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Ausgewählte Ausgabe: 12-2016 Ansicht: Modernes Layout
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Strom- und Wärmegewinnung aus industriellen Abfallstoffen

Seit Jahren gibt es Widerstände der Bevölkerung gegen neue, große Kraftwerke, die den Knowsley Industrial and Business Park in Großbritannien versorgen. Im Jahr 2015 baute die Entrade Energiesysteme AG, Düsseldorf, kleine Biomassekraftwerke in Containern auf. Damit wurde zugleich ein weiteres Problem gelöst: die Entsorgung von Abfallstoffen wie beispielsweise Algenreste oder Catering-Abfälle.


Ein in einem Container installiertes KWK-Kraftwerk.

Ein in einem Container installiertes KWK-Kraftwerk.

Der Knowsley Industrial and Business Park (KIBP) ist mit einer Fläche von 4,85 km2, mehr als 800 ansässigen Unternehmen und 15 000 Beschäftigten einer der größten Industrieparks in Europa. Die örtliche Verwaltung verfolgt schon seit dem Jahr 2008 das Ziel, die Energieversorgung CO2 sparender zu gestalten und ihn zum „Low Carbon Energy Park“ aufzuwerten. Entgegen vieler Anstrengungen scheiterten mehrere Versuche mit großen Waste-to-Energy-Kraftwerken und fünf sich durch den Industriebezirk ziehenden Fernwärmeleitungen. Die Ursache dafür war der Widerstand der Bevölkerung und die Kosten, die externe Unternehmen aufbringen sollen.
Die Situation änderte sich erst im Jahr 2015. Entrade entwickelte ein kleines KWK-Kraftwerk und setzt dieses vor allem in Nordengland ein. Der nächste Schritt war eine britische Niederlassung. Kurz vor Jahresende begann Unternehmens-Vorstand Julien Uhlig zusammen mit Council-Vertreter Steve McKeown, nach einem Standort zu suchen. „Ich wusste, dass unser mobiles Biomassekraftwerk geeignet sein würde, um den Firmen im Park eine zeitgemäße, saubere Energieversorgung zu bieten“, sagt Uhlig rückblickend.
Wenige Wochen später wurden die ersten Biomassekraftwerke vom Typ E3 und E4 aus der Produktion im sächsischen Crimmitschau angeliefert und vor Ort im KIBP endmontiert. Mit dem Asset-Finanzierer Lombard, Teil der Unternehmensgruppe der Royal Bank of Scotland, wurde ein Projektvertrag geschlossen: Im ersten Schritt sollen E3- und E4-Kraftwerke im Wert von rund 11,6 Mio. € installiert werden. So entstanden bis Ende 2016 300 dieser Energielieferanten und produzieren dezentral Strom und Wärme für die ansässigen Unternehmen.

Zwei Größen für unterschiedlichen Energiebedarf

Das Kraftwerk ist in zwei Varianten lieferbar: Die E3-Version hat eine Leistung von 25 kW (el.) und 60 kW (th.). Die größere Variante stellt mit 55 kW (el.) und 130 kW (th.) mehr als doppelt so viel Energie bereit. Das technische Prinzip ist einfach: Feste Biomasse, wie beispielsweise Haselnussschalen, wird bei sehr hohen Temperaturen thermisch aufgeschlossen. Das entweichende Synthesegas dient einem Gasmotor als Brennstoff, der wiederum einen Generator antreibt und Strom erzeugt.

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Blick in die Produktion des E3-Kraftwerks in Crimmitschau.

Die E3- und E4-Kraftwerke arbeiten nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung, das heißt die entstehende Wärme wird ebenfalls genutzt. Der Hochtemperatur-Reaktor, der Gasmotor und der Generator finden auf wenigen Quadratmetern Platz und sind leicht transportabel. Eine typische Konfiguration sieht vier E4-Einheiten vor, die samt Steuerung in zwei übereinander platzierte 40-Fuß-Container passen. Das Kraftwerk ist grundlastfähig und eignet sich somit als Unterstützung erneuerbarer Energien aus Sonne und Wind.

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Autoren

 Julia Maciejek

Cleantech Media, Leipzig

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