Ressourceneffiziente Produkte fördern


Pro Jahr verbraucht jeder Mensch in Deutschland statistisch mehr als 16 Tonnen Metall, Beton, Holz und andere Rohstoffe, das sind 44 Kilogramm am Tag. Der Rohstoffkonsum hat in Deutschland seit dem Jahr 2000 zwar um etwa 15 Prozent abgenommen. Allerdings liegt Deutschland, auch im internationalen und europaweiten Vergleich, nach wie vor auf einem zu hohen Niveau. Das geht aus dem neuen Ressourcenbericht des Umweltbundesamtes (UBA) hervor (www.umweltbundesamt.de/ ressourcenbericht2016).
Dabei belasten unsere Wirtschaftsweise und unser Konsum ganz erheblich die Umwelt in anderen Ländern. Denn 70 Prozent der bei uns verbrauchten Rohstoffe kommen aus dem Ausland, davon sind vier Fünftel nicht nachwachsende Rohstoffe.
In Deutschland selbst werden jede Sekunde 34 Tonnen an erneuerbaren und nichterneuerbaren Rohstoffen abgebaut oder geerntet und im Wirtschaftssystem verarbeitet und verwertet. In den letzten Jahren hat es Deutschland geschafft, seine Rohstoffproduktivität zu steigern. Es wird also mehr Bruttoinlandsprodukt pro eingesetzter Tonne Rohstoff erwirtschaftet. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Aus ökologischer wie auch aus ökonomischer Sicht muss es Ziel sein, diese positive Entwicklung fortzusetzen und noch zu verstärken.
Langfristig müssen wir unsere Wirtschaftsentwicklung vom Rohstoffverbrauch entkoppeln. Nur so können wir die damit zusammenhängenden negativen Umweltauswirkungen verringern. Ein Baustein, um dieses Ziel zu erreichen, ist ein nach ökologischen Kriterien differenziertes Mehrwertsteuersystem. Für rohstoffeffiziente Produkte sollte der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent gelten. Das würde entsprechende Produkte für den einzelnen Konsumenten attraktiver machen. Ein solches Mehrwertsteuersystem wäre nach Änderung der einschlägigen EU-Bestimmungen durchaus realistisch. Wir sollten dringend damit beginnen, eine solche Debatte auf EU-Ebene zu führen. Für Dienstleistungen wie Reparaturen kann dies auch national umgesetzt werden.
Neben ökonomischen Anreizen geht es auch um verbindliche Umwelt- und Sozialstandards für Rohstoffe entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Verbraucher und auch Unternehmen haben oft nicht die Möglichkeit, sich für rohstoffschonende Produkte zu entscheiden. Eine verbindliche Zertifizierung würde hier Abhilfe schaffen.
Ein weiterer wichtiger Hebel sind produktspezifische Rezyklatquoten: Für die Kunststoffherstellung sollten auf europäischer Ebene entsprechende Rezyklatquoten festgelegt werden, mit dem Ziel, mehr Sekundärkunststoffe einzusetzen. So sollte beispielsweise ein höherer Mindestanteil an recyceltem Kunststoff für Plastiktüten oder Mülltonnen vorgeschrieben werden.
Und schließlich schlagen wir vor, die Vorgaben des Ökodesigns weiterzuentwickeln: So sollte die EU-Ökodesign-Richtlinie um Kriterien zur Materialeffizienz und zur Lebensdauer von Produkten erweitert werden. Eine Informationsplicht zu diesen Aspekten eines Produktes würde die bestehende Kennzeichnung für den Energieverbrauch ergänzen und die Ressourceneffizienz besser kenntlich machen.
Alle Maßnahmen sollten in Deutschland durch ein eigenständiges Ressourcenschutzgesetz flankiert werden. Nur so erhält das Thema Ressourcenschonung eine Absicherung als umweltpolitisches Schutzgut, das in allen Politikfeldern beachtet werden muss. Denn viele unserer Rohstoffe sind endlich – und wir sind dafür verantwortlich, sie zu erhalten.