CO2-Bilanzierung als Wettbewerbsvorteil

Die Kleeschulte Erden GmbH & Co. KG aus Rüthen hat einen modularen Kalkulator entwickelt, um CO2-Emissionen messbar zu machen, und den Einsatz von nicht nachwachsenden Rohstoffen wie Torf zielgerichtet zu verringern. Grundlage dafür war das CO2-Bilanzierungstool Eco-Cockpit der Effizienz-Agentur NRW. Der Erdenspezialist entwickelt und produziert erfolgreich klimaschonende Erden und Substratmischungen und spart dabei jährlich über 2 000 t Treibhausgasemissionen ein.


Torffreie und torfreduzierte Erden und Substrate schonen Ökosysteme und Klima.

Torffreie und torfreduzierte Erden und Substrate schonen Ökosysteme und Klima.

Die konsequente Einbindung der CO2-Kalkulation ihrer Produkte kann Unternehmen helfen, neue Märkte zu erschließen. Das zeigt das Beispiel des westfälischen Erdenproduzenten Kleeschulte Erden. Der Betrieb entwickelt und produziert ökologisch wertvolle, in erster Linie torffreie sowie -reduzierte Erden und Substrate.
Den Grundstein für die CO2-Kalkulation legte das Unternehmen bereits im Jahr 2012, als es im Rahmen eine Ressourceneffizienz-Beratung der Effizienz-Agentur NRW seine Produktion analysierte. Die erhobenen Prozessdaten bildeten die Grundlage für die Entwicklung konkreter Ressourceneffizienz-Maßnahmen und für die spätere CO2-Bilanzierung. So setzte Kleeschulte infolge der Beratung ein modernes Abwärmekonzept um, durch das Treibhausgas-Emissionen in Höhe von 104 t CO2 pro Jahr eingespart werden konnten.

Verringerter Torfeinsatz schont das Klima

Ein wesentlicher Bestandteil konventioneller Erden und Pflanzsubstrate ist Torf, dessen Abbau einen Eingriff in wertvolle Ökosysteme darstellt. Da Moore nicht regenerieren, setzt die Verarbeitung von Torf Kohlendioxid frei, das zur Klimaerwärmung beiträgt. Kleeschulte Erden hatte 2007 mit topora eine neue Substratfaser entwickelt, die aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und als qualitativ gleichwertiger und klimaschonender Torfersatz verwendet werden kann.
Dem Unternehmen war es wichtig, den Aspekt der Nachhaltigkeit zu konkretisieren und im Hinblick auf seine Produkte eine transparente und nachvollziehbare Entscheidungshilfe für seine Kunden zu entwickeln. Der Ansatz der CO2-Einsparung bietet hier eine deutliche Argumentationslinie. 2015 nutzte das Unternehmen ein weiteres Mal die Ressourceneffizienz-Beratung der EFA, um den Torfeinsatz für Pflanzensubstrate zu minimieren.
Im ersten Schritt ermittelte Kleeschulte mithilfe des CO2-Bilanzierungstools Eco-Cockpit die Klimagas-Emissionen der bisher eingesetzten Rezepturkomponenten wie Mulche und Erden. Auf dieser Datenbasis konnte ein auf die Anforderungen des Unternehmens zugeschnittener modularer CO2-Kalkulator für Erdenprodukte entwickelt werden. Dieser ermöglicht die Simulation der zu erwartenden Klimagas-Emissionen von nahezu jeder Rezepturvariante auf Basis der eingesetzten Rohstoffe.

CO2-Fußabdruck als Wettbewerbsvorteil

Mit den geeigneten Ausgangs- und Zusatzstoffen und deren Mischverhältnissen ist es so möglich, CO2-arme Erden und Substrate zusammenzustellen. Die dadurch erzielten Treibhausgas-Einsparungen sind heute für Kleeschulte Erden ein wichtiges Qualitätsmerkmal im Wettbewerb.
2015 stellte das Unternehmen die erste nachhaltige Erdenlinie am Markt vor. Mittlerweile besteht das Angebot aus 22 Erden, Substraten und Dekormulchen mit einem CO2-Fußabdruck. Insbesondere umweltbewusste Großhandelskunden wissen diesen Vorteil zu schätzen und gewinnen hierdurch ein verkaufswirksames Alleinstellungsmerkmal.

