des Regenwassers von einem intensiv begrünten Dach beträgt im Durchschnitt mindestens 50 % des auftreffenden Niederschlags.

Die Verdunstung des Regenwassers von einem intensiv begrünten Dach beträgt im Durchschnitt mindestens 50 % des auftreffenden Niederschlags.

Wenn bei einem Bauprojekt eine zusätzliche Regenableitung erforderlich ist, müssen die Planer einen Speicher beziehungsweise eine Versickerungs- oder Behandlungsanlage dimensionieren. Dafür verwenden sie bei einfachen Bemessungsverfahren den statischen Abflussbeiwert der zu entwässernden Fläche – unabhängig vom Verlauf des Regenereignisses. Als Rechenfaktor ohne Einheit liegt er zwischen 0,0 (kein Abfluss) und 1,0 (100 % Abfluss des auftreffenden Niederschlags). Gründächer haben in allen Regelwerken übereinstimmend den Wert 0,3 bei mehr als 10 cm Aufbau und 0,5 bei weniger. Das ist eindeutig und gibt Planungssicherheit. Bei anderen Flächenarten – speziell Kiesdächer, Rollkies- und Pflasterflächen – variieren die Werte je nachdem, welches Regelwerk benutzt wird. Das führt zu Verunsicherung.
Erfahrene Ingenieure werden große Abflüsse mit dynamischen Oberflächenabflussmodellen simulieren. Die hier thematisierten statischen Abflussbeiwerte sind nur für einfache Fälle empfehlenswert, bei denen vor allem Planer tätig werden, die nicht auf Siedlungswasserwirtschaft spezialisiert sind. Für diese Anwendergruppe müssen die Auswahlkriterien in den Regeln der Technik und nicht nur in den Kommentaren eindeutig und nachvollziehbar vermittelt werden. Sonst können Fehler sowie Schäden und juristische Auseinandersetzungen entstehen.

Retentionsleistung der Regenspeicher

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Kombiniert verdunsten mit Gründach und offener Wasserfläche im Bürohausquartier der Nürnberger Versicherung in Nürnberg. Die Verdunstung von den begrünten Dachflächen verbessert das Innenstadtklima und verzögert den Abfluss in die offene Wasserfläche.

In den 1990er Jahren wurde der Bau von Zisternen durch mehrere Bundesländer bezuschusst. Der über Jahrzehnte angestiegene Trinkwasserbedarf der Haushalte sollte reduziert und damit immer größere Fernwasserversorgungen verhindert werden. Diese Rechnung ging auf. Statt den damaligen 147 l pro Person und Tag liegt der durchschnittliche Bedarf heute bei 120 l. Der Stand der Technik bei Regenwassernutzung wurde in der DIN 1989:2002–04 dokumentiert.
25 Jahre später ist bekannt, dass im Umgang mit Regenwasser Kombinationen von Nutzung, Versickerung, Verdunstung und verzögerter Ableitung wichtig sind. Anlass dazu geben die Auswirkungen von Starkregenereignissen, Trockenheit und aufgeheiztem Stadtklima. Fördermaßnahmen der Bundesländer oder Kommunen, für die Regenwassernutzung im Besonderen und für die Regenwasserbewirtschaftung im Allgemeinen, wurden weitgehend abgeschafft. Zuschüsse für Speicher gibt es noch im Bundesland Bremen und in einigen Kommunen wie Heidelberg, Bad Mergentheim oder Gräfelfing. Als finanzieller Anreiz dient inzwischen die verminderte Niederschlagsgebühr. Diese gibt es nur, wenn der Niederschlag dezentral bewirtschaftet wird oder der Überlauf des Regenspeichers auf dem eigenen Grundstück versickert. Dass kontinuierliche Nutzung an sich eine große Retentionswirkung hat und damit zur Vorsorge bei Starkregen und Trockenheit beiträgt, wurde in den technischen Regeln ignoriert, ebenso wie bei der Niederschlagsgebühr. In den Tabellen der DWA- und DIN-Regelwerke sind keine Abflussbeiwerte für Regenspeicher vorhanden. Das könnte sich nun ändern.

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Autoren

Dipl.-Ing. Klaus W. König

Sachverständigen- und Fachpressebüro Überlingen am Bodensee. Als freier Fachjournalist und Buchautor veröffentlicht er regelmäßig Artikel in Umwelt-, Architektur-, Heizungs- und Sanitärzeitschriften. Er ist von der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Bewirtschaftung und Nutzung von Regenwasser, Mitglied im DIN-Ausschuss „Wasserrecycling / Regen- und Grauwassernutzung“ und Lehrbeauftragter an der Universität Stuttgart und an der Hochschule Reutlingen, Thema „Rainwater Management“ in englischer Sprache.
www.klauswkoenig.com
mail@klauswkoenig.com
kwkoenig@koenig-regenwasser.de

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