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Ausgewählte Ausgabe: 03-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Nachrüsten einer Deponie mit Dichtungskontrollsystem

Sicherung, Kultivierung und Nachsorge

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Auf Kabeln vorkonfektioniert werden die Messabgriffe und Signalelektroden auf die Baustelle geliefert und in den Kabeltrassen ausgerollt.

Im Zuge der Sicherungs- und Rekultivierungsmaßnahmen wurde die Oberfläche der Deponie angeglichen und mit einer Abdichtung versehen. Diese setzt sich aus Tragschicht, Kunststoffdichtungsbahn, geotextiler Dränmatte, Sandschutz- und Vegetationsschicht zusammen. Der anwuchsfähige Boden stellt einen dauerhaften und niedrigen Bewuchs sicher, da tiefergehende Wurzelbildung zu einer Beschädigung der Kunststoffdichtungsbahn beziehungsweise Drainage führen kann. Bei der Zersetzung von biologischen Abfällen ohne Sauerstoffzufuhr fallen Deponiegase an. Diese werden mit Hilfe von Brunnen abgesaugt und zukünftig einem Blockheizkraftwerk zur Energiegewinnung zugeführt.
Ohne selbst verändert zu werden, wurde die bestehende Abdichtung der Deponie durch das geologger-System zu einer kontrollierbaren Oberflächenabdichtung nachgerüstet. Dies ermöglicht eine Langzeitüberwachung. Im Regelfall werden dazu eine Vielzahl rasterförmig verlegter Messstellen unterhalb und eine geringere Anzahl von Signalelektroden oberhalb der Abdichtung eingesetzt. Die Messstellen bestehen aus Multi-Punkt-Linear-Elektroden (MPLE)-Kabeln, die in einem Abstand von fünf oder acht Metern einen Messabgriff aufweisen – eine Stelle, über die der dauerhafte Erdkontakt hergestellt wird. Deren Außenseite besteht aus Carbonfasergeflecht. Dabei handelt es sich um ein besonders gut leitfähiges Material. Neben diesen Komponenten wird ein Bezugserder benötigt, der außerhalb der Abdichtungsfläche angeordnet ist. Da bei der Deponie Varel-Hohenberge die Dichtung bereits vor mehreren Jahren eingebaut wurde, war es nur möglich, die Komponenten des Kontrollsystems oberhalb der bestehenden Kunststoffdichtung einzubauen. „Das physikalische Prinzip funktioniert in beiden Fällen. Die Kunststoffabdichtung ist ein elektrischer Nichtleiter. Fließt ein Prüfstrom von den Signalelektroden durch die Dichtung gegen die Erde, kommt es in Folge einer Leckage zu einer geänderten Spannungsverteilung in den Schichten – eine Art lokaler Kurzschluss“, sagt Dr.-Ing. Bernd Kallies, Leiter Anwendungstechnik bei Progeo. Anhand der Veränderungen ermittelt das System, ob Schadstellen in der Abdichtung vorliegen und ortet diese. Leckagen, über die Niederschlagswasser in den Deponiekörper gelangt, können auf diese Weise schnell erkannt und gezielt repariert werden.

Fachgerechte Verlegung und Installation

Alle Komponenten des Systems werden vorkonfektioniert auf die Baustelle geliefert. Bis zu 40 Messabgriffe sowie sieben Signalelektroden sind auf einem Kabel installiert. Dieses wird dann auf vorher eingemessenen Kabeltrassen abgerollt. Beim kompletten Neubau einer Abdichtung erfolgt die Verlegung auf der jeweiligen Schichtebene. Bei einer nachträglichen Installation, wie auf der Deponie Varel-Hohenberge, müssen zunächst mit Hilfe eines Kleinbaggers schmale Gräben ausgehoben werden. Darin werden anschließend die Mess- und Signalkabel verlegt. Die Tiefe beträgt etwa 20 cm über der Kunststoffdichtungsbahn. Im Bodenaufbau befindet sich dort der Übergang zwischen Sandschutz- und Vegetationsschicht. Beim Ausschachten ist dieser Übergang einfach zu treffen und verhinderte die Vermischung beider Schichten. Auch gewährleistete der Abstand Schutz vor einer Beschädigung der Abdichtung im Zuge der Bodenarbeiten. Nach der Verlegung werden sämtliche Kabel aus der Abdichtungsfläche bis zu Schaltschränken, den Feldverteilern, geführt und dort auf ein Steckersystem aufgeklemmt. In Varel-Hohenberge fiel die Entscheidung zu Gunsten einer stichtagsbezogenen Messung. Dabei wird ein mobiles Messsystem an die Steckkontakte im Feldverteiler angeschlossen und eine automatische Messung durchgeführt.
„Mit einer dauerhaften und zuverlässigen Messtechnologie unterstützt das flächendeckende Monitoring-System den Instandhaltungsprozess der Deponie. Dies minimiert die Emissionsrisiken im Nachsorgezeitraum“, so Progeo-Geschäftsführer Andreas Rödel. Der Aufwand für den nachträglichen Einbau des Dichtungskontrollsystems ist angesichts der anfallenden Bodenarbeiten relativ hoch, jedoch als Alternative zum Bau einer komplett neuen Abdichtung eine wirtschaftliche Lösung.

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Autoren

 Uwe Brodtmann

Geschäftsführer Progeo Monitoring GmbH, Großbeeren
ub@progeo.com

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