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Mischanlagen bei Kleeschulte Erden: Mit den geeigneten Ausgangs- und Zusatzstoffen und deren Mischverhältnissen ist es möglich, klimaschonende Erden und Substrate zusammenzustellen.

Der Einsatz des CO2-Konfigurators hatte auch direkte Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette: Das Unternehmen setzt heute auf Lieferanten, die CO2-arme Ausgangs- beziehungsweise Zusatzstoffe herstellen. Das hat den positiven Effekt, dass Zulieferer sich nun auch intensiv mit der Reduzierung von CO2-Emissionen in der eigenen Produktion auseinandersetzen.
Dank der neu aufgestellten Produktentwicklung verringerte Kleeschulte Erden die Treibhausgas-Emissionen seiner Produkte um 2 074 t CO2 pro Jahr. Darüber hinaus konnten die Produktivität gesteigert und die Unternehmenskosten reduziert werden.

CO2-Bilanz gewinnt für Unternehmen zunehmend an Relevanz

Das Thema CO2-Bilanzierung ist für die Wirtschaft aktueller denn je: Seit diesem Jahr werden kapitalmarktorientierte Großunternehmen zur CSR-Berichtserstattung verpflichtet. Die CO2-Bilanz wird in diese Berichterstattung miteinfließen. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette: Infolge dessen werden sich auch kleine und mittlere Zulieferbetriebe mit dem Thema Treibhausgasbilanzierung und -reduzierung auseinandersetzen müssen, wenn sie weiterhin zum Lieferantenkreis zählen möchten.

Eco-Cockpit – Einstieg in die CO2-Bilanzierung

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Das Angebot von Kleeschulte Erden besteht mittlerweile aus 22 Erden, Substraten und Dekormulchen mit CO2-Fußabdruck.

Der Weg zu einer CO2-Bilanz ist für Unternehmen oft schwierig, da die Rahmenbedingungen für eine Bilanzierung häufig unklar formuliert sind, zudem stellen sich Fragen zu den zu wählenden Systemgrenzen, den Umrechnungsfaktoren oder aber dem passenden Bilanzierungsinstrument. Oft wird sich dabei dem Thema zu wissenschaftlich genähert, sodass Unternehmen eine pragmatische Lösung für eine doch sehr komplexe Problematik fehlt.
Das Onlinetool Eco-Cockpit (www.ecocockpit.de) der Effizienz-Agentur NRW ermöglicht es Unternehmen, in wenigen Schritten eine CO2-Bilanz auf Grundlage des Greenhouse Gas Protocols zu erstellen. Der Bilanzrahmen kann hierbei frei gewählt werden und ermöglicht sowohl die Bilanzierung von Unternehmensstandorten als auch von Produkten oder Prozessen.

Im besonderen Maße werden hierbei Scope-3-Emissionen wie etwa Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe berücksichtigt, die in der Regel den größten Anteil an den Emissionen bei produzierenden Unternehmen bilden.
Als Datengrundlage für die in der Bilanzierung verwendeten CO2-Äquivalente dienen Eco-Cockpit die freien und anerkannten Datenbanken ProBas des Umweltbundesamtes und Gemis der IINAS GmbH.
Das Ergebnis wird nutzerfreundlich in einem Bericht zusammengefasst, der transparent Aufschluss über den betrachteten Bilanzraum gibt und aus dem die Hauptemissionsquellen sowohl qualitativ als auch quantitativ abzulesen sind. Zusätzlich zu der zahlenwertigen Darstellung der CO2-Emissionen werden sie auch in Vergleich zu alltäglichen Größen gesetzt, um sie für den Anwender greifbarer zu machen.
Auf Basis der durch Eco-Cockpit gewonnenen Informationen sind Betriebe in der Lage, Maßnahmen zur Verringerung des CO2-Ausstoßes abzuleiten. Die Ergebnisse können strategisch genutzt werden, um Unternehmen ressourceneffizienter auszurichten und wettbewerbsfähiger zu machen.

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Kontakt: Effizienz-Agentur NRW, Duisburg,  
Frederik Pöschel, fpo@efanrw.de,  
Christopher Buers, cbu@efanrw.de,
www.ecocockpit.de