Von Ressourceneffizienz zur Zukunftsstrategie

Die BeoPlast Besgen GmbH aus Langenfeld produziert Kunststoffteile für die Automobilindustrie. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben als erstes in seiner Branche das Ziel umgesetzt, vollständig CO2-neutral zu sein. Dafür wurde es im vergangenem Jahr mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Theo Besgen, Geschäftsführender Gesellschafter, spricht sich für Zukunftssicherung durch ganzheitliche Betrachtung aus.


Das Wichtigste an jeder Statistik ist laut Theo Besgen die Fragestellung im Wortlaut. Jedes Detail hat Einfluss auf die Antwort, und mit Formulierung der Fragen werden Antworten bewusst oder unbewusst gesteuert. Wird der Energieeinsatz allein nach ökonomischen Aspekten betrachtet, werden absehbare politische Rahmenbedingungen und soziale Einflussgrößen ausgeblendet. Kurzfristige Erfolge zur Ressourceneffizienz sind erfreulich, ersetzen aber keine tragfähige Zukunftsstrategie in einer sich in allen Dimensionen wandelnden Welt.

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Theo Besgen, Geschäftsführender Gesellschafter von BeoPlast: „Wir haben uns im Jahr 2012 das Ziel gesetzt, unser Unternehmen zur Herstellung von Kunststoffprodukten innerhalb von zwei Jahren klimaneutral zu führen. Dies ist uns gelungen.“

„Deswegen haben wir uns 2012 das Ziel gesetzt, unser Unternehmen zur Herstellung von Kunststoffprodukten innerhalb von zwei Jahren klimaneutral zu führen“, sagt Besgen. Basis für die Umsetzung war eine intensive Prüfung des Energieeinsatzes, dessen Effizienz und kreativer Planungsszenarien. Zuerst stellte das Unternehmen von Strom aus fossilen Quellen auf Elektrizität aus Wasserkraft und Photovoltaik um.
Für die Verantwortlichen bei BeoPlast ist die Energiewende auch eine Wärmewende. So wird Produktionsabwärme für Heizung und Warmwassererzeugung genutzt. Auf Erdgas verzichtet das Unternehmen vollständig. Im dritten Schritt wurden alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ersetzt. „Vom Gabelstapler über einen Smart ed bis zum Tesla ist Mobilität bei uns emissionsfrei“, so Besgen. Seit Mitte 2014 produziert BeoPlast klimaneutral Kunststoffspritzgussprodukte.
Die Erfassung und Analyse eingesetzter Energie und Umsetzung von wirksameren Alternativen führen auch zur Verbesserung der Arbeitsqualität für die Mitarbeiter. So ist LED-Beleuchtung sparsamer bei besserer Lichtqualität, und neue, vollelektrische Spritzgussmaschinen sind gleichzeitig produktiver und geräuschärmer.

Gesamtkonzept für den Umgang mit Ressourcen und Mitarbeitern

Aus der Betrachtung der Ressourceneffizienz hat sich ein Gesamtkonzept zum verantwortlichen Umgang mit Ressourcen und Menschen entwickelt. „Daraus haben wir auch Forderungen an unsere Lieferpartner und Angebote an unsere Kunden abgeleitet. Unsere Lieferpartner werden – soweit noch nicht geschehen – unterstützt, sich nach bestehenden Umweltstandards zu erklären“, sagt Besgen. Gelingt dies nicht im geplanten Zeitraum, bietet das Unternehmen aktive Hilfe an. Die Kunden werden bei Anfragen über eingesparte Klimabelastungen informiert und erhalten zusätzlich Empfehlungen für den Einsatz von biobasierten Kunststoffen aus nachwachsenden Quellen.
Abfälle betrachtet das Unternehmen als Ressource, sammelt diese sortenrein und verkauft sie. Dies gilt für Verpackungen ebenso wie für Produktionsabfälle, die zu annähernd 100 % der Wiederverwertung zugeführt werden.

„Bei der Betrachtung der Treibhausgasemissionen unseres Unternehmens beziehen wir auch Arbeitswege unserer Mitarbeiter, Geschäftsreisen und den Lieferverkehr ein“, so der Geschäftsführer. Um die Wege von und zur Arbeit zu reduzieren oder möglichst klimaneutral zu gestalten, wird durch finanzielle Anreize und mit wachsendem Erfolg E-Mobilität gefördert. Wo möglich vermeiden Homeoffice-Arbeitsplätze überflüssige Wege. Geschäftsreisen werden durch Videokonferenzen deutlich reduziert oder mit der Bahn absolviert. Eigener Lieferverkehr wird bei Kleinmengen mit einem Elektro-Lieferwagen geleistet. Durch größere Transporte entstehende Klimabelastung mit Spediteuren werden durch Ausgleichsmaßnahmen neutralisiert.

Positive Wirtschaftsbilanz

Die Energiekosten haben sich im Klima neutralen Jahr 2015 gegenüber 2013 pro Tonne verarbeiteten Rohstoffs um mehr als 7 % reduziert. Die ganzheitliche Betrachtung von Ressourceneffizienz lohnt sich somit wirtschaftlich. „Im Wettbewerb kommunizieren wir unsere Alleinstellung als erstes Klimaneutrales Unternehmen unserer Branche in Deutschland, vertiefen dadurch bestehende Kundenbeziehungen und erschließen neue Auftraggeber sowie Märkte“, sagt Besgen. Für den Geschäftsführer stehen in diesem Zusammenhang zwei Annahmen zur wirtschaftlichen Zukunft von Unternehmen im Raum: Der Preis für fossile Brennstoffe wird aufgrund aufwendiger Fördermethoden und größerer Nachfrage sowie Politik der Opec-Staaten steigen, und die Politik wird deutliche klimapolitische Leitplanken zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens setzen.
Sollten beide Annahmen eintreten, könnten sich die Grundlagen für den auskömmlichen Betrieb eines Unternehmens deutlich verändern.
Verantwortliche, die sich mit der Betrachtung von Ressourceneffizienz intensiv beschäftigt, und wesentliche Zukunftsfragen für ihr Geschäft ableiten, sind laut Besgen auf dem richtigen Weg, um ihr Unternehmen für kommende Herausforderungen neu auszurichten. Dabei sei es unerheblich, ob die sich ergebenden Ableitungen von Mitarbeitern, Managern oder Unternehmern formuliert werden.