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Ausgewählte Ausgabe: 12-2016 Ansicht: Modernes Layout
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Regenwasserbewirtschaftung auf Betriebshöfen

Kommunen, Landkreise und Bundesländer unterhalten Betriebshöfe mit Fuhrparks und Werkstätten. Die meisten dieser Einrichtungen nutzen Regenwasserbewirtschaftung – insbesondere bei den neu gebauten Betriebsstätten der Straßen- und Flussunterhaltung, der Müllabfuhr und der Stadtreinigung. Die Mall GmbH aus Donaueschingen hat den zentralen Betriebshof der Stadt Marl in NRW und den Werkhof der Stadt Villingen-Schwenningen in Baden-Württemberg mit entsprechenden Anlagen ausgestattet.


Zentraler Betriebshof der Stadt Marl, die Dächer sind Sammelflächen für Regenwasser. Durch beheizte Abläufe ist der Niederschlag auch im Winter nutzbar.

Zentraler Betriebshof der Stadt Marl, die Dächer sind Sammelflächen für Regenwasser. Durch beheizte Abläufe ist der Niederschlag auch im Winter nutzbar.

In Marl, einer Stadt im nördlichen Ruhrgebiet mit 85 000 Einwohnern, wurden im Jahr 2009 die kommunalen Betriebe von mehreren Standorten in einem zentralen Betriebshof zusammengefasst. Auf dem Gelände einer ehemaligen Zeche mit 36 000 m² sind Wertstoffhof, städtischer Winterdienst, Müllabfuhr, Straßenreinigung, Straßenmeisterei und mehrere Werkstätten untergebracht. Mittlerweile arbeiten dort 250 Mitarbeiter. Ulrich Rütter ist seit mehr als 30 Jahren beim Betriebshof beschäftigt. Er koordiniert die Werkstätten, und aus seiner Sicht hat sich der Neubau auch über den mehrjährigen Betrieb ausgezahlt: „Wir haben jetzt eine gute Ausstattung und moderne Arbeitsplätze. Eine prima Sache ist auch die Regenwassernutzung.“ Kehrmaschinen und andere Fahrzeuge sowie Behältnisse müssen regelmäßig gereinigt und befüllt werden. Dafür Trinkwasser zu nehmen, wäre aus seiner Sicht Verschwendung. Das sahen die Verantwortlichen der Stadt Marl als Bauherren ebenso, als sie die Regenwassernutzung in Auftrag gaben. Sammelfläche für den Niederschlag ist das über dem Innenhof frei stehende Dach mit einer Größe von rund 1 500 m2. Die Abläufe sind beheizt, so dass auch im Winter Schnee und Eis zu nutzbarem Wasser werden.
Der unterirdische Speicher fasst 78 m3 und besteht aus vier Behältern, die als kommunizierende Gefäße untereinander verbunden sind. Von dort fördern große Unterwasser- und Zubringerpumpen das schon im Speicherzulauf gefilterte Regenwasser automatisch in einen 200 l fassenden Kunststofftank im Gebäude. Kleinere trocken aufgestellte Kreiselpumpen bewegen das Betriebswasser später weiter an die Verbrauchsstellen, unterstützt durch ein Druckausgleichsgefäß mit 100 l Volumen.

Steuerung der Regenwasserzentrale

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Das Regencenter Monsun XL sitzt im Betriebshof Marl und versorgt die Entnahmestellen.

Das Entnahme- und Verteilsystem ist als komplett ausgestattete Regenwasserzentrale vorgefertigt und besteht aus elektronischer Steuerung, Doppelpumpendruckerhöhung, integriertem Vorlagebehälter und Zubringerpumpen. Die Steuerung funktioniert über Drucksensoren, deren Ein- und Ausschaltpunkte vor Ort projektspezifisch eingegeben werden. Die beiden Kreiselpumpen sitzen unter dem Kunststofftank oder Vorlagebehälter und erhalten so das Wasser stromsparend im Zulauf von oben. Sie werden wechselseitig betrieben und bei Spitzenbedarf kaskadenartig zugeschaltet. Diese Pumpen verfügen außerdem über einen integrierten Trockenlaufschutz. Mit einem optischen und akustischen Signal weist die Steuerung auf Fehlfunktionen hin. Der potenzialfreie Störmelder ermöglicht eine Fernanzeige, RS-232-Schnittstellen zur externen Datenübermittlung sind vorhanden. Die Steuerung überwacht ständig die Füllstände im Regenspeicher und im Vorlagebehälter. Bei Regenwassermangel im unterirdischen Tank oder manueller Umschaltung wird automatisch und bedarfsgerecht Trinkwasser gemäß DIN EN 1717 in die Regenwasserzentrale nachgespeist. Auch wenn es über längere Zeit keinen Trinkwasserbedarf gibt, wird durch die Programmierung das Magnetventil der Nachspeisung periodisch kurz geöffnet, um Stagnation in der Zuleitung zu vermeiden. Hauptsächlich werden mit dem Wasser die Wagen gewaschen, Abfallgefäße gereinigt und die Kehrmaschinen befüllt. Der Allgemeine Betriebsleiter Michael Lauche empfiehlt die Regenwassernutzung auch anderen Kommunen, rät allerdings bei Neubau zu noch größeren Zisternen.

Regenwassernutzung in Villingen-Schwenningen

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Bauhof Technische Dienste Villingen-Schwenningen. 5 500 m² Dachflächen sind begrünt, um den Niederschlag zurückzuhalten und zu verdunsten.

Die europäische Wasserscheide Donau / Schwarzes Meer einerseits und Rhein / Atlantik andererseits verläuft quer durch das Gelände des neu errichteten Bauhofes der Stadt Villingen-Schwenningen mit ihren 82 000 Einwohnern. „Von hier aus starten täglich rund 120 Mitarbeiter für Stadtgärtnerei und Stadtreinigung sowie Straßen-, Gebäude- und Kanalunterhalt“, sagt Betriebsleiter Andreas Thomma. Sämtliches Schmutzwasser des Betriebshofes gelangt über die Kanalisation und die Kläranlage in den Vorfluter Richtung Donau. Niederschläge, sofern sie nicht von den Gründächern aus direkt zur Verdunstung kommen, versickern Richtung Neckar / Rhein. Der von den Verkehrsflächen stammende Anteil muss vorab gereinigt werden. Dies geschieht in drei unterirdisch eingebauten Substratfiltern.

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Autoren

Dipl.-Ing. Klaus W. König

Sachverständigen- und Fachpressebüro Überlingen am Bodensee. Als freier Fachjournalist und Buchautor veröffentlicht er regelmäßig Artikel in Umwelt-, Architektur-, Heizungs- und Sanitärzeitschriften. Er ist von der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Bewirtschaftung und Nutzung von Regenwasser, Mitglied im DIN-Ausschuss „Wasserrecycling / Regen- und Grauwassernutzung“ und Lehrbeauftragter an der Universität Stuttgart und an der Hochschule Reutlingen, Thema „Rainwater Management“ in englischer Sprache.
www.klauswkoenig.com
mail@klauswkoenig.com
kwkoenig@koenig-regenwasser.de

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