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Ausgewählte Ausgabe: 03-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Tunnelvortrieb mit nachhaltiger Wasserversorgung

Der 27,3 km lange Semmering-Basistunnel gilt als eines der wichtigsten Infrastruktur-Großprojekte in Mitteleuropa. Der Bauherr ÖBB Infrastruktur AG, Wien / Österreich, achtet bereits in der Bauphase auf eine möglichst niedrige Umweltbelastung. Deshalb wird dem nahe gelegenen Fröschnitzbach nur eine geringe Wassermenge entnommen und das für die Tunnelbaustelle benötigte Brauchwasser in vier Kunststofftanks der Otto Graf GmbH, Teningen, mit insgesamt 224 000 l Fassungsvermögen zwischengespeichert.


Mit dem Bau des Semmering-Basistunnels wurde im April 2012 begonnen, die ersten Züge sollen 2025 hindurch rollen. Im Bauabschnitt Fröschnitzgraben arbeiten 400 Beschäftigte seit Februar 2014 am ersten der drei Tunnelbaulose. Dieser Bauabschnitt ist mit einer Länge von rund 26 km der längste und umfasst neben dem Tunnelbauwerk die Bewirtschaftung der 4,5 Mio. m³ fassende Deponie für das Ausbruchsmaterial sowie das Betriebs- und Lüftungsgebäude und zwei Lüftungsschächte. Die Baulose Gloggnitz und Grautschenhof ergänzen mit jeweils knapp über 14 km Gesamtlänge das Projekt.

Einer der vier Kunststofftanks wird am Bauabschnitt Fröschnitzgraben vom Lkw gehoben.

Einer der vier Kunststofftanks wird am Bauabschnitt Fröschnitzgraben vom Lkw gehoben.


Die zwei parallel verlaufenden Streckenröhren dieses Abschnitts werden vom Zwischenangriff Fröschnitzgraben ausgebaut. Dafür werden seit Juli 2015 zwei mehr als 400 m tiefe Versorgungsschächte in das Bergmassiv abgeteuft. Über diese wird später auch das Kühlwasser für die zwei Tunnelbohrmaschinen im freien Gefälle eingespeist. Zur Druckreduktion wird ein Zwischenbehälter installiert. Am Fuße dieser Schächte entsteht eine große Kaverne. Im Endausbau wird dort die Nothaltestelle des Semmering-Basistunnels errichtet. Lüftungsschächte und ein Lüftungsgebäude sichern bei einem Zwischenfall die Frischluftversorgung.
Von der 400 m langen Kaverne aus sollen ab 2017 die Tunnel östlich in Richtung Gloggnitz und westlich in Richtung Mürzzuschlag vorgetrieben werden. Der etwa 4 km lange Abschnitt in Richtung Mürzzuschlag wird zyklisch mittels Sprengvortrieb, der rund 9 km lange Teil in Richtung Gloggnitz kontinuierlich durch Vortriebsmaschinen erstellt.

Kühlwasser für die Tunnelfräsen

Die 200 m langen Tunnelbohrmaschinen fräsen sich durch das Gestein. Vorgefertigte Betonteile sichern dabei die Tunnelröhre. Mit dieser Methode sind Vortriebsleistungen von rund 25 m pro Tag möglich. Die Maschinen benötigen pro Stunde jeweils etwa 4 000 l Wasser zur Kühlung. Das Brauchwasser für die Baustelle wird aus dem nahegelegenen Fröschnitzbach entnommen. Vier Kunststofftanks Carat XXL von Graf mit jeweils 56 000 l Volumen dienen als Zwischenspeicher. Das Wasser wird mit einer Druckerhöhungsanlage über eine Höhendifferenz von 70 m in die Tanks eingespeist. Der Bach hat einen durchschnittlichen Durchfluss von etwa 300 bis 400 l/s. Bei Hochwasser steigt dieser auf bis zu 1 200 l/s an.

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Autoren

 Andreas Steigert

Otto Graf GmbH, Teningen
steigert@graf.info

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